Audio-Gottesdienst zum 1. Advent - zum Nachhören und Nachlesen

Collage: Bernhard Dietrich

Wir feiern den Gottesdienst zum 1. Advent (29.11.) mit Propst Helmut Wöllenstein in der Elisabethkirche mit corona-bedingt begrenzter Besucherzahl. Zugleich beginnt ein neues Kirchenjahr und die Aktion Brot für die Welt wird mit einer neuen Kampagne eröffnet. Für diejenigen, die (deshalb) nicht persönlich anwesend sein konnten, haben wir hier einen Gottesdienst zum Nachhören sowie zum Nachlesen mit den Lied-, Lesungs- und Predigttexten vorbereitet.

Gottesdienst zum 1. Advent aus der Elisabethkirche:

Damit beginnt ein neues Kirchenjahr. Und mit der neuen Kampagne von Brot für die Welt lenken wir unseren Blick von uns selbst weg auf arme und hungernde Menschen in der Welt und unterstützem Projekte, mit denen das geändert werden kann.

Seine Predigt hält Propst Helmut Wöllenstein über die Freudenverse zum "Friedenskönig" (Sacharja 9,9–10). Dort sieht der Prophet den kommenden Retter kommen: "Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin." Eine Hoffnung, die in unseren Tagen wichtiger ist denn zuvor.

Sie sind jetzt nun eingeladen, den Audiomitschnitt des Gottesdienstes vom diesen Sonntag (29.11.) anzuhören und die Texte zu mitlesen. Suchen SIe sich zuvor einen stillen Ort. Machen Sie es sich bequem. Vielleicht zünden Sie eine Kerze an. Singen, lesen und beten Sie mit. Wir wünschen Ihnen Gottes Segen.

Audio-/Mitlese-Gottesdienst zum 1. Advent
29. November 2020

mit Propst Helmut Wöllenstein

[Text- und Liedblatt als PDF-Download hier klicken]


Musik zum Eingang: Andreas Hammerschmidt: „Machet die Tore weit“


Begrüßung


Soli: Lied „Macht hoch die Tür“

1. Macht hoch die Tür, die Tor macht weit;
es kommt der Herr der Herrlichkeit,
ein König aller Königreich,
ein Heiland aller Welt zugleich,
der Heil und Leben mit sich bringt;
derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott,
mein Schöpfer reich von Rat.

5. Komm, o mein Heiland Jesu Christ,
meins Herzens Tür dir offen ist.
Ach zieh mit deiner Gnade ein;
dein Freundlichkeit auch uns erschein.
Dein Heilger Geist uns führ und leit
den Weg zur ewgen Seligkeit.
Dem Namen dein, o Herr,
sei ewig Preis und Ehr.


Psalmgebet im Wechsel

Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch,
dass der König der Ehre einziehe!
     Wer ist der König er Ehre?
Es ist unser Gott, stark und mächtig, unser Gott, lebendig und gütig.
Macht hoch die Tore weit und die Türen in der Welt hoch,
dass der König der Ehre einziehe!
     Wer ist der König der Ehre?
Es ist unser Gott. Er kommt zu uns als ein Kind, klein und verletzlich.
Das ist der König der Ehre!
Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch,
dass der König der Ehre einziehe!
     Wer ist der König der Ehre?
Es ist unser Gott. Die Liebe, die uns und alle Welt verwandeln will in ihrem Licht. Das ist der König der Ehre!


Soli: Ehr sei dem Vater


Gebet

Gott, du kommst zu uns. Wir freuen uns.
Wir bitten dich, öffne unsere Herzen.
Lass deinen Stern über uns aufgehen.
Stell unser Leben in das Licht Deiner Verheißung.


Lesung Sacharia 9, 9+10

Du Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze!
Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer,
arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.
Denn ich will die Wagen vernichten in Ephraim
und die Rosse in Jerusalem,
und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden.
Denn er wird Frieden gebieten den Völkern,
und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum anderen
und vom Strom bis an die Enden der Erde.


Soli: Halleluja


Glaubensbekenntnis


Soli: Lied: Tochter Zion

1. Tochter Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem!
Sieh, dein König kommt zu dir, ja er kommt, der Friedefürst.
Tochter Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem!


Predigt

Tochter Zion freue Dich! Ein Aufruf zur Freude. Den können wir brauchen, gerade dies Jahr zum ersten Advent. Bei vielen stellt sich, wenn sie die Worte hören, auch gleich eine Musik ein. Die feierlich strahlenden Klänge, die Händel dazu komponiert hat. Man möchte laut lossingen und muss sich doch bremsen. Das ist für mich richtig schmerzlich, dass wir nicht singen können, jetzt in der Weihnachtszeit.
Die Freude, zu der uns der Bibelvers aufruft, hat es dies Jahr nicht unbedingt leicht.

