Matthäus-Passion fasziniert das Publikum

Foto: Christian Lademann

Gleich zweimal ist die Matthäus-Passion (BWV 244) von Johann Sebastian Bach (1685-1750) am Wochenende zum Passionssonntag in der Elisabethkirche aufgeführt worden (6. und 7. April). Gleich zweimal hat das monumentale Musikwerk, welches die Leidensgeschichte Christi auf äußerst dramatische und kompositorisch-kunstvolle Weise widergibt, das Publikum fasziniert.

Den aufführenden Gesangssolisten, der Kantorei der Elisabethkirche, dem Marburger Kinderchor, dem Ensemble „Solamente Naturali“ sowie den Gesangssolisten unter der Gesamtleitung von Nils Kuppe ist es nämlich gelungen, die Zuhörer tief in das biblische Geschehen hineinzuziehen. Schon beim doppelchörigen Eingangsgschor („Kommt, ihr Töchter, helft mir klagen“/“Wen?/Wie?/Was?“) mit dem durch die Reihen des Mittelschiffs herbeischreitenden dritten Chor, dem das eingewobene Passionslied „O Lamm Gottes unschuldig“ anstimmenden Kinderchor, gelingt dies bereits sehr deutlich – räumlich wie szenisch-ergreifend einnehmend.

Zwar hält auch Bach an der biblischen Evangelienerzählung fest, die einerseits vor allem wunderbar intonierend und stimmlich ausdauernd vom Dresdner Tenor Leonhard Reso als Evangelisten, aber auch durch die sonoren Christusworte von Bariton Tom Amir (als Ersatz für den angekündigten Anselm Richter) und von Michael Roman (Bass) als Stimme des Judas, Petrus, Hohepriesters oder Pilatus in den oft schmuckvollen Rezitativen sowie die charaktervollen Chöre (Volk, Hohepriester) entsprechend der Passionsgeschichte vom Abendmahl, dem Gebet in Gethsemane, dem Verrat und der Gefangennahme (1. Teil), die Verhöre, der Kreuzigung und der Grablegung (2. Teil) berichtet. Bachs Oratorienpassion wird aber eben auch zu eben dieser, durch die Bereicherung durch lyrische wie meditative Choräle und Arien, deren Texte unter anderem von Picander oder Paul Gerhardt stammen. Einen besonderen Stellenwert nimmt etwa der leitmotivische Choral „O Haupt voll Blut und Wunden“ ein, dessen Strophen in fünf verschiedenen Tonarten und ebenso unterschiedlichem Charakter – beispielsweise „Erkenne mich, mein Hüter“ (Teil 1/21) oder „Ich will hier bei dir stehen“ (Teil 1/23) von der Kantorei und dem auf historischen Instrumenten musizierenden, begleitenden Ensemble eindringlich und berührend vorgetragen werden.

Bemerkenswert stechen auch einige Arien hervor: Etwa wenn die sehr emotional vortragende Ina Siedlaczek (Sopran) bei „Ich will dir mein Herze schenken“ im mit zwei Oboen d’amour in einer Art Zwiegesang aufblüht. Oder wenn Altus Michael Lieb im lyrisch-elegischen „Buß und Reu“ eine fromme Jüngerin mimt. Beeindruckend erschallt auch wieder der Chor, wenn „Sind Blitze, sind Donner in Wolken verschwunden“ oder das laute „Barrabam!“ des aufgebrachten Volkes sehr naturalistisch wirken oder die Rufe „Lass ihn kreuzigen!“ sich kanonartig verschachtelt zu einem unfassbar wuchtigen Wortgemenge aufbäumen.

Diese Aufführung des insgesamt gut dreistündigen Passionsdramas hatte sicherlich seine besonders ergreifende Wirkung auf die Zuhörer entfalten können. Ein großer Applaus für die Leistung aller Beteiligten!

Foto: Christian Lademann

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