Audio-Gottesdienst am Drittletzten Sonntag des Kirchenjahres, 8.11.2020 - zum Nachhören und Nachlesen

Collage: Bernhard Dietrich

Wir feiern den Gottesdienst zum drittletzten Sonntag des Kirchenjahres (8. November) mit Pfarrer Ulrich Hilzinger in der Elisabethkirche mit corona-bedingt begrenzter Besucherzahl. Für diejenigen, die (deshalb) nicht persönlich anwesend sein konnten, haben wir hier einen Gottesdienst zum nachhören sowie zum Nachlesen mit den Lied-, Lesungs- und Predigttexten vorbereitet.

Gottesdienst zum drittletzten Sonntag des Kirchenjahres aus der Elisabethkirche: In seiner Predigt liest Pfarrer Ulrich Hilzinger aus 1. Thess 5,1–6(7–11) und spricht darüber, wie wir in finsteren Zeiten Kinder des Lichtes sein können.

Pfarrer Ulrich Hilzinger, der für die nächsten Monate vom Kirchenkreis zu unserer Unterstützung entsandt worden ist, wird den Gottesdienst in der Elisabethkirche halten. Hier stellt er sich vor.

Sie sind jetzt nun eingeladen, den Audiomitschnitt des Gottesdienstes vom diesen Sonntag (8.11.) anzuhören und die Texte zu mitlesen. Suchen SIe sich zuvor einen stillen Ort. Machen Sie es sich bequem. Vielleicht zünden Sie eine Kerze an. Singen, lesen und beten Sie mit. Wir wünschen Ihnen Gottes Segen.

Audio-/Mitlese-Gottesdienst zum drittletzten Sonntag des Kirchenjahres
8. November 2020

mit Pfarrer Ulrich Hilzinger

[Text- und Liedblatt als PDF-Download hier klicken]


Vorspiel: Georg Friedrich Händel Orgelkonzert G-Dur 2.Satz


Begrüßung


Lied: Morgenglanz der Ewigkeit  EG 450, 1.2.4

1)
Morgenglanz der Ewigkeit, Licht vom unerschöpften Lichte,
schick uns diese Morgenzeit deine Strahlen zu Gesichte
und vertreib durch deine Macht unsre Nacht.

2)
Deiner Güte Morgentau fall auf unser matt Gewissen;
lass die dürre Lebens-Au lauter süssen Trost genießen
und erquick uns, deine Schar, immerdar.

4)
Ach du Aufgang aus der Höh, gib, dass auch am Jüngsten Tage
unser Leib verklärt ersteh und, entfernt von aller Plage,
sich auf jener Freudenbahn freuen kann.
 

Wir beten gemeinsam aus Psalm 90, EG 735

Herr, du bist unsre Zuflucht für und für. Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden,
     bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Der du die Menschen lässest sterben
     und sprichst: Kommt wieder, Menschenkinder!
Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist,
     und wie eine Nachtwache.
Unser Leben währet siebzig Jahre,
     und wenn’s hoch kommt, so sind’s achtzig Jahre,
und was daran köstlich scheint, ist doch nur vergebliche Mühe;
     denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon.
Wer glaubt’s aber, dass du so sehr zürnest,
     und wer fürchtet sich vor dir in deinem Grimm?
Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen,
     auf dass wir klug werden.
Fülle uns frühe mit deiner Gnade,
     so wollen wir rühmen und fröhlich sein unser Leben lang.
Und der Herr, unser Gott, sei uns freundlich
und fördere das Werk unsrer Hände bei uns.
Ja, das Werk unsrer Hände wollest du fördern!

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen


Lesung Lk 17,20-24 mit „Halleluja“

Vom Kommen des Gottesreiches
20 Als er aber von den Pharisäern gefragt wurde: Wann kommt das Reich Gottes?, antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht mit äußeren Zeichen; 21 man wird auch nicht sagen: Siehe, hier!, oder: Da! Denn sehet, das Reich Gottes ist mitten unter euch.
 

