Gottesdienst zum Mitnehmen: Gottesdienst für den Ostermontag, 13.04.2020

Pfr. Ralf Hartmann hält den Gottesdienst am Ostermorgen. Die Emmausjünger vom Osterleuchter "begegnen" dem Auferstandenen. Foto: Bernhard Dietrich

Den Gottesdienst zum Ostermontag (13.04.2020) mit Pfarrer Ralf Hartmann können Sie hier lesen, mitfeiern und herunterladen.

Gottesdienst aus der Elisabethkirche. Sie sind jetzt nun eingeladen, die Texte dieses Ostergottesdienstes zum Ostermontag  zu lesen. Suchen SIe sich zuvor einen stillen Ort. Machen Sie es sich bequem. Vieleicht zünden Sie eine Kerze an. Singen, lesen, hören und beten Sie mit. Wir wünschen Ihnen Gottes Segen.

Ostermontag-Gottesdienst
13. April 2020

mit Pfr. Ralf Hartmann

[Text- und Liedblatt als PDF-Download hier klicken]
 

Glocken

Evangelisches Gesangbuch Lied 116, 1. Strophe

1. Er ist erstanden, Halleluja. / Freut euch und singet, Halleluja.
Denn unser Heiland hat triumphiert,
all seine Feind gefangen er führt.
Lasst uns lobsingen vor unserem Gott,
der uns erlöst hat vom ewigen Tod.
Sünd ist vergeben, Halleluja! / Jesus bringt Leben, Halleluja!

2. Er war begraben drei Tage lang.
Ihm sei auf ewig Lob, Preis und Dank;
denn die Gewalt des Tods ist zerstört;
selig ist, wer zu Jesus gehört...
Lasst uns lobsingen vor unserem Gott...

Worte aus Psalm 118

Der Stein, den die Bauleute verworfen haben,
ist zum Eckstein geworden.
Das ist vom Herrn geschehen
und ist ein Wunder vor unsern Augen.
Dies ist der Tag, den der Herr macht;
lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

Predigttext: die Emmausjünger - Lukasevangelium, Kap. 24,13 - 34
Und siehe, zwei von ihnen gingen an demselben Tage in ein Dorf, das war von Jerusalem etwa zwei Wegstunden entfernt; dessen Name ist Emmaus. Und sie redeten miteinander von allen diesen Geschichten. Und es geschah, als sie so redeten und sich miteinander besprachen, da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen. Aber ihre Augen wurden gehalten, dass sie ihn nicht erkannten. Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Dinge, die ihr miteinander verhandelt unterwegs? Da blieben sie traurig stehen. Und der eine, mit Namen Kleopas, antwortete und sprach zu ihm: Bist du der Einzige unter den Fremden in Jerusalem, der nicht weiß, was in diesen Tagen dort geschehen ist? Und er sprach zu ihnen: Was denn? Sie aber sprachen zu ihm: Das mit Jesus von Nazareth, der ein Prophet war, mächtig in Taten und Worten vor Gott und allem Volk; wie ihn unsre Hohenpriester und Oberen zur Todesstrafe überantwortet und gekreuzigt haben. Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde. Und über das alles ist heute der dritte Tag, dass dies geschehen ist. Auch haben uns erschreckt einige Frauen aus unserer Mitte, die sind früh bei dem Grab gewesen, haben seinen Leib nicht gefunden, kommen und sagen, sie haben eine Erscheinung von Engeln gesehen, die sagen, er lebe. Und einige von uns gingen hin zum Grab und fanden's so, wie die Frauen sagten; aber ihn sahen sie nicht. Und er sprach zu ihnen: O ihr Toren, zu trägen Herzens, all dem zu glauben, was die Propheten geredet haben! Musste nicht Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen? Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in der ganzen Schrift von ihm gesagt war. Und sie kamen nahe an das Dorf, wo sie hingingen. Und er stellte sich, als wollte er weitergehen. Und sie nötigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns; denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben. Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch saß, nahm er das Brot, dankte, brach's und gab's ihnen. Da wurden ihre Augen geöffnet und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen. Und sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete? Und sie standen auf zu derselben Stunde, kehrten zurück nach Jerusalem und fanden die Elf versammelt und die bei ihnen waren; die sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und Simon erschienen. Und sie erzählten ihnen, was auf dem Wege geschehen war und wie er von ihnen erkannt wurde, als er das Brot brach.

