Gottesdienst zum Nachhören und -lesen zum 10. Sonntag nach Trinitatis, 16.8.2020

Gewölbe im Mittelschiff der Elisabethkirche. Blick zurück. Gott vergisst Israel nicht als die Erstberufene. Nur gemeinsam mit Israel können wir in der Nachfolge bestehen. Foto: Bernhard Dietrich

Wir feiern den Gottesdienst zum 10. Sonntag nach Trinitatis (16. August), dem Israelsonntag, mit Pfarrerin Anna Scholz in der Elisabethkirche mit corona-bedingt begrenzter Besucherzahl. Für diejenigen, die (deshalb) nicht persönlich anwesend sein konnten, haben wir hier einen Gottesdienst zum Nachhören (Audio) und zum Nachlesen mit den Lied-, Lesungs- und Predigttexten vorbereitet.

Gottesdienst zum 10. Sonntag nach Trinitatis (Israelsonntag) aus der Elisabethkirche: In ihrer Predigt geht Pfarrerin Anna Scholz auf das 12. Kapitel des Markus-Evangeliums (Die Frage nach dem höchsten Gebot - MK 12, 28-34) ein.

Sie sind jetzt nun eingeladen, die Texte dieses Gottesdienstes zu lesen. Suchen SIe sich zuvor einen stillen Ort. Machen Sie es sich bequem. Vielleicht zünden Sie eine Kerze an. Singen, lesen, hören und beten Sie mit. Wir wünschen Ihnen Gottes Segen.

(Lese-)Gottesdienst zum 10. Sonntag nach Trinitatis
16. August 2020

mit Pfarrerin Anna Scholz

[Text- und Liedblatt als PDF-Download hier klicken]

Glocken

Orgel

Lied: EG+34 Komm, heilger Geist

Begrüßung

Friede sei mit Euch
Herzlich willkommen zum Gottesdienst heute am Israelsonntag.
Wir feiern diesen Gottesdienst in Verbundenheit mit unseren jüdischen Schwestern und Brüdern. Unser Jesus war selbst Jude. Unser Glaube kommt aus der jüdischen Religion.
Wir gehören zusammen.

Hört Worte aus Psalm 121

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.
     Woher kommt mir Hilfe?
Meine Hilfe kommt vom Herrn,
     der Himmel und Erde gemacht hat.
Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen,
und der dich behütet, schläft nicht.
     Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht.

Der Herr behütet dich;
     der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand,
dass dich des Tages die Sonne nicht steche
     noch der Mond des Nachts.
Der Herr behüte dich vor allem Übel,
     er behüte deine Seele.
Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang
     von nun an bis in Ewigkeit!


Gebet

Guter Gott,
Du Hüter Israels
Und auch unser Gott
Du schläfst und schlummerst nicht
Auch wenn wir dich nicht sehen
Und auch nicht immer spüren
Trotzdem bist Du da
Hilfe und Kraft
Behüte uns
Stärk uns
Lass unsere Füße nicht gleiten
Sei uns nah
Das bitten wir durch Jesus unseren Bruder, deinen Sohn
und den heiligen Geist, die Kraft, die uns verbindet
Heute und an allen Tagen.
Amen.

Lied: EG +112 Wir haben Gottes Spuren festgestellt

Die Sonne scheint heiß vom Himmel. Staub liegt in der Luft, aufgewirbelt von Sandalen im heißen Sand. Erhitzt sind auch die Gemüter. Unter einer schattigen Akazie sitzen sie zusammen. Jesus und die anderen. Schriftgelehrte. Es geht heiß her. Sie diskutieren. Über den Kern des Glaubens, über das, was das Leben trägt.


Predigt/Ansprache (Markus 12, 28-34)

28 Und es trat zu ihm einer der Schriftgelehrten, der ihnen zugehört hatte, wie sie miteinander stritten. Als er sah, dass er ihnen gut geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches ist das höchste Gebot von allen? 29 Jesus antwortete: Das höchste Gebot ist das: »Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, 30 und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft« (5. Mose 6,4-5). 31 Das andre ist dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (3. Mose 19,18). Es ist kein anderes Gebot größer als diese. 32 Und der Schriftgelehrte sprach zu ihm: Ja, Meister, du hast recht geredet! Er ist einer, und ist kein anderer außer ihm; 33 und ihn lieben von ganzem Herzen, von ganzem Gemüt und mit aller Kraft, und seinen Nächsten lieben wie sich selbst, das ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer. 34 Da Jesus sah, dass er verständig antwortete, sprach er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und niemand wagte mehr, ihn zu fragen.

Und es wagte niemand mehr, ihn zu fragen.
Wie geht das mit dem Lieben, Jesus?
Anscheinend gar nicht so leicht.
Vor Synagogen stehen Wachleute
Auch in unserer Stadt
Stolpersteine werden bekritzelt
Jüdische Familienfeiern brauchen Polizeischutz
Manche Menschen trauen sich nicht, ihren Nachbarn zu sagen,
dass sie Juden sind.
Wie geht das mit dem Lieben, Jesus?

