Ausgabe Nr 7: Winter 2016/17

Liebe Leserin, lieber Leser

Weihnachtsmedallion am Schrein Elisabeths. Foto Marburg

„Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir!“ (Jes 60,1)

Wie eine Sonne, die aufgeht und die Dunkelheit vertreibt, so wird mit dem Weihnachtsmedallion auf der Rückseite des Elisa­bethschreins die Menschwerdung der Liebe Gottes in der Geburt Jesu dem Betrachter vor Augen geführt.

Etwas von diesem Licht in dunkler Zeit mit vielen beunruhigenden Nachrichten aus aller Welt wünschen wir Ihnen als Leserinnen und Leser dieser ‚Winterausgabe‘ des Elisabeth­briefes.

Sie finden

 

  • die Vorstellung unseres neuen Küsters,
  • Berichte von  der Kirchenmusik und
  • über das Mittagsgebet, das an jedem Werktag seit dem 11. September 2001 als Friedensgebet gehalten wird.
  • Am 31. Oktober hat das Reformationsjahr auch in der Elisabeth­kirche mit der Einführung der neuen, revidierten Lutherbibel  (2017) begonnen.

Was das bedeutet und was Sie an Besonderem erwartet in der vor uns liegenden Zeit - ‚machen Sie sich auf und werden Sie licht‘ ...

mit herzlichem Gruß,
Ihr Team Öffentlichkeitsarbeit

Mittagsgebet

„Und der Heilige Geist setzte sich auf ihn, gleich wie eine Taube.“ Christusfenster der Elisabethkirche. Foto: Bernhard Dietrich

´Jeden Tag?`

- ´Ja, an jedem Werktag um zwölf nach dem Mittagsläuten!`

- ´Und schon seit 2001?`

- ´Ja, und noch kein Mal ausgefallen!`

Das sind Fragen, die regelmäßig gestellt werden, von Touristen, von Marburgern und von Menschen aus unserer Gemeinde. Denn trotz der Bekanntmachung an jedem Sonntag im Gottesdienst und in KiM wissen viele nicht von diesem täglichen Angebot.

Als am 11. September 2001 ein vollbesetztes Flugzeug in die Zwillingstürme in New York gesteuert wurde, begann eine neue Art des Terrorismus – und ein neues Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit. Wie kann man reagieren? Abends Rundruf im Kirchenvorstand: wir läuten um 21 Uhr die Glocken, öffnen die Türen der Elisabethkirche und halten ein Friedensgebet. Viele Menschen ließen sich von den Glocken rufen, und es war schnell klar, dass das Friedensgebet nicht einmalig sein konnte. Aber welche Zeit? Berufstätige sagten, sie könnten mittags nicht kommen, wir testeten 17 und 18 Uhr, aber da kam kaum jemand, und so gingen wir auf die alte Gebetszeit um 12 Uhr. Beim Glockenläuten hielt früher der Bauer seinen Pflug an und der Handwerker legte seine Arbeit aus der Hand für ein Vaterunser. Und diese Zeit hat sich bewährt! Touristen lassen sich einladen, eine feste Gemeinde trifft sich und teilt Freud und Leid und auch mancher Berufstätiger kommt in seiner Mittagspause. Wir sprechen jetzt vom Mittagsgebet, was eine größere Offenheit hat. Gehalten wird die etwa 15minütige Andacht überwiegend von Laien, und jeder hat seine eigene Art, was eine große Abwechslung bringt. Meist wird gesungen, ein Psalm im Wechsel oder gemeinsam gebetet, und dann kommen eigene Gedanken zur Weltlage, der Losung, dem Wochenspruch, der fortlaufenden Bibellese oder es wird ein kurzer Text gelesen. Nach gemeinsamem Gebet aus dem Gesangbuch oder einzeln gebetet vom jeweils Verantwortlichen folgt das gemeinsame Vaterunser, manchmal eine Schlussstrophe und die Bitte um den Segen.

