Gottesdienst am 1. Sonntag nach Epiphanias zum Nachhören und Nachlesen

Foto: Bernhard Dietrich

Wir feiern den Gottesdienst am 1. Sonntag nach Epiphanias (10.1.2021) in der Elisabethkirche. Dieser wird mit beschränkter Teilnehmerzahl und unter Coronabedingugnen gefeiert. Gleichzeitig kann man den Gottesdienst nachhören, nachlesen und von daheim aus mitfeiern.

Gottesdienst am 1. Sonntag nach Epiphanias

Pfarrer Ulrich Hilzinger hält seine Predigt über die Kapitelstellen "Die angemessene Antwort auf Gottes Erbarmen" und "Vielfalt der Gaben und Aufgaben in der Gemeinde" (beides Röm 12,1-8) - und damit unter anderem über das Darbringen eines/r jeden als lebendiges und heiliges Opfer, über Gottes großes Erbarmen und über die Offenheit zur Veränderung.

Für alle die aus welchen Gründen auch immer nicht wie sonst am Gottesdienst in der Elisabethkirche teilnehmen können, bieten hier diesen zum Nachhören und zum Nachlesen an.

Nehmen Sie sich Zeit, zünden Sie ein Kerze an und versuchen alles eventuell Störende auszublenden und dann feiern Sie - verbunden mit der in der Elisabethkirche feiernden Gemeinde - den Gottesdienst aus der Elisabethkirche auf ihren Tablets und Bildschirmen.

Gottesdienst anhören

Gottesdienst am 1. Sonntag nach Epiphanias (10.1.2021) zum Nachlesen

mit Pfarrer Ulrich Hilzinger


Musik zum Eingang


Begrüßung, Votum, Eingangsgebet

Wochenspruch
Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. Röm 8,14


Lied: EG 66, 1.2.7    

1. Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude;
A und O, Anfang und Ende steht da.
Gottheit und Menschheit vereinen sich beide;
Schöpfer, wie kommst du uns Menschen so nah!
Himmel und Erde, erzählet's den Heiden:
Jesus ist kommen, Grund ewiger Freuden.

2. Jesus ist kommen, nun springen die Bande,
Stricke des Todes, die reißen entzwei.
Unser Durchbrecher ist nunmehr vorhanden;
er, der Sohn Gottes, der machet recht frei,
bringet zu Ehren aus Sünde und Schande;
Jesus ist kommen, nun springen die Bande.

7. Jesus ist kommen, die Quelle der Gnaden:
komme, wen dürstet, und trinke, wer will!
Holet für euren so giftigen Schaden
Gnade aus dieser unendlichen Füll!
Hier kann das Herze sich laben und baden.
Jesus ist kommen, die Quelle der Gnaden.


Psalm 103, EG 741

Lobe den Herrn, meine Seele,
     und was in mir ist, seinen heiligen Namen!
Lobe den Herrn, meine Seele,
     und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:
der dir alle deine Sünde vergibt
     und heilet alle deine Gebrechen,
der dein Leben vom Verderben erlöst,
     der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,
der deinen Mund fröhlich macht,
     und du wieder jung wirst wie ein Adler.
Der Herr schafft Gerechtigkeit
     und Recht allen, die Unrecht leiden.
Er hat seine Wege Mose wissen lassen,
     die Kinder Israel sein Tun.
Barmherzig und gnädig ist der Herr,
     geduldig und von großer Güte.


Liedvortrag: Ehr sei dem Vater…


Schriftlesung Joh 1,29-34

29 Am nächsten Tag sieht Johannes, dass Jesus zu ihm kommt, und spricht: Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt! 30 Dieser ist's, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der vor mir gewesen ist, denn er war eher als ich. 31 Und ich kannte ihn nicht. Aber damit er offenbar werde für Israel, darum bin ich gekommen zu taufen mit Wasser. 32 Und Johannes bezeugte es und sprach: Ich sah, dass der Geist herabfuhr wie eine Taube vom Himmel und blieb auf ihm. 33 Und ich kannte ihn nicht. Aber der mich gesandt hat zu taufen mit Wasser, der sprach zu mir: Auf welchen du siehst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben, der ist's, der mit dem Heiligen Geist tauft. 34 Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist Gottes Sohn.