Predigt
Liebe Gemeinde,
wer hätte das bis vor ein paar Wochen für möglich gehalten?
Wie leergefegt sind Straßen und Plätze,
auf denen sonst Leben pulsiert.
Nicht nur hier bei uns, sondern überall auf der Welt.
Es sind Dinge Wirklichkeit geworden,
die man noch vor kurzer Zeit für unmöglich hielt.
Aber was ist schon Wirklichkeit? Was ist Realität?

Wir feiern Ostern - das Fest der Auferstehung Jesu!
Oft genug werden wir ja auch als Christen gefragt:
glaubst du das wirklich? Ist die Auferstehung 'wirklich' passiert?
Von Anfang an warf man den Christen vor: das stimmt ja gar nicht!
Das habt ihr euch ausgedacht!
So etwas wie die Auferstehung eines Toten kann es gar nicht geben.
Der Frankfurter Priester und Dichter Lothar Zenetti sagt das so:
"Aller Augen Augenschein sagt
ein Grab ist ein Grab
tot ist tot
aus ist aus
fertig nichts weiter"(Lothar Zenetti, Leben liegt in der Luft , S. 76)

Die meisten von uns würden das wohl bestätigen.
Wir haben es von Kindesbeinen an so gelernt.
Mach die Augen auf!  Laß dir nichts einreden!
Vertrau auf deinen gesunden Menschenverstand!
So hat sich jeder von uns
im Lauf seines Lebens ein Bild gebastelt.
Ein Bild von der Welt - wie sie ist.

Das Problem ist nur:
die Welt ist anders, als das Bild in unserem Kopf !
Die Schriftstellerin Astrid Lindgren war eine,
die das in ihren Romanen oft beschrieben hat.
Nicht umsonst läßt sie Pippi Langstrumpf singen:
"...ich mach mir die Welt, wide wide wie sie mir gefällt."

Aber etwas von Pippi Langstrumpf steckt auch in uns!
Mit ihr zusammen machen wir uns die Welt, wie sie uns gefällt.
Die moderne Hirnforschung kann das mittlerweile belegen.
Sie macht sichtbar, dass zum Beispiel das Lernen,
oder das Kennenlernen neuer Dinge,
nicht nur ein Abspeichern von Informationen ist.
Im Gegenteil: die Hirnforscher belegen,
dass die Wahrnehmung der Welt ein aktiver Prozess im Gehirn ist.
Wir konstruieren uns die Welt,
wir bauen uns die Welt in unserem Kopf.
Und wir bauen sie so, dass wir sie verstehen können.
Das tun wir vom ersten Tag unseres Lebens an.
Wir können gar nicht anders.

Zum Beispiel weiß man heute, dass ein Baby
in den ersten Monaten seines Lebens alle Dinge
auf dem Kopf stehen sieht.
Das Licht fällt ja durch die Pupille auf die Netzhaut.
Und da steht nun einmal alles auf dem Kopf.
Aber schon bald entwickelt sich das Gehirn.
Und es merkt: dass die Welt außerhalb doch irgendwie anders ist.
Mama und Papa stehen mit den Füßen auf dem Boden.
Die Dinge fallen nach unten und nicht nach oben..
Und so ordnet unser Gehirn das Bild von der Welt.
Vom ersten Tag unseres Lebens an.
Offenbar tut uns das gut. -

Liebe Gemeinde,
"ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt..."
Und irgendwann denke ich:
jetzt weiß ich, wie die Welt funktioniert.