Dabei ist es immer merkwürdig, wenn einem die Freude befohlen wird. Tochter Zion freue dich. Es gehört zu den Schönfärbestrategien von Diktaturen, wenn Freude verordnet wird, Jubel die Probleme übertönen soll. So heißt es in Psalm 137. Israel ist im Exil, „an den Wassern von Babylon saßen wir und weinten, wenn wir an Zion dachten. Unsere Harfen hatten wir in die Weiden gehängt, da hießen sie uns singen, die uns dort gefangen hielten und in unserem Heulen fröhlich sein“.

Freude auf Befehl funktioniert nicht. Es muss einen Grund geben sich zu freuen. Einen Raum, in dem sich die Freude entfalten kann. Man muss etwas Schönes sehen oder hören, an etwas Schönes denken können. – Und genau das tut der Prophet Sacharia.
Erst einmal gibt er uns eine Rolle, die uns das Singen näherbringt. Als „Tochter Zion“, spricht er uns an. Wie junge Mädchen dürfen wir uns fühlen. (Von wegen, dass sich allein die berühmten Knabenchöre auf ein biblisches Engagement berufen könnten!)
Töchter sollen wir alle sein, um in die richtige Stimmung zu kommen. Und wer es noch mal hören muss, bekommt es nochmal gesagt: „Jauchze laut, du, Tochter Jerusalem!“
Aber es bleibt nicht bei diesen leichten charmanten Einladungen. Sondern uns werden die Augen geöffnet für einen neuen Blick. Siehe! „Siehe, dein König kommt zu dir“. Das ist vielleicht auch zunächst noch spielerisch-erotisch: Töchter jauchzen, wenn Prinzen zu ihnen kommen oder gar ein König.
Doch dann wird es ernst und tiefgehend. Wir sehen eine politische Vision: Siehe, Dein König kommt, „ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel“. Ganz ungewöhnlich ist dieses Bild. Dieser König ist arm. Er kommt auf einem Esel. Ein König, der kein König ist. Der dann aber doch genau das tut, was man von einem König erwartet: Er ist gerecht. Er ist ein Helfer. Er dient seinem Volk. Nicht von oben runter, nicht vom Hohen Ross aus. Sondern so, wie er gebraucht wird. Er ist für die Menschen da.

In letzter Zeit gab es öfter die Kritik, die Kirche solle nicht so politisch predigen. Sie solle die biblische Botschaft predigen: Doch wie soll man diesen vielleicht bekanntesten Bibeltext im Advent auch nur vorlesen, ohne dass er politisch wirkt?
„Ich will die Streitwagen vernichten in Ephraim, heißt es hier, und die Schlachtrosse in Jerusalem. Der Kriegsbogen soll zerbrochen werden. Denn er wird Frieden gebieten den Völkern“.
Diese klare Kritik an Herrschaftsformen, die aufs Militär setzen. Sicher müssen wir gut hinhören. Der Prophet hört die Worte aus Gottes Mund.
„Ich will die Wagen vernichten und die Bogen zerbrechen“ heißt es. Leider ist es oft passiert in den Religionen: Menschen haben versucht, das, was von ihrem Gott gesagt wird, eins zu eins ins eigene Handeln umzusetzen. Dann auch leider oft mit Gewalt gegeneinander.
Hier heißt es: Gott will es tun. Es ist eine prophetische Vision. Es ist eine Hoffnung. Doch diese Hoffnung muss in uns brennen. Wir warten auf eine Welt, in der wirklich eines Tages Schluss ist mit Krieg. Schluss mit der Gewalt, die Menschen gegeneinander und Menschen gegen die Natur ausüben. Aber auch schon der Weg dahin muss dem entsprechen. Mit Gewalt gegen Gewalt vorzugehen, beendet keinen Krieg, sondern heizt ihn an. Da ist es wichtig an den zu denken, den wir Christen vor uns sehen, wie er auf einem Esel in Jerusalem einzieht. Jesus. Er verzichtet auf Gewalt. Er sagt: Selig die Friedfertigen, sie sollen Gottes Kinder heißen.

Dieses Bibelwort des Propheten Sacharia macht uns demütig. Wir sehen uns an der Seite eines Königs, der auf dem Esel zu uns kommt. Dieses Bibelwort gibt Orientierung. Es sagt: Eine gute Regierung ist gerecht und hilft Menschen. Dieses Bibelwort lässt uns festhalten an der großen unerreichten Hoffnungsbilder: Dass es eines Tages Frieden geben kann auf der Erde, ohne Gewalt. Dieses Bibelwort sagt uns nicht in Einzelheiten, was wir tun und lassen sollen. Es sagt, dass es zuerst Gottes Sache ist, diese Dinge voran zu bringen - und unsere Sache, sie zu sehen. „Siehe“ heißt es da „Siehe, dein König kommt zu dir“. Unsere Sache ist es, dass wir uns darüber freuen und jubeln können, wie eine Tochter Zion.

