Zum Nachfeiern: Mithörgottesdienst und Andacht-to-go für Sonntag Judika

Der Kurzgottesdienst mit Pfarrerin Anna Scholz, Kantor Nils Kuppe mit Gesangsbeiträgen seiner Kinder wird hier ab Sonntagmorgen, 29.3.2020 zum Hören und Mitfeiern freigegeben. Gleichzeitig ist er als "Andacht-to-go" nachzulesen und kann im PDF-Format heruntergeladen werden - zum Ausdrucken, Mitnehmen, Weiterreichen...

Die Andacht enthält zwei neue Passionslieder aus dem EG+, dem Beiheft zum Evangelischen Gesangsbuch: "In einer fernen Zeit" (EGplus 10) und "Manches Holz ist schon vermodert" (EGplus 15).

„Bei dem Kreuz mit Blick zum Himmel“

Andacht für Sonntag Judika, 29. März 2020 [Download als PDF]
von Pfrin. Anna Scholz

 

Friede sei mit Euch!
Die Passionszeit schreitet voran. Und dieses Jahr ist sie für uns alle anders als sonst. Versammlungen sind aus gutem Grund nicht erlaubt. Wir können nicht zusammenkommen, um zu beten, gemeinsam zu hören, uns innerlich zu sammeln. Vieles ist auf einmal auf unsere Häuser und Wohnungen beschränkt.
Aber auch da können wir innehalten. Uns besinnen. Und vielleicht ist es ein Trost, sich vorzustellen, dass andere das in diesem Moment genauso tun und wir uns in Gedanken verbinden. Im Gesangbuch EG+ gibt es eine Reihe neuer Passionslieder, die gut zu den Stimmungen dieser Tage passen.Mit ihnen feiern wir Andacht.


Lied EG+ 10
In einer fernen Zeit
Gehst du nach Golgatha
Erduldest Einsamkeit
Sagst selbst zum Sterben ja.

Du weißt, was Leiden ist
Du weißt was Schmerzen sind
Der du mein Bruder bist
Ein Mensch und Gottes Kind

Stirbst draußen vor dem Tor
Stirbst mitten in der Welt
Im Leiden lebst du vor
Was wirklich trägt und hält

Erstehe neu in mir
Erstehe jeden Tag
Erhalte mich bei dir
Was immer kommen mag.
Amen, Amen, Amen.

 

EG+ 166 Psalm 22

Mein Gott, wo bist du?
Mein Gott, hast du mich verlassen?

Wenn die Angst in mir hochkriecht
Und keiner da ist, der mich beschützt:

Mein Gott, wo bist du?
Mein Gott, hast du mich verlassen?

Wenn ich lange wach liege
Und mich schlimme Träume und Gedanken quälen:

Mein Gott, wo bist du?
Mein Gott, hast du mich verlassen?

Wenn ich etwas falsch gemacht habe
Und nicht weiß, wie es wieder gut werden kann:

Mein Gott, wo bist du?
Mein Gott, hast du mich verlassen?

Ehr sei dem Vater und dem Sohn
Und dem heiligen Geist
Wie es war im Anfang
Jetzt und immerdar
Und von Ewigkeit zu Ewigkeit,
Amen.

 

Bittruf:

In Tagen wie diesen fühlen wir uns manchmal allein
Wir haben Sehnsucht nach lieben Menschen,
Die wir vielleicht lange Zeit nicht sehen werden
Wir wissen nicht, wie lange es so bleibt
Wir brauchen Gottes Kraft und Hilfe und rufen:

Herre Gott erbarme dich,
Christe erbarme dich
Herre Gott erbarme dich.

