Gottesdienst am Sonntag 2. Sonntag nach Trinitatis zum Nachlesen

Elisabethfenster: Elisabeth gibt Hungrigen zu Essen. (Foto: Christian Lademann)

Wir feiern den Gottesdienst am 2. Sonntag nach Trinitatis (13.6.2021). Hier können Sie nun den Gottesdienst nachlesen und von daheim aus feiern.

Gottesdienst 2. Sonntag nach Trinitatis (13. Juni)

Propst Helmut Wöllenstein hält diesen Gottesdienst. Die Predigt behandelt Psalm 36 und damit Gottes große Güte.

Nehmen Sie sich Zeit, zünden Sie ein Kerze an und versuchen alles eventuell Störende auszublenden und dann feiern Sie den Gottesdienst auf ihren Tablets und Bildschirmen.

Gottesdienst am 2. Sonntag nach Trinitatis (13.6.2021) zum Nachlesen

mit Propst Helmut Wöllenstein

Musik zum Eingang
Georg Philipp Telemann: Adagio - Allegro

Begrüßung


EG 441, 1-3 (Sologesang)

1. Du höchstes Licht, du ewger Schein,
du Gott und treuer Herre mein,
von dir der Gnaden Glanz ausgeht
und leuchtet schön so früh wie spät.

2. Das ist der Herre Jesus Christ,
der ja die göttlich Wahrheit ist,
mit seiner Lehr hell scheint und leucht’,
bis er die Herzen zu sich zeucht.

3. Er ist das Licht der ganzen Welt,
das jedem klar vor Augen stellt
den hellen, schönen, lichten Tag,
an dem er selig werden mag.
Text: Johannes Zwick- um 1541-1545


Psalm 36, EG 719 (im Wechsel)

Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,
und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.
     Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes
     und dein Recht wie die große Tiefe.
     Herr, du hilfst Menschen und Tieren.
Wie köstlich ist deine Güte, Gott,
dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben!
     Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses,
     und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom.
Denn bei dir ist die Quelle des Lebens,
und in deinem Lichte sehen wir das Licht.
Gesprochenes Ehr sei dem Vater


Gebet:

Du lädst uns ein zu dir. Und wir kommen, auf unseren Wegen, mit unserem Tempo, mit dem, was uns belastet, mit dem, was uns freut. Wir
kommen zusammen in deinem Frieden. Du gibst uns, was wir brauchen und mehr. Amen.


Lesung: Epheser 2, 17-22

Und er ist gekommen und hat im Evangelium Frieden verkündigt euch, die ihr fern wart, und Frieden denen, die nahe waren. Denn durch ihn haben wir alle beide in einem Geist den Zugang zum Vater. So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, auf welchem der ganze Bau ineinander fügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn. Durch ihn werdet auch ihr miterbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist.


Glaubensbekenntnis


EG+ 102, 1-3 (Sologesang)

Refrain:
Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein.
Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.

1.Um Frieden, um Freiheit, um Hoffnung bitten wir.
In Sorge, im Schmerz, sei da, sei uns nahe, Gott.

2.Um Einsicht, Beherztheit, um Beistand bitten wir.
In Ohnmacht, in Furcht, sei da, sei uns nahe, Gott.

3.Um Heilung, um Ganzsein, um Zukunft bitten wir.
In Krankheit, im Tod, sei da, sei uns nahe, Gott.
Text und Musik: Anne Quigley; Deutsch: Eugen Eckert


Predigt

Wenn es eine Top-Ten-Liste der beliebtesten Psalmen geben würde, Psalm 36 wäre dabei. Paare wählen ihn aus für die Trauung, Eltern zur Taufe ihrer Kinder, Pfarrerinnen für den Familiengottesdienst. Ich denke, er rangiert zurzeit sogar vor dem „guten Hirten“!

Was ist es, das uns an diesem Gebet anspricht? Man liest und in jeder Zeile öffnet sich ein Bild aus der Natur. Wie eine Fotoshow. Aber ganz ohne Bildschirm. So wie wir es jetzt brauchen nach der Corona: dass wir noch mehr rausgehen können, reisen, durchatmen und schauen. Herr, Deine Güte reicht soweit der Himmel ist. Das heißt unendlich weit. Soweit die Wolken gehen. Keiner kann sie aufhalten: Sie ziehen am Himmel, fließen, verändern sich. Und wir fliegen mit ihnen.