Doch weil ich selbst eine Tochter habe, ahne ich, was sie jetzt sagen würde, wenn sie zuhören könnte.
„…nun ist es auch langsam mal gut, Pappi, mit der Tochter Zion und ihrer Freude“, würde sie sagen. „Junge Frauen können mehr als jubeln und jauchzen. Sie können auch gut denken. Und kritisch sein, und sich engagieren. Sie sind gut in der Welt vernetzt.“ ---
Und ich müsste sagen: Stimmt, du hast Recht. Die Tochter Zion sollte nichts aufs Jubeln reduziert werden. Und so sollte es auch bei uns sein, als Gemeinde. Wir freuen uns. Und wir wissen, die Freude wird größer, wenn wir sie teilen. Die Freude wird größer, wenn wir jetzt in diesen Wochen bei allen Beschränkungen Kontakte halten. Untereinander. Und besonders zu Menschen, die auf uns warten. Die sich über einen Anruf freuen – oder ihn richtig dringend brauchen. Oder eine Mail, oder eine Kerze mit Tannenzweig vor die Tür.
Die Freude der Tochter Zion lässt sich nicht beschränken, auch wenn sie heute nicht analog in Schallwellen in diesem feinen alten Sandsteinbau laut werden darf. Sie geht digital weiter zu denen, die uns später zuhause sehen oder zuhören. (Wir grüßen sie ganz besonders!)
Und sie kennt keinen Grenzen. Sie geht „von einem Meer bis zum anderen und von dem großen Strom bis an die Enden der Erde“– wie Sacharia schreibt. Und sie hat natürlich auch im Blick, dass Freude teilen bedeuten kann: Brot teilen, Ressourcen teilen, teilen was man zum Leben braucht. So wie es die Aktion Brot für die Welt tut, die heute am ersten Advent überall in unserem Land neu startet. Die braucht unser Gefühl, sie braucht aber auch unsere Unterstützung.
Und sie braucht das, was wir alle brauchen in diesen Tagen: Ausdauer, Zuversicht, Kraft zum Durchhalten. Und diese wunderbare Energie, die in uns wächst, wenn wir uns einladen lassen: Tochter Zion, freue dich!


Soli: Lied „O komm, komm, du Morgenstern! 1-3

1. O komm, o komm, du Morgenstern,
lass uns dich schauen, unsern Herrn.
Vertreib das Dunkel unsrer Nacht
durch deines klaren Lichtes Pracht.
Freut euch, freut euch, der Herr ist nah.
Freut euch und singt Halleluja.

2. O komm, du Sohn aus Davids Stamm,
du Friedensbringer, Osterlamm.
Von Schuld und Knechtschaft mach uns frei
und von des Bösen Tyrannei.
Freut euch, freut euch, der Herr ist nah.
Freut euch und singt Halleluja.

3. O komm, o Herr, bleib bis ans End,
bis dass uns nichts mehr von dir trennt,
bis dich, wie es dein Wort verheißt,
der Freien Lied ohn Ende preist.
Freut euch, freut euch, der Herr ist nah.
Freut euch und singt Halleluja.


Fürbittengebet

Gott, wo du einziehst, verwandelt sich die Welt. Wo deine Liebe uns anrührt, wird es hell.
In deine Hände legen wir: Unsere Angst und unsere Sorgen. Unsere Fragen und alle Ungewissheit. Unseren Jubel und all unsere Hoffnung.


Lass dein Licht leuchten.
An allen Orten, in allen Häusern.
Unter deinem Himmel.

Wir denken vor dir an alle, die wir liebhaben.

Stille.

Wir denken an all die Orte, die dich brauchen:
die Krankenhäuser, die Altenheime, die Schulen, die Flüchtlingsunterkünfte,
die vollen Busse und Straßenbahnen, die stillen Kämmerlein.

Stille.

Und wir denken an deine Liebe, dein Leuchten.
Wir stellen uns und die ganze Erde in dein Licht.

Stille.


Vater unser


Bekanntmachungen


Segen (Soli: Amen)


Soli: Georg Friedrich Händel: „Tochter Zion“

2. Hosianna, Davids Sohn, sei gesegnet deinem Volk!
Gründe nun dein ewig Reich, Hosianna in der Höh!
Hosianna, Davids Sohn, sei gesegnet deinem Volk!

3. Hosianna, Davids Sohn, sei gegrüßet, König mild!
Ewig steht dein Friedensthron, du, des ewgen Vaters Kind.
Hosianna, Davids Sohn, sei gegrüßet, König mild!


Mitwirkende:
Universitätschor
Sänger der Kantorei der Elisabethkirche
Leitung und Orgel: Nils Kuppe
Lesung: Gerson Kraft
Liturgie u. Predigt: Helmut Wöllenstein

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