Liedvortrag EG 410,1-3

1. Christus, das Licht der Welt.
Welch ein Grund zur Freude!
In unser Dunkel kam er als ein Bruder.
Wer ihm begegnet, der sieht auch den Vater.
Ehre sei Gott, dem Herrn!

2. Christus, das Heil der Welt.
Welch ein Grund zur Freude!
Weil er uns lieb hat, lieben wir einander.
Er schenkt Gemeinschaft zwischen Gott und Menschen.
Ehre sei Gott, dem Herrn!

3 Christus, der Herr der Welt.
Welch ein Grund zur Freude!
Von uns verraten, starb er ganz verlassen.
Doch er vergab uns, und wir sind die Seinen.
Ehre sei Gott, dem Herrn!


Predigt

Liebe Gemeinde,

„Bleib´ wie du bist!“
Wissen Sie noch, was sie gedacht haben, als jemand dies das letzte Mal zu ihnen gesagt hat? Wahrscheinlich erst mal sowas wie „Ahh!“
–Tut ja auch gut!
Verharrten Sie dann gedanklich noch etwas weiter bei diesem Lob, dachten Sie vielleicht: „Es gibt ja zum Glück doch noch Menschen, die mich schätzen.“ Oder „Ich scheine ja doch ganz ok zu sein.“
Oder: „Naja…“
Oder: „Hat sie es ehrlich gemeint? Wollte er mir nur was Freundliches?“
Normalerweise brauchen wir selbst ja nicht lange zu überlegen, bis uns etwas einfällt, was wir an uns oder unserem Verhalten gerne verändert oder verbessert hätten. Was eben gerade nicht so bleiben soll, wie es ist. – Nicht selten typische Jahresbeginn-Gedanken.
Ich vermute, nur wenige denken so selbstgefällig oder selbstzufrieden, wie: „Wenn andere Leute schon meinen, dass ich in Ordnung bin, bin ich es auch! Was will ich mehr!“

Es gibt allerdings einen Bereich unseres Lebens, da meine ich doch bei vielen eine nicht unerhebliche Selbstzufriedenheit – oder soll ich besser sagen Selbstgenügsamkeit? – zu beobachten. Das ist auf der Ebene unseres Glaubens und unseres Verhältnisses zu Gott:
„Es ist schon alles ok, wie es ist, mit meinem Glauben.“
Und würde jemand – so wie ich z.B. – nach einem Voranschreiten oder Weiterkommen im Glauben fragen, wäre die Antwort so in etwa: „Ja wohin denn?“ und vielleicht auch noch: „Es gibt ja doch genug Stress und Leistungsdruck auf dieser Welt. Das darf es beim Glauben nicht auch noch geben.“

Ich befürchte allerdings, dass hier in unguter Weise drei Dinge vermischt oder gar verwechselt werden:
1. Glaube ist nie statisch, den hat man nie „in der Tasche“.
2. Es gibt eine große Freiheit vor und bei Gott und die verträgt sich auch nicht gut mit Leistungsgedanken, wie: „Du musst halt fester glauben.“ oder „Du musst mehr geben.“ (…was ja schon ein großes Thema bei Luther war.)
Und 3. gibt es den ausdrücklichen Wunsch Gottes, in unser Leben mit seiner positiv gestaltenden und verändernden Kraft, Macht und Güte einzugreifen. Wobei er allerdings eine gewisse Eigenverantwortung und Eigenbereitschaft unsererseits erwartet.

Die Gefahr, wenn wir von Freiheit im Glauben sprechen ist, dass wir uns einrichten in für uns ausreichend religiöse Gefühle: „Ist alles schon recht so, wie es ist und der liebe Gott ist im Großen und Ganzen ein guter Mann.“ Das ist dann aber tatsächlich lediglich eine religiöse Selbstbeschränkung und hat nichts mehr mit dem dritten Punkt, nämlich einem machtvollen, gütigen und lebensverändernden Gott zu tun.

