Gedanken zu Wesentlichem: Was der Glaube in Coronazeiten bewegt

Der Glaube an Christus als den Grund des Vertrauens ist angefochten in der Krise. Fotomontage: Bernhard Dietrich

Der Glaube an Christus als den Grund des Vertrauens ist angefochten in der Krise. Fotomontage: Bernhard Dietrich

Zur Bedeutung des christlichen Glaubens in Coronazeiten möchte Pfr. Bernhard Dietrich seine Überlegungen mit Ihnen teilen und mit Ihnen ins Gespräch kommen. Am Ende des Artikels finden Sie Möglichkeit einen Kommentar einzutragen, auf den wiederum andere antworten und reagieren können.

Was der Glaube in Coronazeiten bewegt?

Gar nichts! Sagen sie? Jedenfalls nichts Gutes, vermuten Sie? Ok, ich weiß, viele sehen das so und glauben, die Kirche sei für die moderne Welt irrelevant geworden oder gar schädlich.

Schädlich, wenn sie auf das verhängnisvolle Wirken strenger Evangelikaler im US Wahlkampf schauen, wo sie dazu beitragen, dass die christlichen Werte, wie Wahrhaftigkeit, Nächsten- und Fremdenliebe mit Füßen getreten werden oder gar wie die Pandemie zur fürchterlichen Strafe Gottes hochstilisiert wird, der man sich sowie so nicht entziehen könne.

Irrelevant, weil sie denken, die Kirche, der Glaube habe es aus lauter Kraftlosigkeit nicht geschafft, all die in Krisenzeiten immer auftauchenden Coronaleugner und Verschwörungstheoretiker*innen einzuhegen und zu befrieden.

Ist er das also, der Glaube: schädlich oder irrelevant?

Nein. Nicht für mich. Mich bewegt der Glaube gerade und ganz besonders in Coronazeiten.

Wie? Er beflügelt mich. Zu Vertrauen, Zu neuer Kreativität. Zur Lust auf vernünftiges, wissenschaftliches Denken. Zu offen Augen für mein Gegenüber, das ich vorläufig nur mit meiner Maske schützen kann und mit meinem in Nächstenliebe bewahrten Abstand.

Aber – fragen sie jetzt – wie kann der Glaube das alles bewirken?

Vielleicht so: Der Glaube beflügelt mich zu vertrauen, weil er mir festen Grund gibt, auf dem ich stehen kann. Durch Christus lerne ich Gott als den Grund des Dasein „sehen“, als Liebe, die sich mir in Liebe zuwendet. Das befreit und beflügelt. Ich bin gewollt, ich bin geliebt, ich beginne zu vertrauen.

Vielleicht so: Der Glaube befreit zu neuer Kreativität. Die Angst kann zurückstehen und die Herausforderungen der Krise bringen Ideen und vorher ungedachte Lösungen hervor. Unsere Gottesdienste wanderten ins Netz, Gaben und Möglichkeiten in der Gemeinde wurden entdeckt, Audiogottesdienste, Videos, Hybridgottesdienste, im Netz und vor Ort, ein Ermutigungs-Newsletter jede Woche. Ein Gottesdienst to Go, zum Abholen und Versenden. Eine ganze Wolke voller Kreativität hat der Glaube in diesen Tagen hervorgebracht.

Vielleicht auch so: Der Glaube befreit zur Vernunft. Diese Wirkung ist vielleicht nicht auf den ersten Blick nachvollziehbar. Aber wenn der Glaube das Vertrauen in Gott ist, der der Grund des Daseins ist, dann bedeutet das auch, dass Gott der Grund und der Geber der Vernunft ist. Lust an vernünftigem wissenschaftlichem Denken ist dann einfach die Lust an diesen Gaben. Wenn nach der biblischen Urerzählung, der Mensch den Auftrag bekommt, die Erde zu bebauen und bewahren, dann geht das nicht, ohne in jeder Hinsicht mit Lust und Freude die Gabe der Vernunft in Gebrauch zu nehmen. Und die Vernunft untersucht, stellt Thesen auf, macht Versuche, irrt sich in dem einen Punkt und versucht es erneut - bis ein Bild der Wirklichkeit, in diesem Fall des Virus und seiner Wirkweise, entsteht, das nachvollziehbar ist. Das ist es, was die Virologen, Mediziner und Wissenschaftler zur Zeit für uns tun. Gott sei Dank.

Und sicher auch so: Der Glaube stärkt die Nächstenliebe in der Krise. Er bewirkt, dass ich die Maske aufsetzte, nicht um mich zu schützen, das muss ja der oder die Andere tun, sondern dass ich gerne und in Nächstenliebe die Anderen schütze. Denn sie alle sind meine Menschenbrüder und -schwestern auch und gerade, wenn sie fremd oder anders aussehen.

Das alles bewirkt der Glaube in der Coronakrise und nicht nur da.

Wie, sie haben bis hierhin gelesen und können es immer noch nicht fassen? „Unmöglich, so geht das nicht, sie haben gut reden, Herr Pfarrer,“ werfen sie ein.

Okay. Dann hören sie wie es geht:

"Ein frommer Jude, erzählt einem anderen: „Unser Rabbi kam einmal an einen Fluss, den er überqueren musste. Aber es gab kein Boot, keine Brücke, nichts. Da nahm unser Rabbi sein Taschentuch, legte es auf das Wasser, stellte sich darauf und gelangte so ans andere Ufer.“  „Unsinn“, sagte der andere, „wie soll das gehen?“ „Nebbich“, so redete er ihn an, „du hörst doch, dass es geht.“

Hören, dass es geht. Hören, wie es geht und dass es geht. „Geh hin“, sagt Jesus zu vielen Menschen immer wieder, „dein Glaube hat dir geholfen“.

Hören auch wir und leben - nicht nur in Zeiten der Krise - aus der Kraft des Glaubens.

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