Elisabethkirche
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Die St. Michaelskapelle ist eine gotische Pilger- und Friedhofskapelle die vom Deutsche Orden erbaut wurde. Sie befindet sich gegenüber den Türmen der Elisabethkirche hinter der heutigen Wohnbebauung auf einer kleinen Anhöhe. Die kleine Kirche wurde erstmals 1268 in einer Urkunde des Mainzer Erzbischofs Werner von Eppstein erwähnt. Die Weihe der Kirche erfolgte am 30. April 1270 durch Dietrich von Wierland, einem Bischof des Deutschen Ordens. Ein Altar wurde 1319 errichtet und 1336 geweiht.
Die Kapelle besteht aus einem einzigen dreijochigen Raum (Saalkirche). Die Apsis mit Fünfachtelschluss verfügt über drei große Bogenfenster. Die Südwand hat zwei Fenster, die Nordwand ist geschlossen. Die Fenster ähneln den Maßwerkfenstern der Elisabethkirche. Die Kapelle ist ein bedeutendes Beispiel für gotische Architektur in Marburg.
Zwischen mehrfachem Verfall, Wiederaufbau und Sanierungen haben verschiedene Nutzungen der Kirche stattgefunden. Von 1476 bis 1526 wurde die Kirche von der Rosenkranzbruderschaft benutzt. Nach der Reformation ging die Kirche in den Besitz der Stadt Marburg über und wurde dem Verfall preisgeben. Ohne Fenster und Türen und schadhaftem Dach verfiel die Kirche immer mehr. Regenwasser beschädigte die Kreuzgewölbe. Die Ruine wurde danach als Ziegenstall und als Lagerraum für Holz und landwirtschaftliche Produkte genutzt.
Ab 1583 wurde mit einer mehrjährigen Renovierung begonnen. Das Dach wurde repariert und die heute vorhandenen Dachreiter aufgebaut. Das beschädigte, einsturzgefährdete Beinhaus wurde 1628 abgebrochen. Nach der Renovierung benutzten die Bürger des früheren Bezirkes des Deutschen Ordens die St. Michaelskapelle. Nach 1800 war der Zustand der Kirche wieder so schlecht, dass die Nutzung als Krankenhaus erwogen wurde.
Ab dem 21. Jahrhundert wurde wieder mehrfach Sanierungsarbeiten begonnen. Eine Orgel mit vier Registern wurde 1962 von Werner Bosch eingebaut.  2009 wurden umfangreiche Sanierungsarbeiten begonnen. Dabei wurde eine Bemalung mit der Darstellung des Hl. Christophorus mit dem Christus Kind im Arm entdeckt. Im Steinboden befinden sich einige Grabplatten die restauriert wurden. Da der auf sandigem Untergrund gebaute Chor abzurutschen drohte musste er durch eingebohrte Betonpfähle gesichert werden. Die Ketzerbachgesellschaft hat diese Sicherungsmaßnahmen mit einem Spendenbeitrag von 43.000 EURO unterstützt. 2020 wurde das Dach, der Turm der Kirche und die Turmhaube aufwendig saniert und mit Naturschiefer neu gedeckt. 
Heute wird die Kirche für Kindergottesdienste, Taufen, Trauungen und Konzerte benutzt. Die St. Michaelkapelle gehört heute zur Elisabethkirchengemeinde und ist Teil des Kirchenkreises Marburg.