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde,
und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, /
empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, /
gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, /
hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, /
aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; /
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist, /
die heilige katholische Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, /
Vergebung der Sünden, /
Auferstehung der Toten /
und das ewige Leben.

Amen.


Solo und Instrumente: Johann Sebastian Bach: „Jesus bleibet meine Freude“
 

Predigt von Pfr. Ulrich Hilzinger

Liebe Gemeinde,

„Vorbereitung ist das A und O!“ Haben wir schon oft gehört. Ist eine bekannte Weisheit. Sei es im Job die Präsentation vor dem Chef, das gut sortierte Materiallager, das Lernen auf eine Klausur oder der richtige Einkauf vor dem Kochen.
Und je nach Typ fällt uns eine gute Vorbereitung schwerer oder leichter: Manche von uns sind super strukturiert, andere eher intuitiv/spontan. In manchem sind wir sehr erfahren, bei anderem haben wir keine Ahnung.
Was uns schwer fällt, keinen Spaß macht oder wir eigentlich nicht einsehen, wird gerne rausgeschoben, denn es gibt eigentlich fast immer noch Wichtigeres zu tun...
Und so bereiten wir uns unterschiedlichst vor und arbeiten uns ab - an der Steuererklärung, dem Besorgen von Weihnachtsgeschenken oder der Vorratshaltung von Toilettenpapier in Pandemiezeiten.

Unser Predigttext für den drittletzten Sonntag im Kirchenjahr macht auch „Vorbereitung“ zum Thema. Hier geht es nun aber nicht um die praktischen Dinge des Alltags, sondern um ganz Grundlegendes unseres Menschseins: Wohin geht denn unsre Reise? Wann wird´s spannend? Und: Wie sind wir dafür aufgestellt?

Ich lese aus dem 1 Thessalonicher Brief, dem wohl ältesten uns erhaltene Brief des Apostels Paulus.

1. Thess 5,1-11

1 Von den Zeiten aber und Stunden, Brüder und Schwestern, ist es nicht nötig, euch zu schreiben; 2 denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommt wie ein Dieb in der Nacht. 3 Wenn sie sagen: »Friede und Sicherheit«, dann überfällt sie schnell das Verderben wie die Wehen eine schwangere Frau, und sie werden nicht entrinnen. 4 Ihr aber seid nicht in der Finsternis, dass der Tag wie ein Dieb über euch komme. 5 Denn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. Wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis. 6 So lasst uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein. 7 Denn die da schlafen, die schlafen des Nachts, und die da betrunken sind, die sind des Nachts betrunken. 8 Wir aber, die wir Kinder des Tages sind, wollen nüchtern sein, angetan mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf das Heil. 9 Denn Gott hat uns nicht bestimmt zum Zorn, sondern dazu, die Seligkeit zu besitzen durch unsern Herrn Jesus Christus, 10 der für uns gestorben ist, damit, ob wir wachen oder schlafen, wir zugleich mit ihm leben. 11 Darum tröstet euch untereinander und einer erbaue den andern, wie ihr auch tut.

Ich möchte drei Abschnitte machen und beginne mit:

1. Plötzlich

Was beispielsweise Pandemien anbelangt, wiegten wir uns in Europa in großer Sicherheit. So sicher, dass im Frühjahr plötzlich alles zu knapp wurde. Masken, Gummihandschuhe, Desinfektionsmittel. Natürlich, man kann nicht auf alles vorbereitet sein. Das Leben hält zu viele Eventualitäten bereit. Aber offensichtlich kam das gar nicht so unvermittelt. Die asiatischen Länder nahmen die Pandemiegefahr viel ernster als wir in der westlichen Welt. Sie waren wesentlich besser vorbereitet. Bei uns spielte möglicherweise noch ein gewisses Überlegenheitsgefühl mit hinein: „Naja, die Asiaten eben. Die machen das so. Sowas passiert bei uns nicht. Wir haben ganz andere Hygiene…“  Mit mehr Bereitschaft, von anderen zu lernen, hätte man –hätten wir - durchaus besser vorbereitet sein können.

