Ausgabe Nr 7: Frühling 2017

Liebe Leserin, lieber Leser

„Männer & Frauen passen einfach nicht zusammen“, meint Loriot, und wenn man in die Kirchengeschichte schaut, dann dachten das anscheinend auch nicht wenige. Aber zumindest die Schöpfungsgeschichten im Alten Testament, auch mancher Satz im Neuen sehen das anders.

In der Geschichte der Kirche blieb man, nach ungewöhnlichen Anfängen in der Urgemeinde, schnell und lang bei einem hierarchischen Verhältnis zwischen Männern und Frauen. Die Reformatoren haben sich hier auch nur wenig von den Haltungen ihrer Zeit gelöst. Die erste Gemeinschaft in der Jesus-Nachfolge hat es jedoch mit der Gleichwertigkeit der Menschen ernster genommen als spätere Generationen. Entgegen den gesellschaftlichen Gepflogenheiten, nach denen nur Männer als glaubwürdige Zeugen angesehen wurden, waren es Frauen, die als erste das leere Grab sehen und davon berichten und die dem auferstandenen Jesus begegnen – und ihr Zeugnis gilt.

Wie ist es aber dann zur Abwertung von Frauen im Christentum gekommen? Eine Ursache war: Man hat sich an die Verhältnisse in den damaligen Zeiten angepasst! Aber Anpassung an die Verhältnisse ist keine biblische Tugend!

Biblisch (und ein Erbe der Reformation) ist eine Freiheit, die uns von überkommenen Mustern wegführt: Als Gottes Ebenbild (Gen 1) hat jeder Mensch eine besondere Würde - als Frau und als Mann. Diese Grundbestimmung zu suchen und in immer neuen Versuchen auch umzusetzen, ist bis heute die Herausforderung, auch in den Kirchen der Reformation.

mit herzlichem Gruß,
Ihr Team Öffentlichkeitsarbeit

Ausstellung „Spuren der Reformation in der Marburger Elisabethkirche“

Das Grabmal Annas von Mecklenburg, Foto: Simon Dietrich

Heiligenfiguren, Schnitzaltäre, Reliquienschrein – auf den ersten Blick fällt es schwer zu glauben, dass die Elisabethkirche heute protestantisch ist, ja, dass hier sogar schon seit Ende der 1520er Jahre fast durchgängig evangelischer Gottesdienst gefeiert wird. Wie ist dieser Widerspruch zu erklären? Wie ging man von protestantischer Seite aus mit dem reichen mittelalterlichen, „katholischen“ Erbe der Kirche um? Was wurde aus den Reliquien der heiligen Elisabeth?

Diesen und weiteren Fragen möchte sich eine Ausstellung der Kirchengemeinde, die vom 17. Mai bis 31. Oktober im Seitenschiff der Elisabethkirche zu sehen sein wird, widmen. Anhand der zahlreichen, nicht gerade immer offensichtlichen Spuren, die die Reformation in der Elisabethkirche hinterlassen hat, sollen Themen wie etwa „lutherische Begräbniskultur“, „Bildersturm“ und „Simultaneum“, während dessen 1811-1827 Protestanten wie Katholiken gleichermaßen den Kirchenraum nutzten, veranschaulicht werden.

„Welche Spuren könnten damit gemeint sein?“, werden Sie sich nun vielleicht fragen. Ein Beispiel: An der östlichen Wand des Landgrafenchors steht das Grabmal Annas von Mecklenburg, der Mutter Landgraf Philipps. Anders als ihr Sohn blieb Anna bis zu ihrem Tod 1525 der Papstkirche treu. Auf der Inschrift ihres Grabsteins wird der „Trauer und Schrecken“ gedacht, die die „verschiedenen Unruhen über die Religion und die Bauernkriege in ihrer Seele“ ausgelöst hatten.

Auf gleiche Weise erzählt auch manch anderes Kunstwerk in der Kirche von den Veränderungen und Folgen der Reformationszeit, etwa die seit dem calvinistischen Bildersturm leeren Lettnernischen oder Reste einer Opferbüchse, die die Katholiken während des Simultaneums angebracht hatten. Von weiteren Zeugnissen, wie z.B. den einst zahlreichen Grabsteinen, die nach der Reformation in Mittelschiff und Chören aufgestellt wurden, haben sich nur minimale Reste erhalten. Und vieles über die einstigen Verhältnisse in unserer Kirche wissen wir nur noch, weil Archivakten davon berichten: War Ihnen etwa bekannt, dass die Gottesdienstbesucher im 18. Jahrhundert hier Kirchenbänke mieten mussten?

Diesen Spuren  mit  und  durch  die Ausstellung zu folgen, sind Sie herzlich eingeladen!

Ausstellungseröffnung

Reste der Opferbüchse, die die Katholiken während des Simultaneums 1811-27 benutzten, Foto: Simon Dietrich

Eröffnet wird die Ausstellung am 17. Mai 2017 um 19.30 Uhr mit einem Festvortrag des Kirchenhistorikers Prof. Dr. Volker Leppin aus Tübingen mit dem Thema „Luther: Mystik und Reformation - eine Botschaft für die Leistungsgesellschaft des 21. Jahrhunderts“.

