Zum Nachfeiern: Mithörgottesdienst und Andacht-to-go für Palmsonntag, 05.04.2020

Foto: Falk Knüppel

Der Kurzgottesdienst mit Pfarrerin Dr. Anna Karena Müller, Kantor Nils Kuppe mit Gesangsbeiträgen seiner Frau Anne und Kinder wird hier ab Sonntagmorgen, 05.04.2020 zum Hören und Mitfeiern freigegeben. Gleichzeitig ist er als "Andacht-to-go" nachzulesen und kann im PDF-Format heruntergeladen werden - zum Ausdrucken, Mitnehmen, Weiterreichen...

Gottesdienst aus der Elisabethkirche. Sie sind jetzt nun eingeladen, die Audiowiedergabe des Gottesdienstes unterhalb des Bildes links zu starten. Suchen SIe sich zuvor einen stillen Ort. Machen Sie es sich bequem. Vieleicht zünden Sie eine Kerze an. SIngen, lesen, hören und beten Sie mit. Wir wünschen Ihnen Gottes Segen.

„Fürchte dich nicht“

Andacht zum Palmsonntag, 5. April 2020 [Download als PDF]
von Pfrin. Dr. Anna Karena Müller

 

Orgelmusik


Gruß


Lied: EG 75,1

Ehre sei dir Christe, der du littest Not
an dem Stamm des Kreuzes für uns bittern Tod,
herrschest mit dem Vater in der Ewigkeit:
Hilf uns armen Sündern zu der Seligkeit.
Kyrie eleison, Christe eleison, Kyrie eleison.


Psalm 36 / EG 719

Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,
und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.
     Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes
     und dein Recht wie die große Tiefe.
     Herr, du hilfst Menschen und Tieren.
Wie köstlich ist deine Güte, Gott,
dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben!
     Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses,
     und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom.
Denn bei dir ist die Quelle des Lebens,
und in deinem Lichte sehen wir das Licht.
     Amen


Gebet

Gott, du bist uns nahe, das verbindet uns,
so vereinzelt wir gerade leben müssen.
Wir danken dir für den Tag;
wir danken, dass wir Sonntag feiern können.
Dein Wort wollen wir hören, in unruhiger Zeit,
dein Wort für uns, dein Wort für die Welt,
damit wir getröstet und ermutigt werden.
Wecke unser Ohr und öffne unser Herz,
heute und jeden Tag,
     Amen


Lied: EG 11,1-2.5-6

1. Wie soll ich dich empfangen und wie begegn‘ ich dir,
    o aller Welt Verlangen, o meiner Seelen Zier?
    O Jesu, Jesu, setze mir selbst die Fackel bei,
    damit, was dich ergötze, mir kund und wissend sei.

2. Dein Zion streut dir Palmen und grüne Zweige hin,
    und ich will dir in Psalmen  ermuntern meinen Sinn.
    Mein Herze soll dir grünen in stetem Lob und Preis
    und deinem Namen dienen, so gut es kann und weiß.

5. Nichts, nichts hat dich getrieben zu mir vom Himmelszelt
    als das geliebte Lieben, damit du alle Welt
    in ihren tausend Plagen und großen Jammerlast,
    die kein Mund kann aussagen, so fest umfangen hast.

6. Das schreib dir in dein Herze, du hochbetrübtes Heer,
    bei denen Gram und Schmerze sich häuft je mehr und mehr;
    seid unverzagt, ihr habet die Hilfe vor der Tür;
    der eure Herzen labet und tröstet, steht allhier.

 

