Gottesdienst am Sonntag Reminiscere zum Nachhören und Nachlesen

Jesajas Berufung handelt vom Weinberg Gottes. Im Tympanon der Elisabethkirche ist eine Fülle von Wein dagestellt, an dem auch die Vögel ihre Freude haben. Foto: Bernhard Dietrich

Wir feiern den Gottesdienst am Sonntag Reminiscere (28.2.2021), dem zweiten Sonntag in der Passionszeit, in der Elisabethkirche. Dieser wird mit beschränkter Teilnehmerzahl und unter Coronabedingugnen gefeiert. Gleichzeitig kann man den Gottesdienst hier nun nachhören und nachlesen und von daheim aus mitfeiern.

Gottesdienst Sonntag Reminiscere

Pfarrer Ulrich Hilzinger hält diesen Gottesdienst über das Lied vom unfruchtbaren Weinberg (Predigttext Jesaja 5,1-7 ) - ein Liebeslied vom Schmerz der unerwiderten Liebe, vom Schmerz der Liebe Gottes.

Für alle die aus welchen Gründen auch immer nicht wie sonst am Gottesdienst in der Elisabethkirche teilnehmen können, bieten hier diesen zum Nachhören und Nachlesen an.

Nehmen Sie sich Zeit, zünden Sie ein Kerze an und versuchen alles eventuell Störende auszublenden und dann feiern Sie - verbunden mit der in der Elisabethkirche feiernden Gemeinde - den Gottesdienst aus der Elisabethkirche auf ihren Tablets und Bildschirmen.

Gottesdienst anhören

Gottesdienst am Sonntag Reminiscere (28.2.2021) zum Nachlesen

mit Pfarrer Ulrich Hilzinger

(es gilt das gesprochene Wort, im Folgenden: Manuskript)


Musik zum Eingang

Begrüßung, Votum

Eingangsgebet

Wochenspruch

Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Röm 5,8


Liedvortrag: EG 88 Jesu, deine Passion

1. Jesu, deine Passion will ich jetzt bedenken;
wollest mir vom Himmelsthron Geist und Andacht schenken.
In dem Bilde jetzt erschein, Jesu, meinem Herzen,
wie du, unser Heil zu sein, littest alle Schmerzen.

2. Meine Seele sehen mach deine Angst und Bande,
deine Schläge, deine Schmach, deine Kreuzesschande,
deine Geißel, Dornenkron, Speer– und Nägelwunden,
deinen Tod, o Gottessohn, der mich dir verbunden.+

3. Aber lass mich nicht allein deine Marter sehen,
lass mich auch die Ursach fein und die Frucht verstehen.
Ach die Ursach war auch ich, ich und meine Sünde:
diese hat gemartert dich, dass ich Gnade finde.


EG 713, Psalm 25

Nach dir, Herr, verlanget mich.
Mein Gott, ich hoffe auf dich;
lass mich nicht zuschanden werden.
Denn keiner wird zuschanden, der auf dich harret.
Herr, zeige mir deine Wege
und lehre mich deine Steige!
Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich!
Denn du bist der Gott, der mir hilft;
täglich harre ich auf dich.
Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte,
die von Ewigkeit her gewesen sind.
Der Herr ist gut und gerecht,
darum weist er Sündern den Weg.
Die Wege des Herrn sind lauter Güte und Treue
für alle, die seinen Bund und seine Gebote halten.