Und dann - lese ich in der Bibel.
Oder höre es im Gottesdienst: Es wird Ostern.
Gott macht Jesus von den Toten lebendig.
Und ich denke: das ist völlig ausgeschlossen. Nicht real!
Ostern passt nicht zu dem Bild, das ich von der Welt habe.
Soll denn alles, was ich gelernt habe, plötzlich nicht mehr richtig sein?
Das wird auch den Emmausjüngern nicht anders gegangen sein.

1.Sie dachten: Gott begegnen kann man nur im Tempel (oder in der Kirche). Aber sie erlebten: Jesus begegnete ihnen im Alltag. Sie entdeckten ihn im Gespräch, in der Erfahrung von Gemein-
schaft und menschlicher Nähe. Nicht an einem heiligen Ort.

2.Sie waren Trauernde. Sie waren niedergeschlagen, enttäuscht, verwirrt. Das war ihre Realität. Aber in dem Gespräch mit Jesus ging ihnen auf, dass das nur ein Teil der Wirklichkeit war. Und dass sie dabei Gottes Möglichkeiten nicht bedacht hatten.

3.Hätte man sie am Beginn der Geschichte gefragt: Woran würdet ihr Jesus erkennen? Dann hätten sie wohl gesagt: an seinem Aussehen! Hinterher merken sie: mit Jesus ist das anders. Ihn erkennt man nicht an Äußerlichkeiten. Und auch nicht immer sofort, wenn er bei einem ist, sondern oft erst im Nachhinein.

4. Nach dem Verschwinden Jesu fragten sie: Brannte nicht unser
Herz in uns? Ihr Erlebnis mit Jesus war so lang zweideutig,
bis sie anfingen, ihr Herz sprechen zu lassen.

Liebe Gemeinde,
an Ostern geht es darum,
dass Jesus von den Toten auferstanden ist.
Es geht darum, dass Gott Unmögliches möglich macht.
Dass er die Wirklichkeit nach seinem Willen formt.
Und dass Trauernde, Verzagte, Hoffnungslose
ein Herz voller Hoffnung bekommen.

Wie sehr brauchen wir diese Botschaft gerade in diesen Tagen!
Da ist die Trauer über die vielen Toten.
Da ist die Angst vor eigener Erkrankung.
Da ist das Stöhnen über den Ausnahmezustand.
Und da sind die existentiellen Sorgen, die jetzt viele umtreiben.
Es ist unsere 'Realität' an Ostern 2020.
Und die wird nicht allein durch das Hören
auf eine biblische Geschichte zum Guten verändert.

Aber die Geschichte der Emmausjünger lädt uns ein,
bei der Bewertung unserer 'Realität' Gott nicht zu vergessen.
Was auch immer uns gerade besonders belastet,
was auch immer uns an unsere Grenzen bringt,
das dürfen wir ihm sagen.
Gott will uns damit nicht allein lassen!
So, wie den Emmausjüngern, will er auch uns begegnen,
uns stärken und mit neuer Hoffnung erfüllen.

Auch wenn das in diesen Tagen nicht leicht fällt:
Hoffnung soll unseren Alltag prägen!
Die Autorin Susanne Niemeyer beschreibt das wunderbar:

"Man braucht Hoffnung zum Leben, anders geht es einfach nicht.
Und jetzt sag nicht, du nicht. Das stimmt nicht.
Dass Geranien blühen und das Auto anspringt,
dass die Post klingelt, der Käsekuchen aufgeht, zwei Tore fallen;
dass es Weihnachten schneit, dass ein Geschenk gefällt,
der Wein nicht korkig ist, dass ein Krieg endet (oder wenigstens nicht näher kommt, auch wenn das eine zweifelhafte Hoffnung ist),
dass der Computer nicht abstürzt, der Knoten gutartig ist,
eine Liebe erwidert wird,
dass der Schwangerschaftstest positiv (oder negativ) ist,
dass der Baum nicht nadelt, die Milch nicht sauer ist
oder die Antwort ein Ja: Das alles mag einzeln nicht viel sein
 aber zusammen genommen ist es doch eine ganze Menge Hoffnung."
(Susanne Niemeyer, 100 Experimente mit Gott, S. 84)

Liebe Gemeinde,
Gott hat so viele Möglichkeiten in unser Leben einzugreifen.
Wer sich zu ihm hält und auf seine Worte hört,
der fängt an, von ihm das Beste zu erwarten.
Und kann deshalb auch beherzt und voller Hoffnung das tun,
was in seiner Macht steht.

