Audio-Gottesdienst zum 3. Advent - zum Nachhören und Nachlesen

Collage: Bernhard Dietrich

Wir feiern den Gottesdienst zum 3. Advent (13.12.) mit Pfarrer Bernhard Dietrich in der Elisabethkirche mit corona-bedingt begrenzter Besucherzahl. Für diejenigen, die (deshalb) nicht persönlich anwesend sein konnten, haben wir hier einen Gottesdienst zum Nachhören sowie zum Nachlesen mit den Lied-, Lesungs- und Predigttexten vorbereitet.

Gottesdienst zum 3. Advent aus der Elisabethkirche:

Seine Predigt hält Pfarrer Bernhard Dietrich über das prophetische Lied des Zacharias auf das kommende Licht in der Dunkelheit (Lk 1, 67-79). Ein Lied das nachzusingen und anzustimmen wäre, damit auch wir heute Licht und Hoffnung gewinnen in einer Welt, die dunkel ist, voller Unbarmherzigkeit, Egoismus und Streit.

Sie sind jetzt nun eingeladen, den Audiomitschnitt des Gottesdienstes vom diesen Sonntag (13.12.) anzuhören und die Texte zu mitlesen. Suchen SIe sich zuvor einen stillen Ort. Machen Sie es sich bequem. Vielleicht zünden Sie eine Kerze an. Singen, lesen und beten Sie mit. Wir wünschen Ihnen Gottes Segen.

Audio-/Mitlese-Gottesdienst zum 3. Advent
13. Dezember 2020

mit Pfarrer Bernhard Dietrich

[Text- und Liedblatt als PDF-Download hier klicken]

Musik: Orgel


Begrüßung


Wochenspruch

„Bereitet dem HERRN den Weg; denn siehe, der HERR kommt gewaltig.“ Jes 40,3.10


Mit Worten Israels lasst uns im Wechel beten:
Psalm 85 (L.= Liturg- G. = Gemeinde)

Alle: Herr, zeige uns deine Gnade und gib uns dein Heil!
L.
Könnte ich doch hören,
was Gott der Herr redet,
G.
dass er Frieden zusagte seinem Volk und seinen Heiligen,
auf dass sie nicht in Torheit geraten.
L.
Doch ist ja seine Hilfe nahe denen, die ihn fürchten,
dass in unserem Lande Ehre wohne;
G.
dass Güte und Treue einander begegnen,
Gerechtigkeit und Friede sich küssen;
L.
dass Treue auf der Erde wachse
und Gerechtigkeit vom Himmel schaue;
G.
dass uns auch der Herr Gutes tue,
und unser Land seine Frucht gebe;
L.
dass Gerechtigkeit vor ihm her gehe
und seinen Schritten folge.
Alle: Herr, zeige uns deine Gnade und gib uns dein Heil!
Ps 85,8; 9-14
Amen


Gebet:


Gott, immer wieder erweckst du dein müde gewordenes Volk und rufst uns zurecht mit deiner Botschaft.
Lass uns die Spuren deines Kommens erkennen und die Zeichen deiner Nähe nicht übersehen, dass wir zu leben wagen, was du in deinem Sohn ermöglicht hast:
Vertrauen zu dir und Liebe untereinander und Hoffnung auf dein Reich, jetzt und auf ewig.
Gemeinde: Amen
 

Lesung: Lukasevangelium 1,67-79

Und sein Vater Zacharias wurde vom Heiligen Geist erfüllt, weissagte und sprach: Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst sein Volk und hat uns aufgerichtet eine Macht des Heils im Hause seines Dieners David – wie er vorzeiten geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten –, dass er uns errettete von unsern Feinden und aus der Hand aller, die uns hassen, und Barmherzigkeit erzeigte unsern Vätern und gedächte an seinen heiligen Bund und an den Eid, den er geschworen hat unserm Vater Abraham, uns zu geben, dass wir, erlöst aus der Hand unsrer Feinde, ihm dienten ohne Furcht unser Leben lang in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinen Augen.
Und du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten heißen. Denn du wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitest
und Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk in der Vergebung ihrer Sünden, durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.

Votum: Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.  Lk 21,28b
Gemeinde: Amen


Lied: EG 4,1-4 Nun kommt der Heiden Heiland

1. Nun komm, der Heiden Heiland,
der Jungrauen Kind erkannt, dass sich wunder alle Welt,
Gott solch Geburt ihm bestellt.

2. Er ging aus der Kammer sein,
dem königlichen Saal so rein,
Gott von Art und Mensch, ein Held;
sein’ Weg er zu laufen eilt.

3. Sein Lauf kam vom Vater her
und kehrt wieder zum Vater,
fuhr hinunter zu der Höll
und wieder zu Gottes Stuhl.

4. Dein Krippen glänzt hell und klar,
die Nacht gibt ein neu Licht dar.
Dunkel muss nicht kommen drein,
der Glaub bleib immer im Schein.