Liedvortrag: Ehr sei dem Vater…


Schriftlesung Mt 26,36-46

Jesus in Gethsemane

36 Da kam Jesus mit ihnen zu einem Garten, der hieß Gethsemane, und sprach zu den Jüngern: Setzt euch hierher, solange ich dorthin gehe und bete.
37 Und er nahm mit sich Petrus und die zwei Söhne des Zebedäus und fing an zu trauern und zu zagen.
38 Da sprach Jesus zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibt hier und wachet mit mir!
39 Und er ging ein wenig weiter, fiel nieder auf sein Angesicht und betete und sprach: Mein Vater, ist's möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht, wie ich will, sondern wie du willst!
40 Und er kam zu seinen Jüngern und fand sie schlafend und sprach zu Petrus: Konntet ihr denn nicht eine Stunde mit mir wachen?
41 Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt! Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach.
42 Zum zweiten Mal ging er wieder hin, betete und sprach: Mein Vater, ist's nicht möglich, dass dieser Kelch vorübergehe, ohne dass ich ihn trinke, so geschehe dein Wille!
43 Und er kam und fand sie abermals schlafend, und ihre Augen waren voller Schlaf.
44 Und er ließ sie und ging wieder hin und betete zum dritten Mal und redete abermals dieselben Worte.
45 Dann kam er zu den Jüngern und sprach zu ihnen: Ach, wollt ihr weiter schlafen und ruhen? Siehe, die Stunde ist da, dass der Menschensohn in die Hände der Sünder überantwortet wird.
46 Steht auf, lasst uns gehen! Siehe, er ist da, der mich verrät.


Liedvortrag: EG 96 Du schöner Lebensbaum des Paradieses

1. Du schöner Lebensbaum des Paradieses,
gütiger Jesus, Gotteslamm auf Erden.
Du bist der wahre Retter unsres Lebens,
unser Befreier.

2. Nur unsretwegen hattest du zu leiden,
gingst an das Kreuz und trugst die Dornenkrone.
Für unsre Sünden musstest du bezahlen
mit deinem Leben.

3. Lieber Herr Jesus, wandle uns von Grund auf,
dass allen denen wir auch gern vergeben,
die uns beleidigt, die uns Unrecht taten,
selbst sich verfehlten.

4. Für diese alle wollen wir dich bitten,
nach deinem Vorbild laut zum Vater flehen,
dass wir mit allen Heilgen zu dir kommen
in deinen Frieden.


Predigt, Jesaja 5,1-7

Liebe Gemeinde,
wenn uns jemand von „Schmetterlingen im Bauch“ erzählt, sagt: „Meine Maus tut dies“ oder „Mein Hase jenes,“ dann begreifen wir: Er oder sie redet nicht von Ungeziefer, Nagern im Vorratskeller oder einem Karnickel im Stall, sondern liebevoll vom Partner. Und als Goethe schrieb: „Sah ein Knab ein Röslein stehn,“ ging´s ihm nicht um Gärtnerlatein,sondern um ein Mädchen, das ihm wie eine duftende Rose war, es ging ihm um Liebe.
Früher, in Israel, gab es auch solche Redewendungen. Wenn einer sagte: »Ich erzähl dir was über meinen Weinberg« – dann wussten die Leute: Der will nichts über Rebsorten oder Öchslegrade berichten, sondern über seinen Schatz.
Wahrscheinlich beim Laubhüttenfest, wo die Stimmung gut war und die Menschen ausgelassen, gab Jesaja ein Lied vom Weinberg zum Besten. Und die anderen horchten auf: „Schau mal einer an, jetzt sind wir aber gespannt, was der Jesaja so aus dem Nähkästchen zu erzählen weiß.“
In diesen Rahmen ist unser heutiger Predigttext wohl eingebettet. In Jesaja 5,1-7 lesen wir: Ich will ein Lied singen von meinem lieben Freund, ein Lied vom Weinberg meines lieben Freundes.
Diese Ankündigung jedenfalls lässt die Hoffnung auf eine richtig nette Geschichte steigen, wenn auch nicht von Jesaja selbst, so doch von seinem guten Freund.
Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fruchtbaren Höhe. Er grub ihn um und entfernte die Steine und bepflanzte ihn mit den edelsten Reben. Er baute mitten darin einen Turm und hieb eine Kelter darin aus.
Die Kelter war ein in Fels gehauener Steintrog, in dem man Trauben pressen konnte. Der Turm war zur Bewachung der Anlage.
Bis hierher ist alles in Ordnung: guter Boden, ordentliche Arbeit, nichts schluderig oder schlampig erledigt, super Weinstöcke. Beste Voraussetzungen also.
Dann hoffte er, dass der Weinberg süße Trauben brächte doch er brachte nur saure Beeren.
Ganz unerwartet kippt Jesaja die Geschichte in eine Richtung, die die gesellige Runde nicht erwartet hatte.