Führungen zur Ausstellung

  • jeden 1. Sonntag im Monat um 15 Uhr
  • So, 21.5. 16 Uhr, Der 18. Mai 1539: Demonstration der Reformation in der Elisabethkirche
  • So, 20.8. 16 Uhr, Das Simultaneum 1811-1827: Als evangelische und katholische Christen sich die Kirche teilen mussten.
  • So, 17.9. 16 Uhr, Die Elisabethkirche als Bestattungsplatz in nachreformatorischer Zeit
  • So, 22.10. 16 Uhr, Führung zur Finissage: Frömmigkeit im Wandel der Zeiten. Von Ablässen und Heiligenkult zum Evangelium „lauter und rein“ - eine Spurensuche in der Elisabethkirche

Weitere Informationen finden Sie auf unserem Ausstellungsflyer oder unter: www.elisabethkirche.de/spuren.

Fahnen an der Elisabethkirche „Aufbrüche - Reformation 2017“

Die „Tagesfahne“ (links im Bild) repräsentiert unser waches Bewußtsein, die „Nachtfahne“ (rechts) den Zustand des Unterbewußtseins. Foto: Christine Dahrendorf

Unter dem Thema „Aufbrüche“ gestalteten zehn Marburger Künstlerinnen und Künstler im Auftrag des Fachdienstes Kultur der Stadt Marburg Fahnen, die in diesem Jahr im ganzen Stadtgebiet verteilt, die Bürgerinnen und Bürger, Besucherinnen und Besucher inspirieren sollen. An der Elisabethkirche sind an der Südseite zwei Fahnen der Künstlerin Christine Dahrendorf zu sehen.

Mit dem folgenden Text beschreibt Christine Dahrendorf ihre Gedanken zu den beiden Werken.
„Martin Luther kennzeichnete seine Schriften mit der sogenannten Lutherrose. Alle Reformatoren benutzten ähnliche wirkmächtige Symbolbilder. Luther sah seine Handlungsmaxime der überpersönlichen Alchemie der weißen Rose mit rotem Herz und schwarzem Kreuz, eingebettet in goldumrahmtes Himmelsblau, verbunden. In der Abgeschiedenheit seines Turmzimmers ringend mit Gott erfuhr er sein wichtigstes Einweihungserlebnis. Dies war der unverrückbare Grundstein seines Wirkens.

Der Entwurf: Die fünfblättrige Rose trägt in sich das Pentagramm: Das Zeichen des Menschen. Die weiße Blüte meint den nach Lauterkeit Strebenden. Das Herz als Agape, die göttliche Liebe, jetzt in der Farbe Purpur, die Religio, die Rückverbindung zum Überpersönlich-Göttlichen. Die Transformation des schwarzen zum ergrünten Kreuz, das nun zum frischen Spross wurde, ist das Zeichen der Auferstehung Christi, der den Tod überwand. Der goldene Ring wurde zum gelben Schein und kündigt wie eine Glorie den Beginn des immateriellen Leuchtens an, in dem der Materialismus vom kulturell-kreativen Bewusstsein abgelöst ist: Jeder Mensch, als schöpferisches Wesen, hat das Potential zum Aufbruch. Als freies Wesen kann er sich jenseits von jeglicher Religion und politischer Meinung mit der absolut neuen evolutiv wirksamen Auferstehungskraft verbinden.“

Du, meine Seele, singe… Die Kantorei der Elisabethkirche besteht seit 40 Jahren

Die Kantorei gehört fast mein halbes Leben dazu, die Freude bei den Proben, das Hochgefühl bei großen Aufführungen und die Dankbarkeit, Gottesdienste mit zu verschönern. Ich kann mir mein Leben ohne Singen nicht vorstellen.“ sagt Christa Hauptmeier. Sie ist von Anfang an dabei und hat die 40 Jahre, die der Chor nun besteht, miterlebt. Damit spricht sie vielen Sängerinnen und Sängern aus dem Herzen.

Ein besonderer Festgottesdienst sollte es nicht sein – aber ein Gottesdienst mit viel Musik  wurde am 26. Februar 2017 in der Elisabethkirche gefeiert. Im ersten Gottesdienst, an dem die Kantorei mitwirkte  erklang damals von Hugo Distler „Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreit meine Seele nach dir“. Ein dreistimmiger Satz – denn neben 11 Frauen fanden sich zunächst nur zwei Männer in dem Kirchenchor, wie er damals genannt wurde, ein. Brigitte Leppin leitete diesen Chor 20 Jahre lang, nach einer Weile durfte sie sich Kantorin nennen – und aus dem Kirchenchor wurde eine Kantorei.

Nach Jochen Kaiser, dem ersten hauptamtlichen Leiter, und Dr. Helmut Hering, der von 2003 bis 2004 den Chor leitete, ist nun Nils Kuppe als Kantor für die Kantorei verantwortlich. Im Festgottesdienst hörten die Besucher die Stücke aus der Anfangszeit des Chores.  Pfarrerin  Dr. Müller bedankte sich bei den Musikern symbolisch mit einem kleinen goldenen Päckchen. „Ein Goldschatz“, sagte sie, „ist das Singen für die Kantorei – und damit auch für die ganze Gemeinde“.