Es kann sein, das trifft meine Situation. Es geht mir gut. Rundum. Ich bin beschenkt. Wir lieben uns, wir lassen uns trauen, wir feiern Silberhochzeit, ich habe wieder Arbeit, ein Enkel ist geboren. Und ich muss es Dir einfach mal sagen, lieber Gott, Deine Güte reicht soweit der Himmel ist! –

Es kann aber auch ganz anders sein: Der Himmel ist dunkel, die Wolken hängen tief. Nichts bewegt sich. Alles liegt auf dir. Nach oben ist kein Raum. - Dann ist es wie Ausbruch meiner Sehnsucht, wie eine dringende Bitte: Lieber Gott, lass es anders werden! Ich möchte wieder Anschluss finden an deine große Güte.

Und was da genannt wird mit den Bildern aus der Natur, mit dem weiten Himmel und den frei ziehenden Wolken, ist ja viel mehr als ein Schönwetterphänomen. Gottes Güte, das ist seine Großzügigkeit, uns an seinem Reichtum teilhaben zu lassen. An den Gaben die wir zum Leben brauchen. Das ist aber auch sein Verzeihen. Manchmal auch gegenüber unserem Kleingeist, mit dem wir klammern, festhalten, abzählen, knickerig sind, anderen nicht verzeihen oder nicht um Verzeihung bitten. Gottes Güte ist so groß, dass sie uns mitnimmt, dass sie uns zeigt, schaut doch her: es geht auch anders. Und genauso Gottes Wahrheit. Gott steht für die Wahrheit. Wenn wir das aussprechen, stellt sich auch bald die Frage: Wie gehen wir mit der Wahrheit um?

Solche Fragen werden noch dringlicher in den nächsten Zeilen: Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes und dein Recht wie die große Tiefe. Gerechtigkeit und Recht. Mit solchen Begriffen sind wir unverhofft im Raum der Politik und der Ethik. Wie verhalten wir uns, wie gestalten wir unser Zusammenleben, wofür stehen wir ein? Die Gerechtigkeit Gottes steht wie ein Gebirge, also wirklich fest, darauf ist Verlass. Sein Recht ist wie die große Tiefe, also wie das Meer – an den Stellen wo es unergründlich ist.

Diese Verknüpfungen sind spannend und ganz aktuell. Wir lernen gerade, dass politische, soziale und rechtliche Entscheidungen nicht nur in verstaubten Büros, an Schreibtischen vor hohen Aktenregalen in einer Eigenwelt ihren Ort haben. Sondern Recht und Natur kommen zusammen. Schöpfung und Politik können überhaupt nicht mehr nebeneinander hergehen. Damit nähmen beide Schaden. Sie gehören zusammen. Gerechtigkeit und die Landschaft unserer schönen Gebirge. Das Recht und das was mit unseren Meeren passiert müssen noch schneller und noch konsequenter aufeinander bezogen werden.

So auch in der nächsten Zeile: Herr, Du hilfst Menschen und Tieren. Das erwischt uns ganz heiß in unserer westlichen Zivilisation, die vom jüdisch-christlichen Geist geprägt wurde. Wir haben solche Bibelverse bisher nicht ernst genommen. Wir haben lange einseitig und selbstbezogen gelesen: Der Mensch ist die Krone der Schöpfung. Zuerst der Mann, dann die Frau, dann eine ganze Weile gar nichts und dann Tiere und Pflanzen - und alles hast du unter unsere Füße getan. So haben wir es gelesen und die Augen davor zugemacht, dass in der der Bibel auch steht: Du hilfst Menschen und Tieren. Gleichwertig nebeneinander steht es hier, dass beide Hilfe brauchen und Hilfe bekommen. Zum Glück sind wir dabei, es zu begreifen und uns umstellen: darauf, dass Tiere ihren Lebensraum brauchen. Dass Nutztiere artgerecht gehalten werden müssen. Dass man neu prüfen muss, was wir brauchen, und wen wir brauchen dürfen, medizinisch etwa, oder im Blick auf unsere Ernährung.

