Die Glocken der Elisabethkirche


Glockengeläute der Elisabethkirche abspielen
Photoarchiv LfDH, Marburg

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Links, Ansicht des Glockenstuhls der Marburger Elisabethkirche vor 1946. Die Marienglocke hängt am geraden Holzjoch, das noch für den Handbetrieb eingerichtet ist.


Läuteordnung

Über mittelalterliche Läutebräuche ist wenig bekannt. Nach dem 2. Weltkrieg hat der Kirchenvorstand das Tagesgeläute wieder eingeführt und vorläufig neu geregelt. Diese Läuteordnung wurde vor kurzem neu überarbeitet.



Glockengeläut seit 1280

700 Jahre Glockengeschichte in den Türmen der Kirche der heiligen Elisabeth

Seit 1965 hat die Elisabethkirche wieder ein Großgeläute von neun Glocken, wie es im 16. und 17. Jahrhundert schon einmal vorhanden war. Vier Glocken - zuletzt 1917 und 1965 - sind seitdem verloren gegangen: gesprungen oder im Krieg eingeschmolzen. Die Klangfolge war unharmonisch unterbrochen, bis sie 1965/66 endlich vervollständigt wurde mit vier Glocken aus der traditionsreichen Glockengießerei Rincker, die in Sinn im Lahn-Dill-Kreis ansässig ist.

Neben diesen neuen Glocken läuten in der Elisabethkirche fünf alte Glocken aus vorreformatorischer Zeit. Die Spannweite zwischen ältester (1280) und jüngster (1966) Glocke umfaßt also beinahe 700 Jahre. Das Elisabethgeläute gilt als ein Beispiel für eine gelungene Integrierung moderner Glocken in ein altes Geläut.

Die Marienglocke im Südturm ist älter als die Doppelturmfassade selbst: sie wurde um 1280 gegossen und erklang - in einer vorläufigen Aufhängung im Turmstumpf - möglicherweise schon zur Weihe der Elisabethkirche 1283; 1965 gesprungen und geschweißt, ist die Marienglocke bis heute an jedem Sonntag zu hören. 1996 allerdings wurde sie aus dem sonntäglichen Geläut herausgenommen, weil ihre gekröpfte Aufhängung möglicherweise zu weiteren Schäden in der Krone hätte führen können. 1998 wurde dann das gekröpfte Metalljoch durch ein ungekröpftes Holzjoch ersetzt. Damit erklingt sie nun wieder ungefährdeter und in neuer Reinheit.

Ebenfalls im Südturm hängt die größte Glocke der Elisabethkirche, die Elisabethglocke; um 1330 gegossen, wurde sie in den noch unfertigen Turm gehoben, den sie seitdem nie verlassen hat. Die Elisabethglocke wird nur - und dies ist in einer Läuteordnung genau festgelegt - an besonderen Tagen geläutet; ihr Klang ist charakteristisch und tief anrührend.
Die Glocken erinnern uns an das, was vergessen zu werden droht,
an das wesentliche, an das Hohe, an Gott.

Pablo Kahl


Die Glocken im Einzelnen

Im Südturm

  • Marienglocke, um 1280 gegossen, wiegt 605 kg und erklingt auf h’.

  • Sie trägt folgende gotischen Majuskeln um den Glockenhals:

    M.ALMA VIRGO VIRGINUM INTERCEDAT PRO NOBIS A.DM.
    Maria, die segenspendende Jungfrau aller Jungfrauen, möge sich für uns einsetzen vor Gott

  • Elisabethglocke, Ende 14. Jh. gegossen, wiegt 4000 kg und erklingt auf cis’.

  • Sie trägt folgende etwa 8 cm hohen gotischen Majuskeln um den Glockenhals:

    GRANDO NOCENS ABSIT UBICUMQUE SONUS MEUS ASSIT
    Schädlicher Hagel möge uns verschonen, wo immer meine Stimme erklingt


Im Nordturm

  • Bruder Dietrichglocke, um 1420 gegossen, wiegt 310 kg und erklingt auf dis’’.

  • Sie trägt folgende spätmittelhochdeutsche Inschrift:

    +BRUDER DIThERICh SAL hEyZEN ICh

  • Taufglocke, um 1420 gegossen, wiegt 192 kg und erklingt auf fis’’.
    keine Inschrift

  • Frühglocke, um 1965 gegossen, wiegt 350 kg und erklingt auf cis’’.
    All Morgen ist ganz frisch und neu, des Herren Gnad und große Treu.. EKG 336,1a
    (EG 440, Johannes Zwick 1541)


  • Friedensglocke, um 1965 gegossen, wiegt 770 kg und erklingt auf fis’.
    Der Tag ist seiner Höhe nah, nun blick zum Höchsten auf EKG 351,1a
    (EG 457, Jochen Klepper 1938)


  • Vesperglocke, um 1965 gegossen, wiegt 1100 kg und erklingt auf e’.
    Beschirmer, Herr der Christenheit, dein Hilf sei allzeit uns bereit EKG 353,5a
    (Wittenberg 1526)

  • Vaterunserglocke, um 1966 gegossen, wiegt 491 kg und erklingt auf a’.
    Dein Will gescheh, Herr Gott, zugleich auf Erden wie im Himmelreich EKG 241,4
    (EG 344, Martin Luther 1539)


Im Dachreiter

  • Silberglocke, um 1515 gegossen, wiegt 85 kg und erklingt auf fis’’.

  • Sie trägt folgende Inschrift:

    inhonore sancte elisabeth anno domini XVe XV
    meister hans kortrog von hanberg gois mich


Im Elisabethchor

  • Diese Glocke, welche jetzt unten im Elisabethchor steht, diente bis 1965 im Geläut der Elisabethkirche als "Vater Unser" Glocke (PATERNOSTER), d.h. sie wurde während die Gemeinde das "Vater Unser" betete geläutet, um die Christen, die nicht am Gottesdienst teilnehmen konnten, zum Gebet einzuladen.

    Die am 30.12.1965 gesprungene Glocke wurde 1320 gegossen, wiegt 470 kg und erklingt auf a’. Sie trägt folgende Inschrift:

UM 1320 GOß MAN MICH/ 645 JAHRE LÄUTET ICH/ AM 30.DEZEMBER SPRANG ICH/
AUF A’+ 2 ERKLANG ICH/ 92 CM HÖHE MESS ICH/ 92 cm DURCHMESSER HAB ICH/
470 KILO WIEG ICH/ VERSTUMMT STEH ICH HIER/
DOCH ICH BITT: MENSCHEN VERGESST DAS BETEN NIT.




pfeil_l.gif Elisabethchor [Das Bauwerk] pfeil_r.gif Hoher Chor

Abruf # seit dem 14.05.2001.
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