Nun sprecht das Urteil, Jerusalems Bürger und ihr Männer von Juda, im Streit zwischen mir und dem Weinberg! Was konnte ich noch für meinen Weinberg tun, das ich nicht für ihn tat? Warum hoffte ich denn auf süße Trauben? Warum brachte er nur saure Beeren?
Jesaja ändert plötzlich den Blickwinkel, erzählt nicht mehr von dem Freund, sondern sagt, es gibt einen Streit zwischen mir und… meinem Weinberg.
Er fährt fort: Jetzt aber will ich euch kundtun, was ich mit meinem Weinberg mache: Ich entferne seine schützende Hecke; so wird er zur Weide. Seine Mauer reiße ich ein; dann wird er zertrampelt. Zu Ödland will ich ihn machen. Man soll seine Reben nicht schneiden und soll ihn nicht hacken; Dornen und Disteln werden dort wuchern.

Enttäuschte Liebe, das ist es also, worum es hier geht, um einen enttäuschten Liebhaber, der alles kurz und klein hauen will.
Aber Jesaja holt noch weiter aus:
Ich verbiete den Wolken, ihm Regen zu spenden. Ja, der Weinberg des Herrn der Heere ist das Haus Israel, und die Männer von Juda sind die Reben, die er zu seiner Freude gepflanzt hat.
Spätestens jetzt begreifen seine Zuhörer: Jesaja redet doch nicht von sich und aus seinem Nähkästchen, sondern es ist ein Prophetenspruch, den er hier weitergibt. Es geht um Gott und sein Volk Israel.

Und bevor die Leute richtig begreifen, dass Jesaja sie alle meint, die Männer und Frauen, die ihm zuhören, schiebt er nach, woran Gott erkennt, dass das von ihm erwählte Volk eigentlich nichts auf eine Beziehung zu ihm, auf seine Hilfen und Gebote gibt. Er erkennt es daran, wie die Menschen sich untereinander behandeln: Er hoffte auf Rechtsspruch, sagte Jesaja weiter, doch siehe da: Rechtsbruch, und auf Gerechtigkeit doch siehe da: Der Rechtlose schreit.
Das ist das sog. „Lied vom Weinberg.“

Man könnte Gott hier schwarze Pädagogik unterstellen: Liebensentzug bei Leistungsverweigerung.
Aber das wäre ein zu oberflächlicher Versuch zu verstehen, was hier geschieht; Feld-, Wald- und Wiesenpsychologie sozusagen.

Überraschend, weil so ehrlich, sehen wir, dass da kein erhabener, unwandelbarer, unberührbarer Gott redet, sondern einer, der Antwort sucht und nur Ignoriert-Werden findet– eine der ärgsten Strafen überhaupt. Der Gott dieses Weinbergliedes kennt offenbar Angst, Sorge, Verletzung, Wut und Enttäuschung. Uns wird hier also ein Gott vorgestellt, dessen tiefe Liebe gnadenlos enttäuscht wird und der ohnmächtig vor Schmerz darauf reagiert. Jesaja singt ein Liebeslied vom Schmerz der unerwiderten Liebe, vom Schmerz der Liebe Gottes.

Im Lied vom Weinberg spiegelt sich zuerst der Gedanke, dass Gott im Leben von uns Menschen alles wunderbar vorbereitet hat: Bester Boden, schwere Brocken weggeräumt, in jeden wunderbare Fähigkeiten und Begabungen eingepflanzt: „Edelste Rebstöcke“ heißt es.
Aber die bleiben weit, weit hinter ihren Anlagen zurück. Gottes Mühe ist vergeblich, die Hoffnung bleibt unerfüllt. Was wächst, ist sauer und schlecht.
Und das macht Gott fertig!