Lasst uns beten

Guter Gott
Du bist bei uns, auch wenn wir es nicht immer spüren
Du gehst mit uns und tröstest uns, wenn wir Angst haben
Dir können wir alles sagen, was uns bedrückt
Du hilfst uns und machst uns Mut
Du lässt neues entstehen, auch da, wo wir vielleicht denken, es ist alles verloren.
Gib uns heute Deinen guten Geist
Lass uns deine Nähe spüren
Das bitten wir durch Jesus unseren Bruder
Der uns gezeigt hat, wie groß deine Liebe ist
Und der mit dir und dem heiligen Geist
Lebt und Leben schenkt
Heute und an allen Tagen.

Amen.


Lied EG+ 15

Manches Holz ist schon vermodert
Manches Holz ist frisch geschlagen
Bei dem Kreuz mit Blick zum Himmel
Sammeln sich in diesen Tagen
Splitter der Erinnerung
Trauer, die wir in uns tragen

Mancher Zorn ist längst erloschen
Mancher Zorn birgt neue Fragen
Bei dem Kreuz mit Blick zum Himmel
Lodern auf in diesen Tagen
Funken der Erinnerung
Aus der Asche neue Klagen

Manches Wort schweigt in der Seele
Manches Wort führt laute Klagen
Bei dem Kreuz mit Blick zum Himmel
Werden laut in diesen Tagen
Fetzen der Erinnerung
Schrecken, die noch Wunden schlagen

Mancher Trost ist tief verborgen
Mancher Trost will Hoffnung wagen
Bei dem Kreuz mit Blick zum Himmel
Leuchten auf in diesen Tagen
Träume der Erinnerung
Gottes Worte, die uns tragen

 

Andacht zu EG+ 15

Viel Zeit ist in diesen Tagen, zum Nachdenken.
Splitter der Erinnerung zuzulassen. Erinnerung an Schönes, was das Leben reich und hell macht.
Aber auch an das Traurige, Schmerzliche...
Geliebte Menschen, die ich verloren habe...
Pläne, die gescheitert sind...
zerbrochene Liebe...
verlorene Träume.
Die Trauer, die ich in mir trage.
Manches, was in der Seele liegt, ist vielleicht ganz weit weg – hat seine Kontur verloren, wie morsches Holz, das schon vermodert ist.
Und manches ist noch ganz frisch. Hat harte Kanten und tut weh. Splitter, die ein Bild ergeben...
Was siehst Du, wenn Du in Dich hineinschaust?

Mancher Zorn ist längst erloschen, mancher Zorn birgt neue Fragen in diesen Tagen.
Im Moment liegt oben auf: Wie lange wird es so sein?
Wie wird es weitergehen? Vor allem für die, deren Existenz durch die Krise bedroht ist. Landwirtinnen,
Unternehmer, Geschäftsleute. Künstlerinnen und Musiker.
Es gibt viele, die die Sicherheitsmaßnahmen der Regierung hart treffen, auch wenn sie nötig sind. Und für die Hilfe zu spät oder zu langsam kommt. Deren Pläne und Träume wie ein Häuflein Asche sind.
Die zornig sind. Aus der Asche neue Klagen.

Manches Wort schweigt in der Seele. Und manches Wort wird laut.
Wenn ich in unsere Welt schaue, dann seh‘ ich vieles, was schrecklich ist. Die verzweifelten Menschen in Italien, die einen geliebten Angehörigen verloren haben...
die vielen Erkrankten, die keine Hilfe finden...
Aber auch, und das rückt dieser Tage fast ein bisschen in den Hintergrund: Die Menschen auf der Flucht.
Männer, Frauen und Kinder ohne Zuhause, das sie jetzt schützt. Viele kommen um auf ihrem Weg an einen sicheren Ort. Andere sitzen fest in Lagern, ohne Hoffnung.
Wütende Menschen, die sich allein gelassen fühlen, greifen noch Schwächere an... Und auch in unserem Land haben in letzter Zeit viel Hass und Gewalt um sich gegriffen... Menschen sind gestorben, unschuldig, ermordet...
In Hanau... in Halle... in Kassel...
Und ich möchte was sagen und ich weiß manchmal auch keine Worte... und dann schweigt meine Seele. Und trotzdem sind sie da, diese Schrecken, die Wunden schlagen, in die Welt und in mich selbst.