Und wie oft kommt hinterher jemand mit Dank, dass er gerade zu dieser Zeit in die Kirche kam. Wie vielen Menschen tut dies kurze Innehalten und sich Besinnen gut! Früher kamen auch regelmäßig Patienten und Besucher der Kliniken und fanden hier Einkehr. Die Gespräche hinterher sind für alle immer eine Bereicherung.

Der Kreis der Mitarbeiter könnte noch ein paar Menschen brauchen – fühlen Sie sich angesprochen und bekommen Lust, mitzumachen?

Neuer Küster Herbert Wiegand

Herbert Wiegand wurde am 25. August 2016 als neuer Küster der Elisabethkirche im Gottesdienst vorgestellt. Foto: Bernhard Dietrich

Mein Name ist Herbert Wiegand, ich bin am 14. März 1958 in Marburg geboren und seit 1992 verheiratet. Seit meiner Kindheit wohne ich in Wetter-Amönau - in einem Dorf der sieben Brücken.1983 habe ich den Abschluss zum Landwirtschaftsmeister absolviert.

Bis August 2016 war ich Vollerwerbslandwirt und bewirtschaftete einen Milchviehbetrieb. Aufgrund der ständig fallenden Milcherzeugerpreise, bin ich zu dem Entschluss gekommen, mich als Küster für die Elisabethkirche zu bewerben.

Im August diesen Jahres begann für mich ein völlig neuer beruflicher Lebensabschnitt als Küster in der Elisabethkirche.

Dem Kirchenvorstand, dem Küsterteam, den Pfarrerinnen und Pfarrern und allen Menschen, die mir täglich bei meiner neuen Arbeit begegnen möchte ich ganz herzlich DANKE! sagen, dafür, dass sie mich freundlich und herzlich aufgenommen haben. Ich bin froh und dankbar, dass ich diesen neuen Weg gehen darf.

Orgeljubiläum - Te deum laudamus

Jubiläumsgottesdienst. Foto: Bernhard Dietrich

Dich, Gott, loben wir! Welcher Text könnte besser geeignet sein, um die große Klais-Orgel zu ihrem 10. Geburtstag zu ehren.

Der Festgottesdienst bildete den Abschluss eines Geburtstagswochenendes. Begonnen hatten die Feierlichkeiten mit zwei Aufführungen von „Peter und der Wolf“ am 4. November. In diesem musikalischen Märchen haben alle beteiligten Figuren den Klang eines bestimmten Instrumentes: Der Vogel singt durch die Stimme einer Querflöte, die Katze hört sich wie eine Klarinette an, das Fagott, die Hörner und die Streicher verkörpern die anderen Rollen. All das kann unsere Orgel ganz allein! Nur auf die Pauken wurde echt geschlagen.

Die Kantorei sang die Werke, die sie schon auf ihrer Reise nach Thüringen hatte erklingen lassen – aber im Konzert am 5. November wurde sie von diesem herrlichen Instrument unserer Kirche begleitet. Die vielfältigen Register der „Königin“ erklangen dann von hoch oben durch den Raum  und unterstützten die Sängerinnen und Sänger, ergänzten sie oder verstärkten ihre Stimmen. Zu diesem Anlass spielte nicht Nils Kuppe das große Instrument, sondern sein Freund und Kollege aus Halle, Irenée Peyrot.

In einem musikalischen Gottesdienst wurde dann am Sonntag, den 6. November, unserer Orgel mit Gesang, Orgelspiel und einer erfrischenden Ansprache von Propst Wöllenstein gedacht. „Die Königin hat Geburtstag“ – Anlass, darüber nachzudenken, was diese ‚Königin‘ uns allen schenkt.

Herr, Du erforschest mich und kennst mich

Konzert der Kantorei der Elisabethkirche in der Georgenkirche Eisenach. Foto Hartmut Wild

Mit diesen Worten des 139. Psalms beginnt die Vertonung, die der Chor in den letzten Wochen intensiv geprobt hat. Johann Lieberknecht hat diesen Text in ein anspruchsvolles Stück gesetzt. Die Noten waren noch druckfrisch, als sich etwa 65 Sängerinnen und Sänger auf den Weg nach Thüringen zu einer kurzen Konzertreise machten. Am Fuß des Inselsberges, in Tabarz, fanden wir ein schönes Quartier vor.