Anhand der Früchte, die Israel hervorbringt - oder durchaus zu übertragen: die wir, die an ihn glauben, hervorbringen - erkennt Gott, wie´s in uns aussieht, wonach wir uns tatsächlich innerlich ausrichten: Wir meinen nicht selten, unseren Wert erst selbst kreieren zu müssen, uns bis dahin
selbst beweisen zu müssen, wo wir anderen wegnehmen, was uns nicht zusteht, wo wir unsere Rechte und Freiheit auf Kosten der Rechte und Freiheiten anderer ausdehnen: Gott hofft auf Rechtsspruch, auf Gerechtigkeit, nicht auf Rechtsbruch.
Da könnten wir uns nun bequem zurücklehnen und uns sagen: Naja, sowas mache ich ja nicht. Ich halte mich an die Gesetzte, also bin ich da raus. Aber natürlich fängt diese Dynamik schon viel früher an: Beispielsweise da, wo wir anderen nicht mehr gönnen, als wir haben, obwohl wir selbst genug haben, wo Neid sich schleichend untermischt wie Gift.
Gott erkennt daran, dass er die Früchte seiner Anlagen in uns nur verkümmert vorfindet. Wir haben noch nicht begriffen, dass wir von Anfang an wertvoll sind: geliebt, mit guten Anlagen versehen, sozusagen edelste Rebsorte. Wir brauchen uns nicht zu messen an anderen. Wir sind in seinen Augen fantastisch – egal was außenherum gerade ist.
Das Evangelium, die gute Nachricht von Christus, stößt ja unter anderem genau in diese Richtung: Jesus war selbstlos und voller Liebe für jeden Menschen bis zum Schluss. Er hat uns damit ein Vorbild dafür gegeben, dass chronische Selbstbezogenheit, permanentes Suchen nach dem eigenen Glück, nicht zu mehr Glück in unserem Leben führt, sondern zu weniger. Denn Selbstbezogenheit trägt zu den großen Schmerzen dieser Welt und zu unsrem eigenen Elend bei.
Die sogenannte „Positive Psychologie“ sagt uns genau dasselbe in ihren Worten: Sie hat bezüglich des Glücks ein Prinzip der Indirektheit erkannt: Glück kann seiner Natur nach nicht durch das direkte Streben danach erworben werden. Man muss sich anschleichen, dem Glück auflauern. Oder auch: Du musst dich von ihm erwischen lassen, während du etwas noch Wichtigeres zu erreichen versuchst.

Und da sind wir wieder bei Jesajas Weinberglied, der genau darauf anspielt: Er hoffte auf Rechtsspruch, doch siehe da: Rechtsbruch, und auf Gerechtigkeit doch siehe da: Der Rechtlose schreit.

Letztlich geht es Gott darum, ob wir ihm unser Leben tatsächlich zur Verfügung stellen, oder ob wir auch hier nur wieder uns selbst zum Mittel- und Zielpunkt gemacht haben, unfähig von uns selbst wegzusehen, immer nur auf unseren letztlichen Vorteil bedacht, bis hin zu unserer Religionsausübung. Gott will viel mehr für uns, er will uns verändern und er will uns in seiner Kraft leben lassen.
Da kommen wir hin, wenn wir ihm unser Vertrauen aussprechen. Im NT drückt Jesus die Gedanken, vom Weinberglied bis zum Vertrauensvollen-an-ihm-Andocken in einem Satz aus. Wir finden ihn im Johannesevangelium: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht! Amen


Liedvortrag: EG 640 Lass uns den Weg der Gerechtigkeit…

Kehrvers: Lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehen. Dein Reich komme, Herr, dein Reich komme.

1. Dein Reich in Klarheit und Frieden,
Leben in Wahrheit und Recht.
Dein Reich komme, Herr, dein Reich komme.

2. Dein Reich des Lichts und der Liebe
lebt und geschieht unter uns.
Dein Reich komme, Herr, dein Reich komme.

3. Wege durch Leid und Entbehrung
führen zu dir in dein Reich.
Dein Reich komme, Herr, dein Reich komme.

4. Sehn wir in uns einen Anfang,
endlos vollende dein Reich!
Dein Reich komme, Herr, dein Reich komme.


Fürbitte, Vater unser

Abkündigungen

Segen
Es segne und behüte euch der allmächtige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen

Musik zum Ausgang


Mitwirkende
Musik: Nils Kuppe
Gesang: Anne Kuppe
Lesung: Anne Wollenteit
Liturgie und Predigt: Pfr. Ulrich Hilzinger

 

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