Das Nördliche Seitenschiff

Nach Durchlaufen der Chöre, die durch den Lettner von den Kirchenschiffen abgetrennt sind, verlassen wir den Elisabethchor nach links hinaus und gehen am Kreuzaltar vorbei zum südlichen Seitenschiff. Dort treffen wir zu Anfang auf einen Ort der Andacht und Stille, der durch einen Kerzenleuchter in Form einer Weltkugel gekennzeichnet ist.

Die Glocken der Elisabethkirche

700 Jahre Glockengeschichte in den Türmen der Kirche der heiligen Elisabeth Seit 1965 hat die Elisabethkirche wieder ein Großgeläute von neun Glocken, wie es im 16. und 17. Jahrhundert schon einmal vorhanden war. Vier Glocken - zuletzt 1917 und 1965 - sind seitdem verloren gegangen: gesprungen oder im Krieg eingeschmolzen. Die Klangfolge war unharmonisch unterbrochen, bis sie 1965/66 endlich vervollständigt wurde mit vier Glocken aus der traditionsreichen Glockengießerei Rincker, die in Sinn im Lahn-Dill-Kreis ansässig ist.

Dachstuhl der Elisabethkirche

Ein besonderer Schatz der Elisabethkirche ist für den normalen Besucher nicht sichtbar. Er versteckt sich jenseits der Gewölbe und Gerippe: der Dachstuhl. Siehe Video rechts.

Der Dachstuhl der Elisabethkirche hat im Laufe der Jahrhunderte erstaunlicherweise keinen Schaden durch Brände oder andere Naturgewalten genommen. Er wird zu den ältesten Dachstühlen in ganz Europa gezählt.

Ab 1243 wurde er in verschiedenen Phasen über die fertiggestellten Mauern und Säulen der Chöre und des Langhauses gebaut. Erst wenn der Dachstuhl und damit der Schutz vor Witterung über einem Bauabschnitt fertiggestellt war, konnte man mit dem anspruchsvollen Bau der Gewölbe beginnen. Für den Bau des Dachstuhls wurden etwa 1000 Eichen benötigt, die zum Zeitpunkt der Fällung schon mindestens 200 Jahre alt sein mussten. Sie wurden vermutlich von weit her angeschafft.

Geschichte des Dachstuhls

Der älteste Teil des Dachstuhls befindet sich über dem Langhaus und ist etwa 750 Jahre alt. Der Dachstuhl über den drei Chören wurde bei Renovierungen um 1660 erneuert, denn vermutlich war der Dachreiter zu hoch und schwer (er trug damals 5 Glocken), sodass die Stabilität nicht mehr gewährleistet war. Dabei wurde auch die Anzahl der Seitendächer über dem Langhaus von ursprünglich 5 (wie man immer noch an den Wasserspeiern erkennen kann) auf die heutigen 3 verringert. Finanziert wurden diese Renovierungsarbeiten kurioserweise durch den Verkauf der Bleibedachung. Seitdem ist die Elisabethkirche mit Schieferplatten bedeckt.

Die Dachbalken über dem Mittelschiff sind 9,70m lang und liegen auf den Mauern über den Säulenreihen auf. Sie brechen nur deshalb nicht durch, weil sie von den Mittelsäulen, die im Giebel mit den Dachsparren verbunden und in der Mitte in die Dachbalken eingelassen sind, entlastet werden. Es handelt sich um eine Hängekonstruktion.

Die letzte Renovierung wurde in den 1990er Jahren begonnen und war 2005 abgeschlossen. Dabei wurden zahlreiche Beschädigungen an den Balken beseitigt und in der ursprünglichen Bauweise ersetzt. So wurde ein wichtiger Schritt getan, um dieses einzigartige Zeugnis mittelalterlicher Bau- und Handwerkskunst auch für die kommenden Generationen zu erhalten.

Öffentlich zugänglich war der Dachstuhl der Elisabethkirche bislang nicht. Erst seit Anfang 2010 ist es möglich, ihn im Rahmen einer Führung zu besichtigen. Nähere Informationen zu den Dachstuhlführungen finden Sie hier.

Kurzer Einblick in den Dachstuhl der Elisabethkirche