Die Antependien für den Kreuzaltar

Neben den "alten" Antependien (Altarbehängen) für den Kreuzaltar, die wir Ihnen auf dieser Seite vorstellen werden, möchten wir Sie vor allem zunächst mit den Entwürfen für die neuen Antependien vertraut machen.

Margarethe Keith: Paramentengestaltung für die Elisabethkirche in Marburg

Entwurfserläuterung
Das Kruzifix dominiert den gotischen Lettner. Mich beeindruckt die große Spannung in der Klarheit der Formen. Die Kraft des Kreuzquerbalkens: zwei konvexe Linien treffen sich in der Scheitelmitte - eine viele Zeichen gebende Gebärde. 

Die Achatdruse

Mein Entwurf für die Altarantependien sieht eine Konstante vor, Kristalle aus einer Achatdruse. Das Kristallgebilde befindet sich hinter einer Tuchaussparung, die bei der Altarvorderkante beginnt. Diese ist 15 cm breit (wie der senkrechte Kreuzbalken) und 45 cm lang. Den für das Objekt erforderlichen Raum bietet der Überstand, das Profil des Altarblocks, welcher an dieser Stelle sichtbar bleibt. Das Objekt selbst steht geringfügig vor. Die Haltevorrichtung für den Kristall ist eine Metallkonstruktion. Eine Grundplatte mit einer Stele trägt unverrückbar in entsprechender Höhe das Gebilde. Die Konstruktion wird insgesamt vom Altartuch abgedeckt. Mit dem Kristall verbinde ich Ursprung und Entwicklung, Einmaligkeit und Geheimnis.

Größe und Technik

Die Breiten der Altarantependien sind unterschiedlich: Violett 90 cm, Rot 100 cm, Grün 120 cm, weiß 150 cm (siehe Blatt 5). Die Höhen sind jeweils 100 cm, die Tiefen, wie die Mensa, 143 cm. Die Kanzelantependien sind, dem Pult entsprechend, 40 cm breit und 65-70 cm lang. Material: Leinen in einer Panamabindung (Tuch) Leinen als Stickgarn (Motive) Technik: Näh- und Stickarbeit mit Nonnenstich sowie ein Kristallgebilde aus einer Achatdruse.

Die Farben

Die Farben des Entwurfs sind noch nicht der Elisabethkirche angepasst. Sie berücksichtigen nur die Notwendigkeit eines hohen Farbkontrastes, der besonders für die Fernwirkung wichtig ist.

Violett

Altar: Eine schützende, tröstende, auch Einhalt gebietende Gebärde schafft die Kontur der Kreuzform.  Im Advent, der Passionszeit und zum Buß- und Bettag erscheint das Kreuz abgesenkt.

Kanzel: Das Rankwerk des Kanzelkorbreliefs aufnehmend, wird dieses hervorgehoben, um sich dem  Gesamteindruck wieder einzufügen.

Rot

Altar: Der Querbalken des Kreuzes erscheint jetzt gespiegelt, wird zum Sprechen gebracht. Am Pfingstfest, zur Konfirmation, am Reformationstag und der Kirchweih hat das Wort ein besonderes Gewicht.

Kanzel: Eine standfeste Form ist auf dem Kanzeltuch zu sehen, die Proportionen sind dem Korb angepasst.  

Grün

Altar: der geschwungene Kreuzbalken wird zum Buch, plastisch wiederholt und so vielfältig erscheinend. Die liturgische Farbe Grün liegt am häufigsten und längsten auf. Kenntnis und Verbreitung der Botschaft ist hier das Motiv.

Kanzel: Aufgeschlagene Bücher, hier die vier Evangelien, korrespondieren mit dem Altartuch.

Weiss

Altar: Hauptsächlich zu Weihnachten und Ostern wird die Farbe Weiß zum Zeichen der Geburt, der Erlösung, der Auferstehung und des Versprechens. Der konvexe Kreuzquerbalken wird zur konkaven Willkommensgebärde, mit der Senkrechten die Assoziation "Mensch" bildend. Das Tuch ist besonders breit, der Tisch durch optische Doppelung hervorgehoben. Die Seitenpartien werden entsprechend den Konturen und der Farbe des Altarblocks bestickt.

Kanzel: Eine schlichte gotische Form, dem Kanzelkorb festlich angepasst.

Margarethe Keith, im August 2013.

Herkunft und Beschreibung der Achatdruse

Kristallines Gebilde aus einer Achatdruse hinter dem Altarantependium in der Marburger Elisabethkirche. Das ausgesuchte Exemplar ist Teil einer Achatdruse. Die Druse ist, ganz allgemein, ein mit mehr oder weniger Kristallen ausgekleideter Hohlraum im Gestein.

"Mein" Edelsteinhändler und -Schleifer hat vor etwa 20 Jahren in Brasilien persönlich einen ca. 700kg schweren Achat gekauft. Dieser kam mit dem Schiff bis Rotterdam, per LKW nach Idar- Oberstein und wurde dort geöffnet.

Der feinkörnige, gebänderte Achat ist wegen seiner Zähigkeit und Farben sehr begehrt für alle Formen der Steinschneidekunst.

In durch vulkanische Prozesse im Gestein entstandene Hohlräume sickert stark mineralhaltiges Wasser ein, welches im Laufe der Zeit (mehrere Millionen Jahre) zur Bildung von Kristallen führt.

Das ausgesuchte Stück dieses Achatinneren gleicht in seiner Umform einem Solitär. Der glatte Rücken macht das Objekt zum Relief. Die Situation am Altar der Elisabethkirche wird meiner Vorstellung von einem Raum hinter dem Raum gerecht - wunderbar.