Der Elisabethchor

Heute wird der Elisabethchor oft als Taufkapelle genutzt. Dafür steht ein bronzenes Taufbecken aus dem 20. Jahrhundert vor dem Katharinenaltar neben dem Grab Elisabeths.

Wenn man den Elisabethchor betritt kommt man links am Durchgang  an einer gesprungene Glocke vorbei. Über Jahrhunderte hinweg wurde sie während der Stundengebete der Deutschordensbrüder und während der Gottesdienste beim Vaterunser geläutet.

Im Boden des Chores eingelassen befindet sich die zeitweilige Grablege der Preußenkönige. Sie ruhten hier in der Elisabethkirche in den Jahren von 1946-1951. Darüber an der Wand sind Grabplatten mit schönen Bronzeeinlagen um 1500.

Das Mausoleum

Schräg links über dem Grabe Elisabeths erhebt sich das kostbare Mausoleum in den alten Farben. Die umlaufende lateinische Inschrift preist sie als Gloria Teutoniae. Sie lautet übersetzt:

Deutschlands Ruhm, Edelstein der Tugenden, der Weisheit Quelle, Zierde der Kirche, Blume des Glaubens, Vorbild der Jugend, Mutter der Dürftigen, Heilmittel der Krankheit, Hoffnung der Schuldigen, neige dein Herz zu den Wünschen deiner Diener, Elisabeth, die du regierst im Himmel, nachdem der Jebusiter besiegt, indem du in diesem Mausoleum uns heilst mit deinem heiligen Leibe.

Die Laubwerkfriese enthalten Heilpflanzen als Hinweis auf Elisabeths Wirken an den Kranken.

Das Mausoleum ist ein Baldachin über dem Grab Elisabeths. Er stellt den Himmel dar, in den, wie das Relief zeigt, die Heilige aufgenommen worden ist, als deren irdische Wohnung die Elisabethkirche angesehen wurde.

Bis 1249 stand der Sarg mit den Gebeinen Elisabeths auf der Tumba. Später wurde hier an hohen Festen der goldene Schrein ausgestellt. Über der Brüstung wurden der Schädel Elisabeths in einem Reliquiar und andere Reliquien ausgesetzt.

Das Grab Elisabeths

Das Relief unten am Sarg zeigt: Christus, Maria und Heilige samt Landgraf Konrad, dem Erbauer der Kirche (im Deutschordenskleid), und die geringsten Brüder Christi (Geisteskranker an Kette, Bettlerin und Krüppel) umgeben die Bahre, während ein Engel Elisabeths Seele in den Himmel nimmt. Auf dem Wandbild oben reicht Christus die Krone an Elisabeth.

Das Relief ist angebracht worden im Zusammenhang mit einem Besuch, den Kaiser Karl IV. (1346-78) zusammen mit der Königin-Mutter Elisabeth von Ungarn und anderen Großen in Marburg gemacht hat im Jahre 1357.

Der Katharinenaltar

In der Nische des Katharinenaltars befinden sich Wandmalereien aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts. Dargestellt ist links die Enthauptung der heiligen Katharina (02), in der Mitte Maria und Johannes unter dem Kreuz Christi (03) und rechts der Auferstandene, der Maria Magdalena als Gärtner (04) begegnet.

In der Nische links sieht man die heilige Anna selbdritt in altertümlicher Auffassung. Maria und Jesus sitzen wie Kinder auf Annas Knien (05).

Rechts in der Nische ist die Heilige Margareta (06) zu sehen, die den Drachen tötet.

Die Kreuzigungsgruppe

Der Kruzifixus aus Holz und die auf die Wand gemalten Figuren stammen aus der Zeit um 1480 und wurden im 19. Jahrhundert restauriert. Die Kreuzesbalken stammen aus neuerer Zeit.

Unter dem Kreuz stehen Maria der Jünger Johannes. Auf dem Malgrund ist das Grün der Erde (02) dargestellt. Daraus ragt das Kreuz in das Blau des Himmels (03), an dem Sonne und Mond ihren Schein verloren haben.

Die Seele des gekreuzigten Verbrechers zu seiner Rechten, der Jesus um Erbarmen gebeten hat, wird als reine und betend aufgerichtete kleine Gestalt von einem Engel aufgenommen (04), während die Seele dessen, der Jesus noch vom Kreuz aus verhöhnt hatte, in Gestalt eines dunklen und verkrümmten Menschleins von einem koboldhaften Teufel (05) gepackt wird.

Der Elisabethaltar (Fresko)

Der Elisabethaltar war im Mittelalter besonders ausgezeichnet als Altar der Titelheiligen. An einigen Festtagen amtierte hier der Prior des Deutschen Hauses im Bischofsgewand.

Die Kreuzesgruppe in der Mitte des Freskos stammt aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts und ist - fachkundige Restaurierungen ausgenommen - im Originalzustand. Christus windet sich in Todesschmerzen am Kreuz. Der Jünger Johannes bewahrt die leidende Mutter Gottes davor, vornüber zu sinken. Der Hauptmann Longinus auf der rechten Seite zeigt mit ausgestreckter Hand auf den Gekreuzigten und hält in seiner Linken ein Spruchband mit einem nun erloschenen Text. Dort stand in Latein: „Dies war in Wahrheit Gottes Sohn“.

Links ist die Legende vom Gekreuzigten im Bett dargestellt. Elisabeth hatte einen Aussätzigen in das Ehebett gelegt. Ihr Ehemann, von seiner Mutter davon unterrichtet, sah in dem Kranken den Gekreuzigten und teilt seine Zustimmung zu ihrem Tun auf dem Spruchband mit.

Rechts sieht man die "Erhebung der Gebeine" derHeiligen, die am 1. Mai 1236 in Anwesenheit KaiserFriedrichs II. stattfand. 

Marienaltar

Zwischen 1512 und 1517 wurde auf den Altartisch der Marienaltar gestellt, der von Ludwig Juppe geschnitzt worden war. Die Gemälde auf den Flügeln hatte Johann von der Leyten gemalt.

Im geschnitzten Schrein in der Mitte ist die Krönung Marias durch Gott den Vater und Gott den Sohn zu sehen. Wahrscheinlich war der Heilige Geist ursprünglich als eine Taube dargestellt, die über Maria schwebte.

Der linke Flügel zeigt die Anbetung der Heiligen Drei Könige. Zwei sind schon niedergekniet, haben ihre Kronen abgelegt und öffnen ihre Schätze, ein dritter  tritt gerade hinzu. Links ist Joseph zu sehen, dahinter die Köpfe von Ochse und Esel, die oft beim Kind in der Krippe dargestellt werden und an das Wort des Propheten Jesaja erinnern: „Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn“.

Der rechte Flügel zeigt den Tod Marias, bei dem sich die Jünger am Sterbebett der Mutter Jesu versammelt haben, und ihre Aufnahme in den Himmel, Mariae Himmelfahrt, gefeiert am 15. August. Am Vorabend dieses Festes wurde im Jahre 1235 der Grundstein zur Elisabethkirche gelegt. 

Die zeitweilige Grablege der Preußenkönige

Von 1946 bis 1952 waren hier unter dem Fußboden die Särge der preußischen Könige Friedrich Wilhelms I. und Friedrichs des Großen beigesetzt.

Wir verlassen den Elisabethchor und gehen durch den Durchgang in den Hohen Chor.