Predigt zu Lukas 1,67-79

Liebe Gemeinde
Ein alter Mann singt. Er singt aus Freude über die Geburt seines Sohnes. Er hat darauf gehofft und - doch nicht mehr daran geglaubt.
Aber nun ist das Kind da. Johannes, der Vorläufer und Wegbereiter Jesu. Johannes das Kind alter und unfruchtbarer Leute. Ein Wunder!
Der alte Zacharias singt, denn er ist heilfroh!

Der singende Alte. Ich verweile. Wo ist mir ein glücklich-singender Menschen zuletzt begegnet? Wer singt? Welche Lieder und
warum?

Mir steht die alte Frau vor Augen. Sie singt einen Choral. Melodie und Text hat sie ganz sicher. Sprechen kann sie nicht mehr. Sie ist krank. Aber singen kann sie. Lieder erreichen sie, geben ihrer Existenz Ausdruck. Ein Bild für uns Menschen: Unsere Lieder zeigen, wer und was wir sind.

Wie kommen wir zu Liedern? Was lässt mich singen? Der Lobgesang des Zacharias hilft uns, das Singen zu lernen (auch wenn wir es zur Zeit nicht dürfen, mit unseren Lippen – so doch im Herzen und mit dem ganzen Menschen). Und so in den Gesang Gottes einzustimmen, heute im Advent als der Zeit der Erwartung, der Sehnsucht nach Heil und Gesundwerden der Menschen und Völker. Als Sehnsucht nach dem Licht, das mit Christus in unsere dunkle Welt kommen will.

Was ist das für ein Lied? Zacharias, so heißt es in Vers 67, singt es vom Geist erfüllt. Anders geht es sicher auch bei uns nicht. Auch uns muss der Geist erfüllen bis uns das Lied uns verwandeln kann. An Zacharias können wir es ablesen: Wir und unsere Gesellschaft müssen nicht länger alt aussehen, weil sich unsere Hoffnungen, Sehnsüchte und Träume nicht erfüllen, weil wir in Vielem ohne Zukunft dastehen, mit gebrochenem Mut, verstummt, wie Zacharias, aus geschwundenem Vertrauen.

Nein, auch uns muss zweifellos der Geist erfüllen, bevor es in uns zu singen beginnt und wir einstimmen können in das, was uns Zacharias da heute vorsingt. Was ist das für ein Lied? Ein zweistrophiges Gotteslob, bestehend aus einem Lobpreis auf Gottes Taten, „Gelobt sei der Herr ...“, in der ersten und aus einem prophetisch eingefärbten Geburtslied, „und du Kindlein wirst ...“ in der zweiten Strophe.

Eigenartig: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verschränken sich in diesem Lied. Der Gott Israels wird besungen. Er ist treu. Er besinnt sich auf seine Versprechen. Vergangenes ist nicht einfach vergangen, sondern erschließt eine vertane Zukunft neu: Das Alter wird fruchtbar, Verstummte brechen in Gotteslob aus; Erkenntnis der Rettung wächst, wo Angst herrschte; ins finstere Todesschattenland bricht Licht ein; und die Schritte derer, die von Feindschaft und Hass bedrängt waren, werden auf den Weg des Friedens gelenkt. - Ach dass wir so singen und leben lernten.

Woher kommt es eigentlich, das Lied? Es kommt aus jüdischen Quellen und stammt wahrscheinlich aus der Täuferbewegung.
Es enthält viele Anknüpfungen an atl. Psalmen. Zur Zeit des Lukas dürfte das Lied als Lobgesang in jüdisch-christlichen Gemeinden fester Bestandteil der Liturgie gewesen sein. Noch heute wird es in den Klöstern des Westens jeden Morgen bei den Laudes gesungen. Auch in unserm Gesangbuch findet es sich unter der Nr 783.6.
Ich denke: Indem die Kirche diesen Hymnus als Benedictus – als Lobgesang – in ihre Liturgie aufnahm, stimmte sie ein in den Lobpreis gegenüber dem Gott Israels, der sein Volk immer wieder heimgesucht hat, um sein Erbarmen und seine Wohltaten zu erweisen - auch in Zukunft.

In der Gestalt des Johannes verdichtet sich diese Hoffnung, weil er der Wegbereiter dessen wurde, der als aufgehendes Licht aus der Höhe – als Licht der Welt – diejenigen aufsucht, die in Finsternis und Schatten des Todes wohnen: der zu Unrecht Benachteiligten; der Witwen und Waisen; der Unterdrückten.

Der Lobgesang ist auch ein Gebet, ein Gebet, in dem der Beter Gott segnet. Das mag uns fremd erscheinen. Das Gottsegnen entspricht aber der Grundgestalt jüdischen Gotteslobs.