Die erste Station war Jena. Gut ausgestattet mit Tipps und Informationen zu der Stadt machten sich alle zunächst auf, um die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. – nur das Wetter blieb leider herbstlich grau und kühl. Wenngleich auch die Temperatur in der Kirche wenig einladend war, umso herzlicher und wärmer der Empfang durch die Mitarbeiter der Gemeinde. Kaffee, Kuchen, eine kleine Führung durch die Kirche und nebenbei eine freche Ausstellung mit Karikaturen über das Altern. Tradition in Jena ist eine musikalische Andacht, in deren Rahmen wir das „Te deum“ von Flor Peeters, den Psalm 139 von Johann Lieberknecht sowie die „misse solennelle“ von Louis Vierne sangen. An der Orgel wurden wir von Irenée Peyrot aus Halle begleitet, einem alten Bekannten, mit dem der Chor schon mehrmals erfreulich und vergnüglich zusammengearbeitet hat.

Am Sonntag machten wir leider wieder Bekanntschaft mit dem zähen Nebel – vom Inselsberg aus konnten wir nur verschwommen die Tannenspitzen erkennen. Um so schöner der Aufenthalt in Eisenach. Wahlweise besichtigten wir das Bach-Museum oder das Lutherhaus. Das abschließende Konzert, in der Reihe der Eisenacher Sonntagskonzerte, wurde ergänzt durch das „Te deum“ von Max Reger und ein „prélude et fugue“ von Marcel Dupré sowie einen Choral von César Franck, die Irenée Peyrot auf der Orgel erklingen ließ.

Mit viel Musik in den Ohren und Herzen kamen wir erfüllt in Marburg an. Danke an alle, die mit der Organisation geholfen haben, danke an Nils Kuppe für seine Leitung!

500 Jahre Reformation - Jubiläumsjahr in der Elisabethkirche

Die neue Altarbibel mit dem revidierten Luthertext 2017 wurde am Reformationstag 2016 eingeführt. Foto: Bernhard Dietrich

Auch in der Elisabethkirche begann das Reformationsjahr am 31.10.2016 mit der Einführung der neuen Altarbibel mit dem neu revidierten Luthertext.

Die EKD erinnert damit an eines der wichtigsten Ereignisse der Reformation. Martin Luther übersetzte die Bibel ins Deutsche. Alle Christen sollten - so wie er - erfahren können, dass Gott aus der Bibel zu uns spricht. Sein gutes, befreiendes Wort. Alle sollten es selbst lesen können, nicht in einer fremden alten Sprache, die man studieren muss, sondern in ihrer Muttersprache.

Luthers Übersetzung ist bis heute die meistgebrauchte Bibelübersetzung in Deutschland. Sie hat die deutsche Sprache entscheidend geprägt.

Doch Sprache ist etwas sehr Lebendiges. Sie verändert sich ständig. Die alte Übersetzung von 1545 musste im Laufe der Zeit schon oft sprachlich angepasst werden. So wird zu diesem großen Jubiläum auch eine neu revidierte Fassung vorgelegt. 70 Wissenschaftler haben seit 2010 an neuen Fassung gearbeitet und an über 15.000 Stellen die Sprache meist geringfügig angepasst.  Die Treue gegenüber dem biblischen Text war oberstes Ziel.

Manches ist jetzt einfach verständlicher: Aus dem alten Wort „Wehmutter“ wird die „Hebamme“. Manche Stellen entsprechen jetzt einfach genauer dem Sinn des Urtextes: Wo im Neuen Testament von „Brüdern“ die Rede ist, aber schon damals die anwesenden Frauen mit gemeint waren, wird es heute ausgesprochen: „Brüder und Schwestern“. Oder es wurden gravierende Fehler, mit denen man eine kollektive Herabsetzung von Juden meinte begründen zu können, behoben.

