Andacht-to-go für Sonntag Lätare

Die Andacht von Pfarrerin Anna Scholz für Sonntag Lätare können Sie hier als "Andacht-to-go" nachlesen und im PDF-Format herunterladen - zum Ausdrucken, Mitnehmen, Weiterreichen...

„...das Haus aber war erfüllt vom Duft des Öls...“

Andacht für Sonntag Lätare, 22. März 2020 [Download als PDF]
von Pfrin. Anna Scholz

Guter Gott, ich suche Halt und Hilfe.
Ich suche Geborgenheit und Gemeinschaft
in dieser schweren Zeit.
Und gerade die Gemeinschaft,
nach der ich mich so sehne,
ist plötzlich zur Gefahr geworden.
Ich suche Worte, die mich trösten.
Ich suche Hoffnung.
Lass mich etwas davon erfahren
Schenk mir Mut.
Amen


Psalm 6, EG 704

Errette mich Herr, um deiner Güte willen.
Ach Herr, strafe mich nicht in deinem Zorn
Und züchtige mich nicht in deinem Grimm
Herr sei mir gnädig, denn ich bin schwach
Heile mich Herr, denn meine Gebeine sind erschrocken
Und meine Seele ist sehr erschrocken
Ach du, Herr, wie lange!

Wende dich Herr und errette mich
Hilf mir um Deiner Güte willen!
Weichet von mir, alle Übeltäter
Denn der Herr hört mein Weinen
Der Herr hört mein Flehen
Mein Gebet nimmt der Herr an.

 

Lied EG+18

Stimme, die Stein zerbricht,
kommt mir im Finstern nah,
jemand, der leise spricht:
Hab keine Angst, ich bin da.

Sprach schon vor Nacht und Tag
Vor meinem Nein und Ja
Stimme, die alles trägt
Hab keine Angst, ich bin da.

Bringt mir, wo ich auch sei
Botschaft des Neubeginns
Nimmt mir die Furcht macht frei,
Stimme, die dein ist: ich bin´s.

Wird es dann wieder leer
Teilen die Leere wir
Seh dich nicht, hör nichts mehr
Und bin nicht bang, du bist hier

(Text: Jürgen Henkys)

 


Schriftlesung: Die Salbung in Betanien (Joh 12, 1-3)

Sechs Tage vor dem Passafest kam Jesus nach Betanien, wo
Lazarus war, den Jesus auferweckt hatte von den Toten.
Dort machten sie ihm ein Mahl und Marta diente bei Tisch;
Lazarus aber war einer von denen, die mit ihm zu Tisch
saßen.
Da nahm Maria ein Pfund Salböl von unverfälschter,
kostbarer Narde und salbte die Füße Jesu; das Haus aber
wurde erfüllt vom Duft des Öls.

 

Andacht

Da hocken sie zusammen. In einer schweren Zeit. Gerade haben die Hohenpriester beschlossen, Jesus vor Gericht zu stellen. Die Todesstrafe soll er bekommen.
Nun sitzt er bei seinen Freunden am Tisch. Im kleinen Kreis.
Marta kocht das Essen. Lazarus und Jesus sprechen... über dies und das... und vielleicht sind noch ein, zwei andere dabei... die Stimmung ist ein bisschen gedämpft, als ob alle ahnen, und zugleich nicht richtig wissen: da ist eine Bedrohung... wie wird es weitergehen...?
Und so rücken sie zusammen, da in der kleinen Hütte. Mit einem mulmigen Gefühl.

Und dann kommt Maria. Öffnet die Flasche. Kniet sich auf den Boden. Das Haus ist erfüllt von köstlichem Duft.
Alle riechen es. Atmen tief ein.
Ein Duft der Hoffnung und des Friedens, der für diesen Moment das Haus durchzieht.
So stelle ich sie mir vor, diese kleine Szene, die Johannes da schildert.
Und zugleich denke ich an uns alle hier, in dieser besonderen Zeit. Die mir bewusst macht, wie wichtig es mir ist, Menschen um mich zu haben. Gesellig zu sein.
Meine Gedanken und Gefühle mit anderen zu teilen. Oder auch einfach nur zu beobachten. Mit Fremden zusammen zu sitzen im Cafe... Mir ihre Geschichten auszumalen. Und mich als Teil einer menschlichen Gemeinschaft zu fühlen.
Als das alles ganz selbstverständlich war, habe ich das gar nicht so genau gemerkt, wie wertvoll mir das ist.
Und wie dankbar ich jetzt gerade für die Menschen bin, die ich um mich habe. In meiner Familie, wo wir auch ein bisschen mehr zusammenrücken.
Auf einmal betrachte ich die, die um mich sind, genauer. Sehe das an, was sie so besonders für mich macht. Blicke auf das, was ich sonst vielleicht oft übersehe.

Wir reden auf einmal mehr, da wo wir sonst manchmal einfach aneinander vorbeihetzen, jede und jeder auf seinen Wegen.
Und ich hab‘ Zeit mich zu erinnern. An Momente, die mir kostbar sind.
Solche „Maria-Momente“ eben. Wo auf einmal die Luft von Duft erfüllt war, auch im Schweren.