Jüdische Friedhöfe werden beschädigt.
Grabsteine umgetreten.
Als in München eine neue Synagoge gebaut wurde, vor einiger Zeit, da hatten Neonazis einen Bombenanschlag geplant.
In Halle sind Schüsse gefallen auf Menschen, die friedlich versammelt waren zum Gebet.
Und auch unsere Kirche und unsere christliche Tradition sind nicht frei von antijüdischen Gedanken.
Von Abgrenzung
Verfolgung.
Hass.

Wie geht das mit dem Lieben, Jesus?
Anscheinend gar nicht so leicht.

Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, 30 und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft« (5. Mose 6,4-5). 31 Das andre ist dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (3. Mose 19,18). Es ist kein anderes Gebot größer als diese.

Du sagst das. Und schaust auf. Und es wagte niemand mehr, zu fragen.

Wie geht das mit dem Lieben, Jesus?

Vielleicht sagst du, es geht so:

Nicht verzweifeln, an dem Elend in der Welt.
Aber auch nicht einfach dran vorbeischauen.
Laut sagen, wenn du ein Unrecht bemerkst.
Anderen Menschen offen ins Gesicht schauen.
Nicht drauf gucken, was am anderen anders ist.
Dich freuen, dass Menschen verschieden sind,
in ihren Gedanken, in ihrem Aussehen, in ihren Gefühlen.

In dem, was sie tun, was sie glauben, was sie sagen.
Streiten, wenn es nötig ist.
Dich wieder versöhnen.
Deine Sorgen auf Gott werfen, wenn sie zu schwer sind.
Und zugleich wissen:
Du hast dir diesen Gott nur geliehen.
Er war nicht für dich bestimmt:
Christin.
Deutsche.
Enkelin von denen, die ihn auslöschen wollten.
JHWH ist sein Name.
Er ist Feuer.
Er ist Atem.
Er ist aus Dornen und aus verschenktem Brot.
Der Eine.

Wie geht das mit dem Lieben, Jesus?

Vielleicht sagst Du, es geht so:

Zuhören.
Was sagt dein Herz, was sagt dein Verstand?
Nicht zu schnell urteilen.
Alle Seiten verstehen und trotzdem Position beziehen.

Nicht immer einverstanden sein.
Und trotzdem weitermachen.
Wunden heilen.
Gefühle zeigen.
Dir selbst trauen, aber auch anderen.
Stolpersteine putzen.
Die Erinnerung wachhalten.
Nicht zulassen, dass die Geschichte verdreht wird und
neuer Hass wächst.

Und es wagen, zu fragen:
Wie geht das mit dem Lieben?

Und es machen.
Wie du es uns gezeigt hast, Jesus.
Jesus, der Jude.
Der seinen Gott mit uns geteilt hat.
Der Eine.
Aus Atem, aus Feuer, aus Dornen und verschenktem Brot.
Ein Gott aus Liebe.
Für uns alle.
Amen.

Lied: EG 401 1-2, 4-5 Liebe, die du mich zum Bilde

Wir beten.
Gott, wir bitten dich heute besonders für unsere jüdischen Freundinnen und Freunde.
Hilf, dass wir im Frieden zusammenleben.
Dass wir wissen, wir sind verbunden.
Dass wir aufstehen gegen Ausgrenzung und Verfolgung.

Gott, wir bitten für alle, die zum Opfer geworden sind, wegen ihres Glaubens, ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft.
Hilf uns, an ihrer Seite zu sein.
Dem Unrecht keinen Raum zu geben.
Hilf uns, zu lieben.

Gott, wir denken an alle Menschen,
die auf der Flucht sind.
Die festsitzen in Lagern.
Die leiden unter Terror und Gewalt.
Wir denken an die Menschen im Libanon.
Wir denken an die Menschen in Moria.
Und an all den anderen Orten, wo
Chaos und Schrecken herrschen.

Wir bitten auch für alle,
in deren Herzen Hass und Dunkelheit sind.
Die gewalttätig sind.
Die anderen schaden.
Hilf ihnen, innezuhalten.
Ihr Gewissen zu spüren.
Umzukehren.

Stille.

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name
Dein Reich komme
Dein Wille geschehe
Wie im Himmel,
so auf Erden
unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern
und führe uns nicht in Versuchung
sondern erlöse uns von dem Bösen
denn dein ist das Reich
und die Kraft
und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.

Lied: EG 613 Freunde, dass der Mandelzweig

Segen
Gott segne dich und behüte dich
Er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Er erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden.
Amen.

 


Liturgie und Ansprache: Pfrin. Anna Scholz

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