Für ein solches Leben voller Hoffnung
legt Gott in der Auferstehung Jesu den Grund.
Aber davon haben nur diejenigen etwas,
die das auch glauben.
Denn die Wirklichkeit entsteht zuerst in unserem Kopf.
Also auch durch unsere Entscheidung.
Durch unsere Zustimmung.

Deshalb liegt so viel, vielleicht alles daran,
dass wir uns mit hineinnehmen lassen
in den Osterruf der Christenheit:
Der Herr ist auferstanden,
er ist wahrhaftig auferstanden.
Dann kann es Ostern werden.
Für uns. Und mit uns. Und mit unserer Welt

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft,
der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus
. Amen


Evangelisches Gesangbuch Lied 93, 1. Strophe

  1.Nun gehören unsre Herzen  /  ganz dem Mann von Golgatha,
der in bittern Todesschmerzen  / das Geheimnis Gottes sah,
das Geheimnis des Gerichtes  /  über aller Menschen Schuld,
das Geheimnis neuen Lichtes  /  aus des Vaters ewger Huld.

 

Gebet  (Worte der Kasseler Pröpstin Katrin Wienold-Hocke)

"Guter Gott, du bist uns nahe, wenn wir ohnmächtig sind,
einsam und ratlos,  mit deinem Wort.
Du bist uns nahe, wenn wir einander dienen mit deiner Kraft.
Mehr als wir fassen können, willst du uns Gutes.

Wir bitten dich für alle Kranken, um Beistand und Trost.
Für Alle, die jetzt einsam sind, bitten wir um Geborgenheit.
Für die, die wir jetzt nicht besuchen können, dass sie behütet bleiben. Für alle, die sich um Kranke kümmern, in Kliniken und Heimen,
gib ihnen Kraft für ihren Dienst und bewahre sie vor Ansteckung.

Wir bitten für die, die nach Therapie und Impfstoff forschen,
um raschen Erfolg.
Für die Frauen und Männer,
die uns mit dem Nötigen zum Leben versorgen, dass sie gestärkt werden, für alle, die sich kümmern in Politik und Verwaltung,
um Weisheit und gute Beratung.
Für die, die um ihre Existenz fürchten, um verlässliche Unterstützung

Wir bitten für die Armen bei uns und für die Geflüchteten auf der Welt, dass die Hilfe sie erreicht."

Und wir verbinden uns mit der ganzen Christenheit auf Erden
wenn wir mit Jesu Worten beten:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute,
und vergib uns unsre Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Segen (aus Ägypten)

Der Herr segne dich.
Er erfülle deine Füße mit Tanz
und deine Arme mit Kraft.
Er erfülle dein Herz mit Zärtlichkeit
und deine Augen mit Lachen.
Er erfülle deine Ohren mit Musik
und deine Nase mit Wohlgerüchen.
Er erfülle deinen Mund mit Jubel
und dein Herz mit Freude.
Er schenke dir immer neu die Gnade der Wüste:
Stille, frisches Wasser und neue Hoffnung.
Er gebe uns allen immer neu die Kraft,
der Hoffnung ein Gesicht zu geben.
Es segne dich der Herr.
Amen

An dem Gottesdienst to Go wirkte mit:
- Pfr.Ralf Hartmann (


Kontakt:

Pfr. Ralf Hartmann
Mail: hartmann@remove-this.elisabethkirche.de
Telefon: 06421 62245