Indem wir Gott segnen, anerkennen wir Gott als Geber all dessen, was wir zum Leben nötig haben. Wir bestätigen ihn in seiner Großzügigkeit und freundlichen Zuwendung. Wenn wir Gott segnen, bekennen wir, dass wir unser Leben letztendlich nicht selbst in der Hand haben.

Wir erkennen singend: Gott möchte Frieden für sein Volk. Und mehr. Er möchte Frieden für die ganze Welt – Frieden, der soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit umgreift; diese politische Dimension gilt es mitzuhören, wenn Gottes Taten gepriesen werden.
Freilich:
Nicht unser, sondern Gottes machtvolles Tun besingt der Hymnus. Adventlich leben heißt darum, sich über die heilvolle Heimsuchung Gottes freuen, den göttlichen Besuch erwarten und sich von ihm beschenken lassen. Auch Warten und Empfangen will gelernt sein. Die gegenwärtige Pandemie bietet dafür ein weites Übungsfeld: füreinander da sein mit Geduld und Rücksichtnahme, dankbar und staunend, dass gleich mehrere Impfstoffe schon am Horizont sind und bis zu deren wirksamen Einsatz umso mehr unser freiwilliges Schutzverhalten notwendig sein wird.

Nocheinmal: Wie nur lernen wir das Lied? Wir lernen es von unseren jüdischen Schwestern und Brüdern, wir singen es neu im Advent und erleben - Gottes Geist verwandelt uns. Im Singen verbindet er uns mit Menschen. Im Singen verbindet er uns mit sich. Sein Geist ergreift und verwandelt uns und öffnet uns für sein Kommen.
Amen


Lied EG 11, 1-3 Wie soll ich dich empfangen

1. Wie soll ich dich empfangen / und wie begegn ich dir,
o aller Welt Verlangen, o meiner Seelen Zier?
O Jesu, Jesu, setze mir selbst die Fackel bei,
damit, was dich ergötze, mir kund und wissend sei.

2. Dein Zion streut dir Palmen / und grüne Zweige hin,
und ich will dir in Psalmen / ermuntern meinen Sinn.
Mein Herze soll dir grünen in stetem Lob und Preis
und deinem Namen dienen, so gut es kann und weiß.

3. Was hast du unterlassen / zu meinem Trost und Freud,
als Leib und Seele saßen / in ihrem größten Leid?
Als mir das Reich genommen, / da Fried und Freude lacht,
da bist du, mein Heil, kommen / und hast mich froh gemacht.

4. Ich lag in schweren Banden, / du kommst und machst mich los;
ich stand in Spott und Schanden, / du kommst und machst mich groß
und hebst mich hoch zu Ehren / und schenkst mir großes Gut,
das sich nicht lässt verzehren, / wie irdisch Reichtum tut.


Fürbitten

Gott der Güte, du hast dich auf den Weg gemacht zu uns Menschen, schon eine weite Strecke mit deinem Volk durch die Geschichte zurückgelegt,
und willst mit uns auch weiter Schritte ins Morgen tun.
So führe uns, wir bitten dich:
G.: Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.

Wo wir stehen bleiben wollen; wo wir im Gestern gefangen sind,
wo wir ohne Mut bleiben, weiterzugehen, weil Kraft und Phantasie nicht reichen – da bitten wir dich:
G.: Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.

Wo wir zögern, auf Menschen zuzugehen, die warten und laut oder leise nach uns rufen, wo wir in Gefahr sind, teilnahmslos vorüberzugehen - da bitten wir dich:
G.: Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.

Wo Hass und Streit die Liebe bedroht; wo Paare verstummen, wo Nachbarn einander verletzen, wo Mauern wachsen, wo einst Tore waren – da bitten wir dich:
G.: Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.

Wo der Schatten des Todes uns erreicht, wo Krankheit quält, wo Trauer verstört, wo Vergebung verweigert wird, wo Dunkelheit die Seele umhüllt – da bitten wir dich:
G.: Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.

Wo wir über eigene oder fremde Fehler stolpern, wo wir durch Versagen der Kräfte stolpern, wo wir im Scheitern von Hoffnungen und Plänen fallen – da bitten wir dich: (e)
G.: Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.


Vater Unser

Vater unser im Himmel
geheiligt werde dein Name
dein Reich komme
dein Wille geschehe
Wie im Himmel so auf Erden
Unser tägliches Brot gib uns heute
Und vergib uns unsere Schuld
Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern
Und führe uns nicht in Versuchung
sondern erlöse uns von dem Bösen
Denn dein ist das Reich / und die Kraft / und die Herrlichkeit
in Ewigkeit Amen
 

Bekanntmachungen


Segen


Ausgangsmusik: Orgel

 


Mitwirkende:
Pfr. Bernhard Dietrich: Liturgie und Predigt
Nils Kuppe Orgel
Gesang
Nils Hahmann Düringer: Tontechnik

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