Paulus sagt uns, dass wir in Gefahr stehen, einen solchen Fehler in unserem geistlichen Leben zu machen. Nämlich dann, wenn Glaube an Gott für uns nur einen engen Fokus hat. Beispielsweise v.a. auf unser Wohlfühlen abzielt: „Friede und Sicherheit“.

Paulus ermutigt uns, Erfahrungen anderer Menschen, anderer Christen, auch für uns selbst ernst zu nehmen.

Wer sagt und denkt „Friede und Sicherheit“, der lebt gefährlich, sagt er uns. Irgendwann wird es eng, schwer, anstrengend. Das sind die Erfahrungswerte.  Irgendwann kommt der „Tag des Herrn“. Das könnte für uns heißen, die wir jetzt nicht, wie die ersten Christen, in einer Naherwartung des Endes der Welt leben: Irgendwann kommt unser individueller Tag des Herrn. Wir sterben… Oder: Etwas in uns stirbt. Ein Verlust, eine große Enttäuschung, ein seelischer Schmerz, die Beschneidung von Selbstbestimmtheit wegen Krankheit, die Demütigung, dass die eigene Kraft plötzlich nicht mehr ausreicht …

Plötzlich kommt so ein Tag des Herrn für mich. Was dann?

Eigentlich ist das ein sogenannter Gerichtstext. Aber mit einem positiven Fortgang. Eigentlich ein Text, der uns sagt: Wappne dich! Bereite dich vor! Keine Drohung, sondern Gedanken, die den Scheinwerfer-Spot auf gewisse Punkte im Leben legen: Pass auf, dass du ein gutes Fundament für dein Leben legst.

2. Kinder des Lichts

Paulus geht ganz positiv weiter indem er dieses zweigeteilte Bild von Licht und Finsternis nutzt:
„Hört mal her,“ sagt er uns. „Ihr sitzt mit eurem Leben nicht im Dunkeln.“ Paulus bezieht sich auf ein Bild, mit dem Jesus seine Bedeutung für uns illustriert, als er sagt (Joh 8,12) Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.

Wir ringen ja immer wieder mit der Frage, wie man Gott am besten erklären kann. Jesus, der Teil Gottes, der Mensch geworden ist, gibt uns damit einmal mehr ein starkes Bild an die Hand: Gott in Jesus ist Lebensnotwendigkeit für uns! So notwendig wie Licht! Das Gegenteil von Bedrohlichkeit, Angst, Enge oder Finsternis.

Und Paulus attestiert uns: Wir gehören dazu! Auf diese Lichtseite. Sind Verwandtschaft sozusagen. Wir sind Kinder des Lichts!

Ich vermute, u.a. darauf gründet sich diese wunderschöne skandinavische Sitte, wo Kinder in weißen Kleidern am Mitsommertag weiße Blumenkränze auf dem Kopf tragen, geschmückt mit brennenden Kerzen. Ein Bild von Helligkeit. Leichtigkeit und Freude. Was für eine schöne Versinnbildlichung von: „Kinder des Lichts.“    Das gibt’s übrigens nicht nur bei Astrid Lindgren oder in der Werbung von IKEA. Ich kenne eine junge Finnin, die mir erzählte: Als Kinder haben wir Mitsommer auch immer so gefeiert und ich hatte einen Kranz mit Kerzen auf dem Kopf. Das war schön – und spannend.

Paulus attestiert uns also: Jesus, der diese ungeheure Behauptung aufstellt, selbst das Licht des Lebens schlechthin zu sein, ist Oberhaupt einer Familie. Wollen wir dazugehören – wir müssen es nicht, wir dürfen aber – sind wir Kinder dieses Lichts. Mitsommerkinder sozusagen. Helligkeit, Licht, Leben und Freude werden unser Wesen mehr und mehr bestimmen. Wenn wir ihn an uns arbeiten lassen, wenn wir uns ihm aussetzten. Er zumindest hat alles dafür vorbereitet

3. Ausgerüstet

Aber wie soll das gehen? Kind des Lichts zu sein?
Nüchtern, sagt Paulus sind wir dann. Wir hören hier schon gleich die Doppeldeutigkeit mit: Nicht betrunken, ohne wirklich Herr unsrer Sinne zu sein. Sondern klar, scharf denkend und beobachtend.

