Christnacht um 23 Uhr aus der Elisabethkirche zum Nachlesen

Wir feiern am 24. Dezember um 23 Uhr eine Christnacht in der Elisabethkirche. Sie wird mit beschränkter Teilnehmerzahl und unter Coronabedingugnen gefeiert. Für diejenigen, die (deshalb) nicht persönlich anwesend sein konnten, haben wir hier einen Gottesdienst zum Nachlesen mit den Lied-, Lesungs- und Predigttexten vorbereitet.

Marburg. Für Heiligen Abend um 23 Uhr hat Pfr. Ulrich Hilzinger eine Christnacht-Andacht vorbereitet.

Für alle die aus welchen Gründen auch immer nicht wie sonst am Gottesdienst in der Elisabethkirche teilnehmen können, bieten hier die Andacht im Textformat zum Nachlesen an - stimmen Sie getrost in ihrer Wohnung oder wo auch immer Sie sich gerade befinden die Lieder für sich singend an.

Nehmen Sie sich Zeit, zünden Sie ein Kerze an und versuchen alles eventuell Störende auszublenden und dann feiern Sie - verbunden mit der in der Elisabethkirche feiernden Gemeinde - die Christvesper aus der Elisabethkirche auf ihren Tablets und Bildschirmen.

Christnacht am Heiligabend zum Nachlesen

Musik zum Eingang

Begrüßung, Votum, Eingangsgebet

Lied: Ich steh an deiner Krippen hier, EG 37,1+4

Lesung der Weihnachtsgeschichte

Lied: Fröhlich soll mein Herze springen EG 36,1+2

Predigt

Liebe Gemeinde,

Licht spielt eine große Rolle in der Geschichte der Menschwerdung Gottes: Der Stern, der die Weisen leitete, die Klarheit des Herrn, die die Hirten umleuchtete, als der Engel zu ihnen kam und schließlich Jesus selbst, der als das wahre Licht beschrieben wird, das die Menschen erleuchtet und das in sein Eigentum, die Welt, kam, um diese hell zu machen.

Licht wird schon von Anfang an als eine von verschiedenen Erklärungen für Gott, seine Auswirkung auf uns und sein Wesen genannt. Wir finden das u.a. im Danielbuch im Alten Testament. Da preist Daniel Gott und dieser Lobpreis ist überschrieben mit: „Bei Gott ist lauter Licht“.

Die Geschichte nun, die diesen Lobpreis umgibt, die zu ihm führt, ist eine Weihnachtsgeschichte der anderen Art. Aber sie weist auf das Wesentliche hin. Sie hat mich sofort gefesselt:

Das Kapitel, Daniel 2, beginnt mit dem König Nebukadnezar. Er ist noch jung, hat gerade mal ein gutes Jahr regiert und erschrickt über einen Traum so sehr, dass er erwacht.

So eine Art kurzes Psychogramm, das erst später im Text erscheint, nämlich als Daniel mit dem König spricht, sagt: Dieser König sucht nach Wahrheit und er sucht nach Weisheit: Er will verantwortungsvoll sein und fragt sich abends noch: Wie geht das ganze hier wohl weiter? Mit diesem Riesenreich. Was wird kommen?

Aber er hat keine Lust, sich von seinen klugen Beratern, von Zeichendeutern, Weisen, Zauberern und Wahrsagern einfach in irgendeine Richtung schieben zu lassen. Wie einfach ist es, sich falsch beeinflussen zu lassen, wenn man Rat sucht. Nebukadnezar ist so klug, sich nicht vom Geschmeidigsten oder Cleversten einfangen zu lassen. Er sucht Objektivität und deswegen sagt er seinen Beratern: „Ich hatte einen Traum, der mich erschreckt hat. Sagt mir den Traum und deutet ihn mir.“ Er sucht Weisheit, die unbeeinflusst von eigenen Gedankenspiralen oder gar geleitet von persönlichen Interessen ist. Er will nichts ausplaudern, was Traumdeuter oder politische Taktierer nach ihrer Facon deuten können und er will nicht, dass man ihm nur nach dem Mund redet.

Diesem Anspruch kann keiner gerecht werden, nicht einer. Und deshalb sollen nun alle Weisen umgebracht werden. Als Daniel das hört, erbittet er zeitlichen Aufschub und bittet in dieser Situation Gott um Weisheit und die richtige Erkenntnis. Und Gott erhört ihn: Da wurde Daniel das Geheimnis durch ein Gesicht in der Nacht offenbart. heißt es in dem Satz vor dem Predigttext.

Wir erfahren in der Bibel immer wieder von Träumen, die von Gott gesendet, den Menschen Informationen geben: Sei es bei Joseph und seinen Brüdern, bis hin zu den drei Weisen, die nach der Anbetung Jesu nicht zurück zu Herodes gehen sollen.

