Sensationeller Fund bei Ausgrabungen östlich der Elisabethkirche

Kürzlich entdeckter Steinbau östlich der Elisabethkirche könnte das ursprüngliche Hospital Elisabeths sein. </br>(Foto: Bernhard Dietrich)

Äußerst überrascht waren die Archäologen, die seit 2006 auf dem Gelände rund um die Elisabethkirche graben, als im September diesen Jahres plötzlich die Mauern eines großen Steingebäudes östlich der Kirche zum Vorschein traten. Dieses Gebäude soll dort schon vor der Errichtung der Kirche gestanden haben. Als "gänzlich unerwartet" bezeichnet Bezirksarchäologin Dr. Christa Maiborg den Fund.

"Das Steingebäude stand ursprünglich nur wenige Meter entfernt, im annährend rechten Winkel zur ersten Hospitalkirche. Der Bau konnte trotz vieler Leitungsstörungen bisher an drei Seiten erfasst werden. Das Gebäude hat eine Breite von neun Metern, die Länge betrug mindestens 17 Meter. Die massiven Steinmauern sind einen Meter breit und zeigen zwei nebeneinander liegende Eingänge an der Westseite. Das Gebäude war im Inneren weiß verputzt und ursprünglich mit Schiefer bedeckt.", so Dr. Maiborg.

Bisher ging man davon aus, dass das 1228 von Elisabeth gegründete Hospital in der Kapelle integriert war, in der die Landgräfin und spätere Heilige 1233 zunächst bestattet wurde und über der dann ab 1235 die Elisabethkirche erbaut wurde.

Der jüngste Fund könnte diese Theorie nun auf den Kopf stellen: "Möglicherweise handelt es sich hierbei um den eigentlichen Hospitalbau, in dem Kranke und Alte gepflegt wurden.", erklärte Dr. Maiborg. Damit würde sich auch das gängige Bild der Marburger Hospitalanlage verändern: Elisabeth ließ nicht nur eine steinerne Kapelle samt Hospital errichten, sondern eine steinerne Kapelle und ein steinernes Hospitalgebäude. Es wäre also weitaus mehr Aufwand für den Bau der Hospitalanlage getätigt worden als bislang angenommen.

Endgültige Gewissheit gibt es aber frühestens im nächsten Jahr. Denn der Ostabschluss des Gebäudes liegt in der Grabungsfläche auf dem Firmaneiplatz. Und der ist erst 2012 dran. "Finden wir eine Apsis, also Altarnische als Gebäudeabschluss, können wir sicher sein, dass es sich tatsächlich um das ursprüngliche Hospital Elisabeths handelt.", erläuterte Dr. Maiborg. Finde sich nur eine 'normale' Wand im Osten des Gebäudes, könne man eher auf ein Wohnhaus, z.B. für die Bediensteten des Hospitals, schließen.

Die massiven, ein Meter dicken Steinmauern bezeugen, dass der Hospitalbau auf lange Zeit angelegt war. Elisabeth konnte beim Bau nicht ahnen, dass die von ihr errichteten Gebäude nach nur wenigen Jahren wieder abgerissen würden: Sie mussten nach und nach der Kirche über ihrem Grab weichen, an das die Pilger aus halb Europa strömten.