Diese Denktendenz, dieser geistliche Denkfehler ist offensichtlich gar nicht neu! Schon Paulus wehrt sich genau dagegen sehr. Z.B. in Röm 12,1-8, dem Predigttext für den heutigen Sonntag:
(Neue Genfer Übersetzung)
Ich habe euch vor Augen geführt, Geschwister, wie groß Gottes Erbarmen ist. Die einzige angemessene Antwort darauf ist die, dass ihr euch mit eurem ganzen Leben Gott zur Verfügung stellt und euch ihm als ein lebendiges und heiliges Opfer darbringt, an dem er Freude hat. Das ist der wahre Gottesdienst, und dazu fordere ich euch auf. Richtet euch nicht länger nach ´den Maßstäben` dieser Welt, sondern lernt, in einer neuen Weise zu denken, damit ihr verändert werdet und beurteilen könnt, ob etwas Gottes Wille ist – ob es gut ist, ob Gott Freude daran hat und ob es vollkommen ist.
3 Ich rufe daher aufgrund der Vollmacht, die Gott mir in seiner Gnade gegeben hat, jeden Einzelnen von euch zu nüchterner Selbsteinschätzung auf. Keiner soll mehr von sich halten, als angemessen ist. Maßstab für die richtige Selbsteinschätzung ist der Glaube, den Gott jedem in einem bestimmten Maß zugeteilt hat.


Ich lese heute –das ist der eingeschränkten Gottesdienstzeit in Corona-Zeiten geschuldet -lediglich bis hierher, die Verse 4-8 sind eigentlich ein ganz anderes Thema.

Wenn wir´s recht bedenken, setzt Paulus mit einem regelrechten Paukenschlag ein.
So lautet meine erste Überschrift:

1. Opfer!   -   Opfer?
Zugleich bittend und auffordernd, ermunternd und beschwörend schreibt Paulus hier. Wir sollen uns selbst als lebendiges und heiliges Opfer darbringen, denn Gott gefällt das.
Was soll denn das nun heißen? Das hört sich ja doch ziemlich blutig und schmerzhaft an.
Meint Paulus vielleicht doch so eine Art Blut- und Tränen-Theologie? Je härter es mir geht und je mehr ich mich religiös kasteie, desto besser für meine Seele... Natürlich: Nein! Das meint er nicht. Das würde ja schon gar nicht zum ersten Gedanken passen, den er hier erwähnt: Gott hat großes Erbarmen.
Ich meine, Paulus will uns daran erinnern, dass Christ sein aber durchaus auch etwas kostet. Wir sollen keine „halben Sachen“ machen. Ein Opfer – um im Bild zu bleiben - wird nicht nur ein bisschen geopfert. Beispielsweise Räucheropfer, wie es sie damals gab, waren getrocknete Büschel aus verschiedenen Kräutern. Die wurden nicht nur angekokelt und dann wieder weggelegt. Sie wurde ganz verbrannt, bis nichts mehr davon da war. Tieropfer durften nur von 100% makellosen Tieren gebracht werden. Holz für das Opferfeuer durfte nur aus bestem Holz, ohne Wurm oder Fäulnis bestehen.
So soll unser Leben auch ganz für Gott zur Verfügung stehen, sagt uns Paulus. - Dieser Gedanke macht uns vielleicht ein wenig Unbehagen. Was könnte da auf mich zukommen? Das sieht nach Kontrollverlust aus. Aber Paulus mahnt hier die Römer und uns: Macht keine halben Sachen! Das tut euch nicht gut! Und Gott gefällt es nicht – und zwar eben, weil er damit noch etwas viel Besseres für euch hat!