Etliche Mitglieder waren im Gründungsjahr des Chores 1977 noch lange nicht geboren, die Jüngsten sind erst 14 und 15 Jahre alt. Die älteste Sängerin ist bald 90. So vielfältig wie die Sänger, so abwechslungsreich waren die Programme. Fester Bestandteil ist in jedem Jahr am 2. Advent das Weihnachtsoratorium von Bach.  Überhaupt Johann Sebastian Bach – er wird immer wieder gern erarbeitet. Hier fühlen sich Sänger wie Chorleiter heimisch. Was nicht heißt, dass andere Komponisten und Zeiten ausgelassen würden. Händels „Messiah“, von Mendelssohn der „Elias“ und andere Werke, das „Requiem“ von Verdi waren Höhepunkte. Aber nicht nur die Musik vergangener Zeiten wurde gesungen, auch neuere Kompositionen forderten den Chor heraus. Mauersbergers Motette „Wie liegt die Stadt so wüst“ aus dem Jahre 1945 wurde am 25. Jahrestages des Mauerfalls 2014 aufgeführt. Aber nicht nur in Konzerten ist die Kantorei zu hören, musikalisch gestaltet sie mehrere Gottesdienste im Jahresverlauf. So ist die Kantorei ein wichtiger Teil des Kirchenmusiklebens in Marburg.

Auch in diesem Jahr bietet die Kantorei wieder ein reichhaltiges Programm.  Den Anfang machte im März die Johannespassion von J.S. Bach. Im Ostergottesdienst wurde die Kantate „Christ ist erstanden“ von Bach gesungen. Im November wird das „Deutsche Requiem“ von Johannes Brahms zu vernehmen sein und im Advent dann – ja, wie in jedem Jahr: Das Weihnachtsoratorium!

Interessierte Sängerinnen und Sänger können sich gerne bei Nils Kuppe (kuppe@elisabethkirche.de) melden.

Besondere Termine und Veranstaltungen

Neben den regelmäßigen Veranstaltungshinweisen in der ökumenischen Zeitung KiM und hier auf unserer Webseite: www.Elisabethkirche.de möchten wir Ihnen hier einige besondere Veranstaltungen nahebringen:

Führungen

  • Sonntags nach dem Gottesdienst und werktags um 15.00 Uhr

Orgelführung

  • Samstag, den 20.5., 26.8. und 30.9.; jeweils um 12 Uhr

Dachstuhlführungen

  • Samstag, den 13.5., 20.5., 10.6., 17.6., 8.7., 15.7., 12.8., 19.8., 9.9., 16.9.; jeweils um 10 Uhr. Teilnehmen können Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahre. Bitte in der Küsterstube, Tel. 65573, anmelden.

Kinder führen Kinder

  • Sonntags jeweils um 12 Uhr am: 27.3., 24. 4., 29. 5., 26. 6. und am 31. 7.

Sonderführungen

  • Sonderführungen zur Ausstellung finden Sie in der Innenseite des Elisabethbriefes
  • So, 18.6., 15:15 Uhr, „...ich will mal schauen...“ - Spirituelle Führung
  • Sa, 24.6., 17 Uhr, Führung zum Johannistag
  • So, 25.6. 12 Uhr, Kirchenführung von Kindern für Kinder
  • So, 25.6. 16 Uhr, Die Glocken (keine Turmbesteigung)
  • So, 16.7. 16 Uhr, Die heilige Katharina

      Kirchenmusik

      • Fr, 9.6. 19 Uhr, Orgelkonzert
      • Sa, 1.7. 18 Uhr, Orgelkonzert
      • Sa, 22.7. 18 Uhr, Chorkonzert des Universitätschores Marburg
      • Fr, 18.8. 19 Uhr, Orgelkonzert
      • 8.-10.9. Landeskirchenmusiktage in Marburg (www.landeskirchenmusiktage.de

        Besondere Gottesdienste

        • 10 Uhr Gottesdienst mit Kirchencafé: 28.5., 11.6., 2.7., 23.7., 13.8. und 3.9.
        • 21.5., 10 Uhr, SINGEN und SAGEN: Der Hess. Finanzminister Dr. Thomas Schäfer spricht über seinen Lieblings­choral.
        • 25.5. 10 Uhr, Open Air Himmelfahrtgottesdienst der Innenstadtgemeinden auf dem Lutherischen Kirchhof
        • 11.6. 10 Uhr, Wunschliedergottesdienst
        • 25.6. 10 Uhr, Festgottesdienst zum 60. Jubiläum der Kita Martin-Luther-Haus

          Herausgegeben

          vom Kirchenvorstand der Elisabethkirche,
          dem Ausschuss für Öffentlichkeitsarbeit mit
          Dr. Falk Knüppel, Rolf Steubing, Bernhard Dietrich, Nicola Sandner, Prof. Dr. Harald Renz,
          Schützenstraße 39 | 35039 Marburg
          Elisabethbrief@Elisabethkirche.de
          www.Elisabethkirche.de