Schüler gestalten ökumenischen Gottesdienst am Elisabethtag

Innehalten im Botanischen Garten (Foto: Christian Lademann)

Foto: Christian Lademann

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Mit einem ökumenischen Gottesdienst am Elisabethtag erinnerten und appellierten Abiturientinnen und Abiturienten der Marburger Elisabethschule an die Menschlichkeit – so wie es die Namensgeberin ihrer Schule vor rund 800 Jahren vorgelebt hatte.

„Barmherzigkeit! Mitleid! Nächstenliebe! Menschlichkeit!“, erschallte es am Namenstag der heiligen Elisabeth mahnend aus verschiedenen Ecken der katholischen Kirche St. Peter und Paul. Für all diese Tugenden steht Elisabeth von Thüringen (1207-1231), die vor rund 800 Jahren ein aufopferungsvolles Leben zugunsten anderer, hilfsbedürftiger Mitmenschen führte. Doch wie steht es um die Menschlichkeit in unserer heutigen Gesellschaft? Unter dem diesjährigen, gesellschaftskritischen Motto „Menschlich – wenn‘s passt...“ feierten drei Religionskurse des Abiturjahrgangs (Q3) der Elisabethschule Marburg einen von ihnen gestalteten ökumenischen Gottesdienst zusammen mit Gläubigen der katholischen Gemeinde St. Peter und Paul sowie der evangelischen Elisabethkirchengemeinde zu Ehren der heiligen Elisabeth – und das zum nunmehr siebten Mal in Folge. Mit zum Nachdenken anregenden Worten und Texten, Versen und Lesungen, Gebeten und Predigten, Liedern und Instrumentalstücken hatten die etwa 50 Schülerinnen und Schüler ein Programm zusammengestellt, das erneut auf einen zweiteiligen Gottesdienst hinauslief – zunächst in der Kirche St. Peter und Paul, und nach einem Fußmarsch im Lichterschein in der Elisabethkirche.

Gleich zum Auftakt bohrten die Schüler Fragen ins Gewissen der knapp 200 Gottesdienstbesucher, wie es denn um die eigene Menschlichkeit steht: Bleibt ihr auch lieber sitzen, anstatt den Platz für Alte oder Blinde frei zu machen? Oder: Schaut ihr auch lieber weg, wenn eine Gruppe auf einen Einzelnen einschlägt? Bequemlichkeit, Desinteresse oder die Meinung, ein anderer werde es schon richten, so die Beobachtung der Schüler, verleiten in der heutigen Gesellschaft oft und gerne zum Wegschauen.

Zeit darüber ein wenig zu Sinnieren gab der Fußweg zur Elisabethkirche, bei dem die Teilnehmer neonfarbene Knicklichter trugen und der durch den am Wegesrand im Kerzenlicht schummernden Botanischen Garten führte. Denn an zwei Stationen zum Innehalten lauschten die Besucher den von Schülerinnen zitierten Aphorismen zu den Themen Menschlichkeit und Menschsein. Etwa denen des Dichters Peter Hille (1854-1904): „Der Mensch weist gar viele Fertigkeiten auf. Darin aber hat er's am weitesten gebracht: in der Kunst, möglichst wenig Mensch zu sein.“ Oder des Philosophen Immanuel Kant (1724-1804): „Die höchste Aufgabe des Menschen ist zu wissen, was einer sein muss, um ein Mensch zu sein.“ Oder des russischen Dichters Boris Pasternak (1890-1960): „Durch jede Liebe wird man ein bisschen menschlicher, egal wie sie verläuft.“ Oder des Theologen und Arztes Albert Schweitzer (1897-1965): „Was ein Mensch an Gutem in die Welt hinausgibt, geht nicht verloren.“

In zwei Predigten vertieften die vortragenden Schülerinnen ihre Gedanken zu dem, was es heißt, Mensch zu sein, und wie sich die Nächstenliebe oder ehrliche Dankbarkeit äußert und äußern kann. Und wieder keimten Fragen auf: Wie kann man helfen, wie weit sollte Nächstenliebe gehen? Reicht reines Mitgefühl? Reicht eine Spende? Und wenn ja, mache man dies für sein eigenes gutes Gewissen oder aus ehrlichem Interesse? Oder sollte man es mit der Nächstenliebe gar so weit wie Elisabeth von Thüringen treiben, die ihr Leben schließlich ganz den Anderen schenkte und sich dies zur Lebensaufgabe machte?

„Was heißt Menschlichkeit für Sie, wie weit würden Sie gehen?“, fragte daraufhin die predigende Schülerin die Gemeinde.

Das Fazit der zweiten Predigt lautete: „Wenn man es geschafft hat, wenn sich die Dankbarkeit in Nächstenliebe verwandelt und man anderen Menschen Freude oder Halt bietet, dann hat man das mit der Dankbarkeit richtig gemacht.“ Nächstenliebe und „menschlich sein“ sei viel einfach, als man denkt!

 

Den ökumenischen Gottesdienst haben die Schülerinnen und Schüler der evangelischen und katholischen Religionskurse (Lehrerinnen Pfrin. Dr. Anna-Karena Müller, Ute Trautwein und Silke Malkus) an einem Projekttag erarbeitet. Auch Schüler des Ethik-Kurses hatten sich mit einem Stand vor der Elisabethkirche beteiligt.

Die Begrüßung übernahm Pfarrer Klaus Nentwich (St. Peter und Paul), die Danksagung Pfarrerin Anna-Karena Müller (Elisabethkirche).

Musikalisch wurde der Gottesdienst von einem Mitschüler (Gitarre) sowie von Raphael Greim (Orgel, E-Piano) begleitet.

Die Kollekte geht vollständig an das St. Elisabeth-Hospiz Marburg e.V..