2. Veränderung
Gott fordert von uns Offenheit zur Veränderung – was sich manchmal aber dann schon wie Selbstaufgabe, wie Opfer anfühlen könnte. Er fordert das, weil wir in der Gefahr stehen, die Welt und unser Leben mit einem sehr subjektiven und v.a. uns genehmen Maßstab zu messen. Und der hat sich möglicherweise nur irgendwie entwickelt und muss daher noch lange nicht gut sein. Paulus sagt uns deshalb: Der Maßstab, den wir anlegen, muss außerhalb unserer selbst liegen.  Wir leben so viele Denk- und Strickmuster, die an vielen Stellen das Zeug dazu haben, kaputt zu machen, statt Gutes zu fördern.

Es ist natürlich einfach, mit dem Finger auf andere zu zeigen, aber welche Dynamiken entstehen können, sehen wir ganz aktuell in den USA. Natürlich ist das Phänomen vielschichtig. Ich habe aber Vorgestern in der Frankfurter eine sehr interessante Einschätzung zu den Vorfällen im Kapitol in Washington gelesen:
Die politische Präferenz amerikanischer Bürger zu kennen, heißt es da, lässt seit Jahrzehnten zunehmend den Schluss auf ihre Konfession, ethische Herkunft, ihr Einkommen und ihren Wohnort zu.
Quintessenz ist, dass die zwei Parteien inzwischen weniger zur Bündelung von politischen Programmen oder Vorhaben dienen, als immer mehr soziale Gruppen vereinigen: Das wird u.a. damit belegt, dass man lieber die eigene Einstellung, als die Partei wechselt. Manche Partei-Meinungen haben sich in den letzten Jahrzehnten genau ins Gegenteil verkehrt. Auf beiden Seiten. An der Partei und deren Dagegensein wird die eigne Identität festgemacht. Außerdem haben beide Parteien seit Jahren die Einstellung entwickelt, weniger die Politik der anderen abzulehnen, als vielmehr die Menschen der Gegenseite.
Auf dieser Basis musste nur einer kommen und nochmal richtig Öl ins Feuer schütten, damit so etwas geschehen konnte.
Und so war die Erstürmung des Kapitols letztlich kein Putsch und auch kein terroristischer Akt, sondern es ging diesen Menschen v.a. um Bilder ihrer eigenen Ermächtigung und darum, den Sieg des politischen Gegners mit Füßen zu treten.

Barack Obama schrieb an anderem Ort sinngemäß, dass das eine Katastrophe mit Ansage war.

Was heißt das für uns?
Zuerst einmal nichts Politisches, sondern etwas sehr Persönliches. Wir selbst haben uns zu prüfen! Und dazu schreibt Paulus: Maßstab für die richtige Selbsteinschätzung ist der Glaube, den Gott jedem in einem bestimmten Maß zugeteilt hat.
Es gilt, dass wir uns ehrlich und offenen Herzens immer neu von Gott hinterfragen lassen. Richtet euch nicht länger nach ´den Maßstäben` dieser Welt, sondern lernt, in einer neuen Weise zu denken, damit ihr verändert werdet und beurteilen könnt, ob etwas Gottes Wille ist – ob es gut ist, ob Gott Freude daran hat und ob es vollkommen ist.
Die Veränderung der Welt fängt also durch Gottes liebende Kraft und den Heiligen Geist in meinem – und in ihrem - Herzen an.
Sie geht dann weiter, denn aus Gedanken werden Worte.
Und aus Worten werden Taten - und wenn diese Bewegung von Gott, vom Heiligen Geist gesteuert ist - im Guten und Gesegneten für uns und andere.
Bleib wie du bist? – Muss nicht sein!
Amen


Liedvortrag EG+109

Meine Hoffnung und meine Freude,
meine Stärke, mein Licht.
Christus meine Zuversicht.
Auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht.
Auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht.


Fürbitte

Vater unser

Abkündigungen

Segen
Es segne und behüte euch der allmächtige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen

Musik zum Ausgang



Mitwirkende
Musik: Johann Lieberknecht
Lesung: Christiane Poetsch
Liturgie und Predigt: Pfr. Ulrich Hilzinger

 

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