Andererseits nüchtern, nicht im Gefühlsdusel, sondern realistisch. Und dann spricht er vom (Brust-)Panzer des Glaubens und der Liebe und …dem Helm der Hoffnung auf das Heil.
Dinge, die wir uns schenken lassen dürfen von Gott, die wachsen dürfen in uns: 1. Der Glaube an ihn und 2. Liebe. Beides müssen wir nicht selbst produzieren. Aber als Kinder des Lichts werden genau diese Dinge uns schützen – wie ein Panzer. Die Liebe deckt der Sünden Menge, spricht uns Petrus in seinem 1. Brief zu. Wer liebt kann nicht nur viel geben. Er kann auch viel halten, tragen und ertragen. Liebe ist ein unglaublich starkes Fundament für unser Leben, für Partnerschaften und Beziehungen jeder Art.

Und schließlich, 3. die Hoffnung darauf, Heil bei Gott zu finden, Heilung unserer unvollkommenen Leben auf unterschiedlichsten Ebenen. Paulus sagt: Das ist wie ein Schutzhelm.
1. Glaube, 2. Liebe und 3. Hoffnung, heil zu werden. Das ist die Ausrüstung.

Und damit schließt sich der Bogen:
Mit diesen Dingen im Lebensgepäck sind wir auf jedes „Plötzlich“ in unserem Leben bestmöglich vorbereitet. Vieles wird uns nicht einfach wegblasen. Wir sind standfest. Friede und Sicherheit, wie Paulus am Anfang sagt, sind gute Ziele. Aber als Familienangehörige dessen, der das Licht schlechthin für unser Leben ist, dürfen wir uns ausrüsten lassen mit Glaube, Liebe und Hoffnung, heil zu werden. Ganz zu werden, so zu werden, wie Gott sich uns gedacht hat.

„Du siehst das Leben nicht so, wie es ist, sondern so wie du bist,“ habe ich mal jemanden sagen hören. Unsere Subjektivität kann uns das Leben schwer machen. Aber sie kann uns auch als Kinder des Lichts stark für das Leben machen. Die Erfahrungen sind dieselben, aber der Umgang damit wird völlig unterschiedlich sein können. Das unterstreicht der letzte Vers unseres Predigttextes von heute auf seine Weise: Darum tröstet euch untereinander und einer erbaue den andern, wie ihr auch tut.

Amen
 

Lied: Da wohnt ein Sehnen EG+ 102

Refrain:
Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein.
Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.

1)
Um Frieden, um Freiheit, um Hoffnung bitten wir.
In Sorge, im Schmerz – sei da, sei uns nahe, Gott.

2)
Um Einsicht, Beherztheit, um Beistand bitten wir.
In Ohnmacht, in Furcht – sei da, sei uns nahe, Gott.

3)
Um Heilung, um Ganzsein, um Zukunft bitten wir.
In Krankheit, im Tod – sei da, sei uns nahe, Gott.

4)
Dass du, Gott, das Sehnen, den Durst stillst, bitten wir.
Wir hoffen auf dich – sei da, sei uns nahe, Gott.
 

Gedanken zu Friedensdekade/Volkstrauertag
 

Fürbitten und Vater unser

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.

Amen.
 

Segen mit „Amen“
 

Nachspiel: Georg Friedrich Händel Orgelkonzert G-Dur 4.Satz

 


Mitwirkende:

Pfr. Ulrich Hilzinger
Ruth Knüppel - Lesungen
Anne Kuppe - Sopran
Uwe Mahlert + nn - Violine
Nicola Sandner - Viola
Alexandra Hermeling – Cello
Nils Kuppe - Orgel

Kommentare und Antworten

×

Name ist erforderlich!

Geben Sie einen gültigen Namen ein

Gültige E-Mail ist erforderlich!

Gib eine gültige E-Mail Adresse ein

Kommentar ist erforderlich!

Datenschutzerklärung ist erforderlich!

Please accept

* Diese Felder sind erforderlich.

Sei der erste der kommentiert