Und schließlich kehren etliche Stellen zurück zu Luthers Sprache und ihrem originellen Klang. Nachdem man zuletzt diejenigen, die andere denunzieren, etwas blass  „Zuträger“ genannt hat, sind sie heute wieder das, was sie bei Luther waren: „Ohrenbläser“. Und wer wirklich in Not ist, weiß, dass eine Seele schreien kann, auch wenn kein anderer sie hört: Psalm 42 „Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele Gott zu dir“.

Auch in der Elisabethgemeinde können Sie sich auf eine Reihe von interessanten Veranstaltungen im Reformationsjahr freuen:

 

  • 7.5.2017: Stationenweg. Der Luthertruck macht Halt in Marburg und der Kirchenkreis feiert ein Fest der Ehrenamtlichen (Priestertum aller Gläubigen)
  • 18.5 bis 31.10 2017: Ausstellung: Spuren der Reformation in der Elisabethkirche
  • 25.8. bis 3.9.2017: Pilgerweg von Eisenach nach Marburg: „Mit Elisabeth und Luther auf dem Weg“ mit Pilgerkirche und Pilgerfest.
  • 29.10.2017: Zentraler Reforma­tions­gottesdienst der hessischen Landeskirchen

Besondere Termine und Veranstaltungen

Neben den regelmäßigen Veranstaltungshinweisen in der ökumenischen Zeitung KiM und hier auf unserer Webseite: www.Elisabethkirche.de möchten wir Ihnen hier einige besondere Veranstaltungen nahebringen:

Führungen

  • Sonntags nach dem Gottesdienst

Orgelführung

  • am Samstag, dem 10.12.; jeweils um 12 Uhr (Kosten 5€)

Dachstuhlführungen

  • aam Samstag, dem 10.12.+17.12.; 14.1.; 11.2. + 18.2.; sowie am 11.3. + 18.3.2016 jeweils um 10 Uhr. Teilnehmen können Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahre. (Kosten: 5€) Bitte in der Küsterstube, Tel. 65573, anmelden.

Kinder führen Kinder

  • Sonntags jeweils um 12 Uhr am: 25.12.; 29.1.; 26.2.; 26.3.

Sonderführungen

  • Führungen im Advent: Mittwochs 16 Uhr für Kinder und Erwachsene zu Bildern über Advent und Weihnachten
  • am 19.2. gibt es eine Sonderführung mit dem Thema Maria Magdalena um 15 Uhr und
  • am 19.3. um 15 Uhr wird der Hochaltar genauer betrachtet

    Kirchenmusik

    • Sa. 3.12 18 Uhr, So 4.12. 15 Uhr und 18 Uhr: Weihnachtsoratorium alle 6 Kantaten
    • Sa. 10.12 18 Uhr Bläsermusik im Kerzenschein
    • Sa. 17.12. 18 Uhr Adventsliedersingen
    • Sa. 31. Dez. 22 Uhr Silvesterkonzert. Ein musikalisches Feuerwerk auf der Orgel: Nils Kuppe
    • Sa. 25. + So. 26.3.17 jeweils18 Uhr: Johannespassion

      Gottesdienste

      • 11.12., 10 Uhr Gottesdienst mit Kirchencafé (dann am: 23,1, 19.2., 19.3., 30.4.2017)
      • 11.12., 18 Uhr Gottesdienst mit der selten aufgeführten Weihnachtsgeschichte von Hugo Distler
      • 31.12., 18 Uhr Beichtgottesdienst am Altjahresabend
      • 31.12., 23 Uhr Michelchen: „Besinnlich der Jahreswende entgegen“
      • 1.1., 17 Uhr Neujahrsgottesdienst
      • 5.3. / 12.3./ 19.3./ 2.4./ 9.4: 18 Uhr Fastentee zum Wochenschluss

        Herausgegeben

        vom Kirchenvorstand der Elisabethkirche,
        dem Ausschuss für Öffentlichkeitsarbeit mit
        Dr. Falk Knüppel, Rolf Steubing, Bernhard Dietrich, Nicola Sandner, Prof. Dr. Harald Renz,
        Schützenstraße 39 | 35039 Marburg
        Elisabethbrief@Elisabethkirche.de
        www.Elisabethkirche.de