Die letzten Verse kommen uns immer näher. Wie köstlich ist deine Güte Gott. Wie köstlich – so als könnte man sie kosten, als könnte man sie sich auf der Zunge zergehen lassen. Wie köstlich, dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben. Ein Bild von Geborgenheit, von Trost, von Wärme und Schutz. Gott wie eine Glucke, die Ihre Küken unter die Flügel schlupfen lässt, wenn der Falke kommt. Ein tierisches Gottesbild, das dann sogar auf die Darstellung der Engel Einfluss hatte. Gottes Boten können ja auch ganz ohne Flügel in derselben Sekunde an einem Ort und an einem anderen Ort erscheinen und gegenwärtig sein. Doch in der bildlichen Vorstellung haben die Engel Flügel. Im Tempel von Jerusalem hatten sie Flügel. Und wer dort hinkam, um zu beten, konnte diese Erfahrung machen: Unter dem Schatten Deiner Flügel finden sie Zuflucht.

Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses, und du tränkst sie mit Wonne, wie mit einem Strom. Da geht es um essen und trinken. Um diese elementaren Bedürfnisse. Aber es geht nicht nur um Wasser und Brot. Ein anderer Durst schwingt mit: Du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom. Man kann es kaum schöner sagen, was unseren Durst stillt.

Und schließlich am Ende: dieser Jubel. Dieses knappe Glaubensbekenntnis. Gott selbst in den elementaren Kräften der Natur. In Wasser und Licht. Bei Dir ist die Quelle des Lebens und in deinem Lichte sehen wir das Licht. Wieder ganz modern. Nachvollziehbar für Menschen, die mit personalen Gottesvorstellungen nichts mehr anfangen können: Gott als alter Mann irgendwo auf den Wolken. Das weiß die Bibel längst anders. Gott - Quelle des Lebens. Ursprung des Lichts, Gott eine Energie, die in jeder Energie fließt und doch nicht darin aufgeht. Und von der wir Christen sagen: Wir erkennen sie wieder, in dem Mann aus Nazareth, der über Land geht und Menschen anspricht, tröstet, aufrichtet, ihnen Brot gibt und Wein und sagt: Ich bin das Licht der Welt. Oder: ich gebe euch lebendiges Wasser.


EG 504, 1-3,+6 (Sologesang)

1. Himmel, Erde, Luft und Meer zeugen von des Schöpfers Ehr;
meine Seele, singe du, bring auch jetzt dein Lob herzu.

2. Seht das große Sonnenlicht, wie es durch die Wolken bricht;
auch der Mond, der Sterne Pracht jauchzen Gott bei stiller Nacht.

3. Seht, wie Gott der Erde Ball hat gezieret überall.
Wälder, Felder, jedes Tier zeigen Gottes Finger hier.

6. Ach mein Gott, wie wunderbar stellst du dich der Seele dar!
Drücke stets in meinen Sinn, was du bist und was ich bin.
Text: Joachim Neander, 1680


Fürbitten

Wir danken dir, dass wir unter deinem weiten Himmel leben dürfen.
Mit allem Kummer, mit allem Jubel.
Mit jedem schlichten, kleinen Normal, das wir jetzt wieder neu schätzen lernen.
Wir danken dir für deine Güte.
Wir bitten dich, setze dein Recht durch in der Welt.
Schaff Gerechtigkeit, denen die herabgesetzt werden.
Lass Deine Wahrheit siegen gegen all die Monster von Lüge und Verwischung.
Hilf Menschen und Tieren, Pflanzen und deiner ganzen Schöpfung.
Mach die Hungernden satt,
den Durstigen gib zu trinken.
Du, unsere Wonne, unsere Quelle, unser Licht.

Vater unser

Bekanntmachungen

Segen


EG 447, 6+7 (Sologesang)

6. O treuer Hüter, Brunnen aller Güter,
ach lass doch ferner über unser Leben
bei Tag und Nacht dein Huld und Güte schweben.
Lobet den Herren!

7. Gib, dass wir heute, Herr, durch dein Geleite
auf unsern Wegen unverhindert gehen
und überall in deiner Gnade stehen.
Lobet den Herren!
Text: Paul Gerhardt, 1653

Musik zum Ausgang:
Joachim Johow: „Buena Vista Pachelbel“

 


Mitwirkende:
Carlotta Meyer – Violine
Marie Verweyen – Violine
Jael Bieber – Viola
Mathilda Lambach – Cello
Nils Kuppe – Orgel/Klavier
Gesang: Miriam Meyer u. A.
Lesung: Gerson Kraft
Liturgie und Predigt: Helmut Wöllenstein

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