Was tröstet Dich, wenn Du Angst hast? Was tröstet Dich, wenn Du auf das Schlimme in der Welt schaust...in der Vergangenheit unserer Geschichte... in der Welt unserer Tage... und auch in deinem eigenen Leben... da, wo es dunkel in Deiner Seele ist, oder Du einen Schmerz hast, der vielleicht für immer bleibt?

Vorn in der Elisabethkirche hängt ein Kreuz. (Es ist hier auf dem Andachtsheft zu sehen.) Der Künstler Ernst Barlach hat es gemacht. Ich schaue es an. Jesus hängt an dem Kreuz. Voller Schmerz. Verletzt und gequält... Aber, er breitet die Arme aus. Als wollte er sagen... Ich bin bei Euch... ich trage eure Schmerzen und Ängste mit... das, was euch quält... die Liebe ist stärker als das Dunkle, das Böse, der Tod... Trost will Hoffnung wagen...
Und dann leuchtet was auf, in mir und vielleicht auch in Dir... Träume der Erinnerung... an das, was mich stark macht. An das, was das Leben hell macht, auch wenn es dunkle Schatten gibt, in der Welt... und in mir selbst...
Die musizierenden Italiener auf den Balkonen, deren Bilder um die Welt gingen. Die reduzierten Smog-Werte in China, wo manche Kinder zum ersten Mal den blauen Himmel sehen... Die Kontakte, die sich plötzlich zu manchen Menschen intensivieren, gerade weil wir uns zur Zeit so beschränken..

Mich trösten diese Gedanken... Bei dem Kreuz mit Blick zum Himmel. Und ich denke an Gottes Worte, die uns tragen.
Und die mir Mut machen: Es wird weitergehen, auch nach allem Schweren. Es gibt Hoffnung.
„Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.“ (Jer 29,11) und
„wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ (Hebr. 13,14)

Amen.


Gebet

Gott wir bitten dich für alle Menschen,
die traurig sind und einsam
die niemanden haben, der Gutes mit ihnen teilt
die, in deren Innern es dunkel ist
und die wenig schöne Erinnerungen haben.
Halte sie in deiner Hand

Wir bitten dich für alle,
die auf der Flucht sind
die kein Zuhause mehr haben
die sich nach Sicherheit und Frieden sehnen
sei du an ihrer Seite

Wir bitten dich für alle
Die ihr Leben für andere einsetzen
Die Schwierigkeiten nicht ausweichen
Für alle, die mutig in die Zukunft schauen
Und helfen, sie zu gestalten
Gib ihnen Kraft

Wir bitten dich auch für uns selbst
Schenk uns Mut und Frieden.

Vaterunser im Himmel
Geheiligt werde dein Name
Dein reich komme
Dein Wille geschehe
Wie im Himmel, so auf Erden
Unser tägliches Brot gib uns heute
Und vergib uns unsere Schuld
Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern
Und führe uns nicht in Versuchung
Sondern erlöse uns von dem Bösen
Denn dein ist das Reich
Und die Kraft
Und die Herrlichkeit
In Ewigkeit

Amen.


Segen

Gott segne dich und er behüte dich
Er lasse sein Angesicht leuchten über dir uns sei dir gnädig
Er erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden.

 


An dem Hör-Gottesdienst wirkten mit:
- Pfarrerin Anna Scholz
- Bezirkskantor Nils Kuppe (Klavier)
- Salome und Jakob Kuppe (Gesang)
- Nils Hahmann (Tonaufnahme)


Kontakt:

Pfrin. Anna Scholz
Schützenstraße 52
35039 Marburg
Telefon: (0 64 21) 84 08 113
Mail: anna.scholz@remove-this.ekkw.de