„Nette Geschichtchen,“ können wir denken. „Hätte ich auch gerne. Gibt es denn sowas überhaupt?“

Kurz und knapp: Ja! Ich habe es schon erlebt. Aber lassen sie mich in diesem Zusammenhang doch lieber von einem sehr guten Freund berichten, dem genau so etwas auch passiert ist: Er war mit einer christlichen Jugend-Reisegruppe in Chile unterwegs und in Santiago de Chile stiegen sie in einen Bus, um 1000km in den Süden zu fahren. Dort griff ihn beim Aussteigen sofort der Pastor der Gemeinde heraus und sagte: „Du musst uns sagen, was wir in unserer Gemeinde tun sollen. Morgen früh kommen wir und du erzählst es uns.“ Völlig verdattert fragte er: „Wieso ich?“ und der Pastor sagte: „Dieser Mann neben mir, mein Gemeindeglied, hatte einen Traum bezüglich der Zukunft unserer Gemeinde, den aber niemand von uns deuten kann. Im Traum erfuhr er aber auch, dass mit der deutschen Reisegruppe ein Dicker mit Glatze mitkommt, der würde den Traum deuten können. E voilá. Du bist der einzige, auf den die Beschreibung passt.“ Nach einer sehr unruhigen Nacht und vielen Fragen an Gott, was er denn sagen solle, trafen sie sich am kommenden Morgen. Das Gemeindeglied erzählte den Traum und mein Freund sagte: „Ich konnte es selbst kaum glauben, aber exakt diesen Traum, den ich erzählt bekam, hatte ich zwei Nächte zuvor in Santiago, 1000 km entfernt von da. Nur, dass ich alles deuten und alle Fragen beantworten und klären konnte, alle Namen wusste.“

Alle waren tief berührt und Gott so dankbar, für diese unglaubliche Glaubenserfahrung!

Und genau an einer solchen Stelle setzt der Predigttext ein. Daniel war Gott so dankbar! Und ich bin überzeugt: tatsächlich und zurecht!

Ich lese Dan 2,19b-22 Bei Gott ist lauter Licht

Und Daniel lobte den Gott des Himmels, fing an und sprach: Gelobet sei der Name Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit, denn ihm gehören Weisheit und Stärke! Er ändert Zeit und Stunde; er setzt Könige ab und setzt Könige ein; er gibt den Weisen ihre Weisheit und den Verständigen ihren Verstand, er offenbart, was tief und verborgen ist; er weiß, was in der Finsternis liegt, und nur bei ihm ist das Licht.

Menschen wie Daniel, oder mein Freund, oder auch manche von Ihnen, oder ich werden immer wieder hineingenommen in die Großartigkeit Gottes, die uns damit auch hinweist auf das, wo echte Weisheit und der wahre Blick auf die Dinge zu finden ist, wo die Tiefe der Seele zur Ruhe kommt und wahres Licht und wahre Wärme zu finden sind.

Daniel preist Gott von ganzem Herzen dafür!

An Weihnachten können auch wir Gott von ganzem Herzen Danken und ihn preisen, dafür, dass er einen Teil von sich selbst Mensch werden ließ, damit wir Anteil bekommen an diesem Licht, an dieser Wärme, an dieser Erfüllung und an dieser Weisheit!

„Bei Gott ist lauter Licht.“ Das feiern wir auch mit einem leuchtenden Tannenbaum und vielen Kerzen gerade in dieser dunklen Jahreszeit. Und ebenso gerade in dieser dunklen Corona-Zeit.

Denn Gott ist jetzt gegenwärtig und Jesus ist der Weg und die Tür dahin.

Das wurde dem nach Wahrheit suchenden König Nebukadnezar bereits offenbart. In diesem Traum ging es um großartige Reiche aber auch um ihre Vergänglichkeit und final darum, dass Gott selbst das einzig wahre und bedeutende Reich errichten wird. Gott schenkte Nebukadnezar und seinem Traumdeuter Daniel diesen Blick in die Zukunft, 600 Jahre bevor er, Gott, selbst in Jesus Mensch wurde.  In Vers 44 erklärt Daniel:

Aber zur Zeit dieser Könige (also der Nachfolger Nebukadnezars) wird der Gott des Himmels ein Reich aufrichten, das nimmermehr zerstört wird; und sein Reich wird auf kein anderes Volk kommen. Es wird alle diese Königreiche zermalmen und zerstören; aber es selbst wird ewig bleiben

Das ist die geistliche Dimension der Bedeutung von Jesu Geburt ganz kurz gefasst, und, wie gesagt, 600 Jahre vor dem Geschehen. Weil Daniel die Tragweite dieser Worte begreift und die Ehre, die ihm mit dieser Offenbarung zuteil wird, preist er Gott: Deswegen sagt Daniel: Er offenbart, was tief und verborgen ist; er weiß, was in der Finsternis liegt, und nur bei ihm ist das Licht.

Lassen Sie uns genau das heute, am Heiligen Abend, und die nächsten Tage feiern:

Nur bei ihm ist das Licht!

Und nur bei ihm ist die tiefste Wahrheit!

Das Wort Gottes wurde Mensch und es ist das Licht der Menschen!

Frohe und gesegnete Weihnachten!

Amen

 

Lied: Lobt Gott ihr Christen alle gleich EG 27,1-3+6

Gebet, Vaterunser

Segen

Lied: O du fröhliche (im Stehen) EG 44,1-3

Orgelmusik zum Ausgang

 

Wir freuen uns auf Feedback, das sie uns hier unten über die Kommentarfunktion zukommen lassen können.

 


An dem Gottesdienst wirken mit:
- Liturgie und Predigt: Pfarrer Ulrich Hilzinger
- Orgel: Nils Kuppe
- Gesang: Anne Kuppe

 

Fragen und Komentare zur Christmette um 23 Uhr

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