Ansprache zu Joh 12,15

Fürchte dich nicht!
Das, liebe Gemeinde, ist der Satz des Tages. Der Satz dieser Woche, der Satz von Ostern und von Weihnachten.
Das ist der Satz, mit dem der Evangelist Johannes Jesus in Jerusalem einziehen lässt:
„Fürchte dich nicht, Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfohlen.“ (Joh 12,15)
Vielleicht stutzt der eine oder die andere von Ihnen – hieß das nicht anders? Freue dich, Tochter Zion!? Ja, so heißt es (Sach 9) – und ich bin sicher, dass die Veränderung Absicht ist. Und dass wir aber das „Freue dich“ mithören sollen. Weil es zusammenhängt: der König, Gott, der kommt, – Jesus, der einzieht, – die Freude, – das Nichtfürchten.
Jesus kommt – und durch sein Leben und Sterben wissen wir: Gott ist da. Immer, auch in schlimmen Zeiten, sogar in tiefster Einsamkeit, sogar im Tod.
Und darum sollen wir uns nicht fürchten.
Und darum können wir uns freuen.
Fürchte dich nicht – Gott ist da.
Das ist die große Ermutigung an uns, für unser Leben – das ganze.
Das ist die Antwort auf die Fragen, die in jedem Leben kommen, auf die Zweifel. Es ist die Antwort auf die Unsicherheit auch in unseren Tagen, in denen wir so wenig wissen, wie es morgen sein wird oder nächste Woche: Fürchte dich nicht. Du bist begleitet. Im Tun, im Lassen.
Das ist die Ermutigung, die zugleich ein Versprechen ist: denn sie ist ja von Gott gesagt.
Fürchte dich nicht – das steht am Beginn einer Woche, an deren Ende damals viel zu ertragen war. Enttäuschung, Einsamkeit, Schmerz, Tod – und womöglich war das eben dadurch zu ertragen: Fürchte dich nicht, Gott ist bei dir. Und es ist der Ruf, der dann am Ostermorgen das neue Leben begrüßen lässt, die kaum fassbare Freude über das Leben.
Für viele sind diese Tage schwer – und für viele auch seltsam doppelgesichtig: Wir sehen Bilder aus Kranken-häusern in Italien und haben Angst davor, wie es hier womöglich noch wird. Wir sehen, wie schlecht es Menschen geht, wegen Corona, wegen Krieg und Flucht. Und gleichzeitig blüht die Natur auf, erfüllt uns Freude über Frische und Farbe, Himmel und Sonne. Kinder haben Angst um ihre Großeltern, vermissen wie vielleicht noch nie in ihrem Leben die Schule mit den Freundinnen, – und gleichzeitig ist für manche von ihnen der Alltag entspannter und sie haben so viel Zeit mit der Familie wie sonst selten. Wir merken, wie gut wir vernetzt sind, wie viele Möglich-keiten der Kommunikation wir haben – und spüren gleich-zeitig, wie sehr wir die Nähe und die wirkliche Begegnung mit anderen brauchen.
Stille Woche, so heißt die Woche, die heute beginnt. Dazu sind wir dieses Jahr genötigt in der starken Spannung zwischen Sehnsucht und Einsicht.
Da ist die Ermutigung vielleicht ganz besonders gleichzeitig die Verheißung: Fürchte dich nicht!
Vorhin haben wir in dem Adventslied zum Empfang Jesu gesungen: Wir haben gesungen von der Liebe mit der der, den wir heute empfangen, „alle Welt mit ihren tausend Plagen und großen Jammerlast ... so fest umfangen hat“.
Das ist so. Wir sind fest umarmt; mit allem.
Darum fürchten wir uns nicht.
Darum hören wir –
vielleicht etwas stiller in diesem Jahr, aber trotzdem:
„Freue dich!“
Amen


Musik


Fürbitten und Vaterunser

Barmherziger Gott,
wir bringen unsere Freude vor dich, unsere Sorgen,
unsere Traurigkeiten und vertrauen darauf, dass wir so nicht allein sind damit, dass alles bei dir aufgehoben ist.
Wir bitten dich für die, die müde geworden sind
von ihren Anstrengungen und Mühen,
deren Leben schwer geworden ist ---.
Gib ihnen neue Zuversicht – und uns hilf, das gute Wort für sie zu sagen.
Wir bitten dich für Menschen, die um einen anderen trauern, die sich um Familienangehörige, Freunde, sich selbst Sorgen machen und nicht weiter wissen ---.
Lass sie neuen Mut fassen – und uns lehre, ein hörendes Ohr für sie zu haben.
Wir bitten für die Menschen, die Hunger haben oder kein Dach über dem Kopf, die Gewalt und Krieg ertragen ---.
Gib ihnen Hoffnung und Kraft für Veränderungen,
und uns lass sie hören, auch wenn sie aus den täglichen Nachrichten verschwinden.
Wir bitten für alle, die in diesen Tagen besonders für andere da sind und unserer Gesellschaft dienen ---.
Gib ihnen genügend Ruhe und ein frohes Herz – und uns hilf zur nötigen Geduld und Dank für einander.
Wir bitten für die Männer und Frauen, die die Geschicke unserer Stadt, unseres Landes lenken ---.
Gib Klarheit in ihre Gedanken und Mut zu den richtigen Entscheidungen – und uns lass auf die leisen Töne hören und nach deinem Recht fragen.
Mit den Worten, die Jesus uns gelehrt hat, bitten wir:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name; dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern; und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit,
Amen


Lied: EG+ 10

1. In einer fernen Zeit gehst du nach Golgatha,
    erduldest Einsamkeit, sagst selbst zum Sterben ja.

2. Du weißt, was Leiden ist. Du weißt, was Schmerzen sind,
    der du mein Bruder bist, ein Mensch und Gottes Kind.

3. Verlassen ganz und gar von Menschen und von Gott,
    bringst du dein Leben dar und stirbst den Kreuzestod.

4. Stirbst draußen vor dem Tor, stirbst mitten in der Welt.
    Im Leiden lebst du vor, was wirklich trägt und hält.

5. Erstehe neu in mir. Erstehe jeden Tag.
    Erhalte mich bei dir, was immer kommen mag.
   ||:Amen, Amen, Amen:||


Segen


Orgelmusik

 


An dem Hör-Gottesdienst wirkten mit:
- Pfarrerin Dr. Anna Karena Müller
- Bezirkskantor Nils Kuppe (Klavier)
- Anne, Salome und Jakob Kuppe (Gesang)
- Nils Hahmann (Tonaufnahme)


Kontakt:

Pfrin. Dr. Anna Karena Müller
Mail: mueller@remove-this.elisabethkirche.de