Ein solcher Moment hat mit meiner Oma zu tun.
Vor drei Jahren ist sie gestorben.
Eine elegante Frau ist sie immer gewesen, obwohl meine Großeltern eigentlich ein sehr bescheidenes Leben geführt haben.
Bis ins hohe Alter hat sie sich selbst Kleider genäht. Und war immer von einem besonderen Duft umgeben.
Gutes Parfüm hat sie geliebt und sich gegönnt, obwohl es sonst nicht viel Luxuriöses gab in ihrem Leben.
Und, sie hat in ihrem Kleiderschrank immer unzählige Stücke einer besonderen Seife gehabt. Und deshalb hat sie auf eine ganz bestimmte Art geduftet.
Und wenn ich sie besucht habe, dann hat sie mir manchmal so ein Stück von dieser Seife geschenkt. Die habe ich dann selbst in meinen Kleiderschrank gelegt.
Und als sie gestorben war, da hat das für mich auf einmal eine besondere Bedeutung bekommen.
Denn plötzlich war es so, als ich meinen Kleiderschrank öffnete: Da wurde das Haus erfüllt vom Duft!
Und mir war meine Oma ganz nah – ein bisschen, als käme sie aus dem Kleiderschrank hervor und würde mich umarmen.
Und so geht es mir bis heute.

Düfte wecken Erinnerung. Und schöne Gedanken. Und machen Mut. Und umgeben uns... sanft und leicht.
Und können vielleicht helfen, auch diese Zeit jetzt, in der wir alle ein bisschen auf uns selbst zurückgeworfen sind... und manchmal einsam... und unsicher... wie wird es weitergehen... mit Hoffnung und Freude und Frieden zu erfüllen.
„Maria-Momente“ zu schaffen.
Das wünsch ich mir, dass das gelingt in unseren Häusern und Wohnungen.
Vielleicht schaffen Sie sich so einem Moment.
Eine Kerze anzünden. Einen guten Duft verbreiten.
Oder auch einfach nur die Zeit, die Sie haben, nutzen für schöne Erinnerungen...
Woran denken Sie gern zurück?
Was stärkt sie?
Wo waren sie, die allerschönsten Momente?
Dasitzen... nachsinnen... und vielleicht in sich hineinlächeln und ein bisschen träumen.

Und bleiben Sie behütet. Und wenn Sie einsam sind, und nicht wissen, an wen Sie sich wenden können, dann rufen Sie gern auch uns PfarrerInnen an.
Und vielleicht hilft auch ein Gebet.
Ich vertraue darauf, dass es so ist:
„Denn der Herr hört mein Weinen
Der Herr hört mein Flehen
Mein Gebet nimmt der Herr an“.
Amen.

 

Lied EG+ 12

Kostbar war der Moment
Als sie das Haus betrat
Das Salböl in den Händen
Um Liebe zu verschwenden
Kostbar war der Moment
Gepriesen, was sie tat

Kostbar war der Moment
Als sie mit leichtem Gang
Die Mauern der Bedenken
Durchschritt, um Trost zu schenken
Kostbar war der Moment
Für sie ein Lobgesang

Kostbar war der Moment
Als sie das Siegel brach
Und Duft das Haus erfüllte
Sie zärtlich Ängste stillte
Kostbar war der Moment
Erinnerung wirkt nach

Kostbar war der Moment
Als Jesus sie bewahrt
Als sie sein danke hörte
Kostbar war der Moment
Als Gott den Raum betrat

(Text: Ilona Schmitz-Jeromin)

 

Fürbitte

Gott, wir bitten dich
Vor allem für die, die einsam sind
Die unter den Umständen dieser Zeit besonders leiden
Für alle, die niemanden haben
Schenk Ihnen Mut und Kraft

Wir bitten Dich für alle, die krank sind
Deren Leben in Gefahr ist
Für alle, die sich um jemanden Sorgen machen
Für alle, die jemanden verloren haben
Tröste sie und trockne ihre Tränen.

Wir bitten für alle, denen es schlecht geht
Die, die auf der Flucht sind
Die, die kein Zuhause haben
Die, die nicht wissen, wohin.
Stärk sie und gib ihnen Hoffnung.

Vaterunser im Himmel
Geheiligt werde dein Name
Dein Reich komme
Dein Wille geschehe
Wie im Himmel
So auf Erden
Unser tägliches Brot gib uns heute
Und vergib uns unsere Schuld
Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern
Und führe uns nicht in Versuchung
Sondern erlöse uns von dem Bösen
Denn dein ist das Reich
Und die Kraft
Und die Herrlichkeit
In Ewigkeit
Amen.

 

Segen

Gott segne Dich und er behüte Dich
Er lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Er erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir
Frieden. Amen.
 

[Andacht im PDF-Format als Download]


Kontakt:

Pfrin. Anna Scholz
Schützenstraße 52
35039 Marburg
Telefon: (0 64 21) 84 08 113
Mail: anna.scholz@remove-this.ekkw.de